Wahlkreis Cloppenburg-Vechta Silvia Breher (CDU) holt sich klar das Direktmandat
Im Wahlkreis Cloppenburg-Vechta gab es den erwarteten Erfolg von Silvia Breher von der CDU. So hat die 51-Jährige ihr Wahlergebnis bewertet – und das sagen die anderen Kandidaten.
Cloppenburg/Vechta - Die CDU-Kandidatin Silvia Breher hat mit großem Abstand das Direktmandat im Wahlkreis Cloppenburg-Vechta gewonnen. Die 51-Jährige erreichte 45,83 Prozent der Erststimmen und lag damit klar vor dem AfD-Kandidaten Sven Sager (20,63 Prozent) sowie dem SPD-Bewerber Alexander Bartz (17,48 Prozent).
Silvia Breher sagte zu ihrem Abschneiden: „Ich freue mich, dass ich, nachdem die AfD in unserem Wahlkreis extrem stark geworden ist, immer noch ein gutes Ergebnis habe.“ Das erfülle sie mit großer Dankbarkeit „und macht mich schon froh“.
Das Abschneiden der AfD hingegen mache ihr dagegen Sorgen. „Wir brauchen eine andere Politik auf Bundesebene. Überall im Land erwarten die Menschen von der Politik, dass sie die Probleme löst, die sie am Küchentisch besprechen.“ Das sei zum einen die Wirtschaftskrise, aber auch die Migrationspolitik. „Wenn wir das nicht hinkriegen, dann sehen wir diese AfD-Ergebnisse“, ist Breher überzeugt.
Welche Ambitionen sie persönlich mit ihrem Wahlergebnis im Hinblick auf die Posten in der künftigen Regierungskoalition hege, ob sie auf ein Ministeramt hoffe – das sei „nicht ihre Denke“, erklärte die CDU-Politikerin. „Wir brauchen eine stabile Regierung. Das ist schon eine Herausforderung.“ Entscheidend für deren Zusammensetzung sei dabei, welche Parteien noch den Sprung in den Bundestag schaffen. Wenn die Koalition stehe, dann müsse sie Lösungen erarbeiten. Wer dann was macht, stehe ganz am Ende. „Das ist nicht lebensbedeutend für mich“, sagte Breher auf direkte Nachfrage nach Ambitionen auf ein Ministeramt. Entscheidend sei für sie das große Ganze. Damit ist an diesem Abend für die Bundestagsabgeordnete aus Lindern erst einmal alles gesagt.
Der bisherige SPD-Bundestagsabgeordnete für das Oldenburger Münsterland, Alexander Bartz, verbrachte den Wahlabend gemeinsam mit Genossen in Vechta. Die wilde Wahlparty sei es nicht, fügte der 40-Jährige sofort hinzu. Statt Rückenwind habe man aus Berlin Gegenwind bekommen. Was das für ihn persönlich bedeutet, fasste der Sozialdemokrat zusammen mit: „Es ist bitter, wenn es am Ende nicht für den Wiedereinzug in den Deutschen Bundestag reicht.“
Denn so ist es bei ihm. Im November 2022 war Bartz nachgerückt für Falko Mohrs, der als Wissenschaftsminister nach Hannover ging und deshalb aus dem Bundestag ausgeschieden war. Nun wird auch Bartz Berlin wieder verlassen. Er denke, dass sein Ausscheiden den Wahlkreis Cloppenburg-Vechta insgesamt schwäche. Wie es für ihn weitergehe, werde sich in den nächsten Monaten klären. Jetzt wolle er erst einmal „runterkommen“, sagte Bartz. Er müsse in Berlin seine Sachen packen, sein Büro räumen und den Mitarbeitern dort Lebewohl sagen. Das sei „bitter, aber so ist am Ende Politik“. Er werde immer von seiner Zeit im Bundestag zehren, versicherte der Vechtaer.
Nun werde er mit seinen Genossen „erstmal ein schönes Bier und vielleicht auch noch ein zweites“ trinken, erklärte er. Nach einem engagierten Wahlkampf bei Regen, Schnee und Wind, mit dem man sich vor Ort gegen den Bundestrend gestemmt habe, „darf man am Ende auch mal feiern – auch wenn es einen bittersüßen Beigeschmack hat“.
Der AfD-Kandidat Sven Sager sagte über seinen zweiten Platz bei den Erststimmen: „Ich freue mich sehr über das Ergebnis. Mit so einem großen Zuspruch hätte ich nicht gerechnet.“ Er habe in den vergangenen Monaten einen großen Zuspruch an den Infoständen erhalten. „Und wir konnten in den vergangenen Monaten im Kreisverband Cloppenburg-Vechta die Mitgliederzahlen fast verdoppeln“, berichtete der Cloppenburger, der übrigens den Wahlerfolg nicht auf einer Party feierte, sondern zu Hause. „Ich bin leider schon seit ein paar Wochen krank“, erklärte Sager. Trotz des guten Ergebnisses wird es für Sager allerdings nicht für den Einzug in den Deutschen Bundestag reichen. Er steht lediglich auf Platz 14 der niedersächsischen Landesliste der AfD.
Grünen-Kandidat Marius Meyer selbst hat mit gut sechs Prozent noch weniger Stimmen auf sich vereinigt als seine Partei. Er hätte sich schon noch ein paar mehr Prozentpunkte gewünscht – für seine Person wie auch für die Partei, gestand der 46-jährige KI-Entwickler offen ein. Gerade angesichts des Abschneidens der AfD, die fast 21 Prozent aller ausgezählten Zweitstimmen geholt hat, könne keine der demokratischen Parteien zufrieden sein. Deren Ergebnis „finde ich schlimm“, sprach Meyer offene Worte. Noch weniger Prozente als wahlkreisweit holte der Grüne an seinem eigenen Wohnort, der Gemeinde Lindern. Doch in Lindern ist Meyer nicht der einzige Mensch mit politischen Ambitionen: In Lindern lebt auch die CDU-Bundestagsabgeordnete Silvia Breher. Insgesamt sei er dennoch am heutigen Abend zufrieden, betonte Meyer. Ein anstrengender, aber spannender Wahlkampf liege hinter ihm. Meyer hat zum ersten Mal für den Deutschen Bundestag kandidiert. Das Ergebnis der Grünen auf Bundesebene finde er zwar „nicht berauschend“, aber auch „nicht so schlimm, wie es hätte sein können“.
„Es war damit zu rechnen, dass es kein leichter Abend werden wird für die FDP“, sagte der Liberale Paul Lanwer. Zu diesem Zeitpunkt ergaben die Hochrechnungen ein Ergebnis von 4,7 Prozent für die Liberalen bundesweit. Der 22-Jährige hat erstmals kandidiert. Er trat für die FDP im Wahlkreis Cloppenburg-Vechta an. Nach den Stimmenauszählungen kam er auf 3,3 Prozent. Im Wahllokal Elisabethfehn I in dem Ort, wo er aufgewachsen ist, vereinigte er allerdings mit 70 Stimmen 9,4 Prozent aller dort abgegeben Stimmen auf sich. Zufrieden war Paul Lanwer am Sonntagabend aber natürlich nicht. „Das ist nicht das, was wir uns vorgestellt haben“, sagte er. Er habe gedacht, die großen Probleme der Wirtschaftskrise in Deutschland hätten mehr Menschen für die FDP votieren lassen.
Der Kandidat der Linken im Wahlkreis Cloppenburg-Vechta, Uwe Meyer, hat mit seinen Parteifreunden das gute Ergebnis in einer Kneipe in Vechta gefeiert. „Die Stimmung war super, fast euphorisch“, sagte Meyer am Sonntagabend. Er habe in den vergangenen Wochen eine große Zustimmung erfahren. Am Ende schaffte Meyer bei den Erststimmen rund fünf Prozent, bei den Zweitstimmen kamen die Linken auf mehr als sechs Prozent.
Der Kandidat der Freien Wähler, Paul Kleine-Klatte, holte zwar lediglich rund 1,5 Prozent der Erststimmen, doch er war dennoch zufrieden. „Es hat sich gelohnt. Ich konnte viele neue Mitglieder gewinnen“, so Kleine-Klatte auf der Wahlparty in der Nähe von Hannover. Sein nächstes Ziel sei es nun, im Landkreis Vechta einen Kreisverband zu gründen. „Im Kreis Cloppenburg wird das noch etwas dauern, da benötigen noch mehr Interessierte“, sagte der Kandidat.
Karriere
Ein Kommentar von Henrik Zein
Die CDU-Kandidatin Silvia Breher hat einen deutlichen Sieg in ihrem Wahlkreis eingefahren. Sie erhielt 45,83 Prozent der Erststimmen. Auch wenn sie damit ihr Ergebnis von 2021 (49,39 Prozent) nicht ganz halten konnte, dürfte feststehen: Mit diesem klaren Erfolg wird Breher auch weiterhin eine gute Rolle innerhalb der CDU-Bundespartei spielen und möglicherweise auch an einem Amt als Ministerin unter dem designierten Kanzler Friedrich Merz schnuppern. Für Breher, die sich vor allem für die Bereiche Landwirtschaft, ländliche Räume und Familien stark macht, wäre sicherlich das Agrarministerium das am besten zu ihr passende Ressort. Allerdings werden bei der Verteilung von Ministerposten nicht immer Fachkenntnisse berücksichtigt. Das zeigte sich zuletzt auch im bereits erwähnten Agrarministerium, wo der fachfremde Grünen-Politiker Cem Özdemir enttäuschte. Und dass gute Wahlergebnisse nicht zwangsläufig während einer politischen Karriere einen Sprung ins Kabinett bedeuten, musste auch Brehers Parteifreundin Gitta Connemann erfahren. Sie hat es bis heute in keine Regierung geschafft – und wird das wohl auch nicht mehr erreichen. Sollte es auch für Breher nicht zu einem Ministerposten reichen, so wäre sicherlich auch das Amt einer Staatssekretärin im Agrarministerium etwas, was sie reizen könnte – und was ihr auch zuzutrauen wäre. Den Autor erreichen Sie unter h.zein@ga-online.de