Eltern häufig uneinsichtig Apotheker schlagen Alarm – Kinder-Medizin wird knapp
Im Oberledingerland und in den Gemeinden Barßel und Ramsloh werden vor allem Fieber-Medikamente knapp. Die Eltern werden gebeten, diese nicht zu bunkern, sondern nur bei wirklichem Bedarf zu kaufen.
Oberledingerland/Nordkreis Cloppenburg - Auf dem Fehn ist die Hölle los – dass liegt nicht nur an der aktuellen Erkältungs- und Grippewelle, die über die Region rollt, sondern vor allem an den Lieferengpässen für dringend benötigte Medikamente. Das sagt Susanne Terlau von der Center-Apotheke in Rhauderfehn. „Seit ungefähr zwei Monaten sind vor allem Fiebersäfte für Kinder Mangelware. Das ist ein großes Problem, wogegen wir wenig tun können“, so die Apothekerin.
Man versuche aktuell, den Mangel an Medikamenten,durch andere geeignete Präparate aufzufangen. „Statt des Fiebersaftes geben wir dann zum Beispiel Zäpfchen raus. Aber auch solche Lösungen gestalten sich als schwierig, da die Ersatz-Präparate auch nicht unbedingt lieferbar sind“, erläutert Terlau.
„Manche Eltern haben wenig Einsicht“
Es sei eine belastende Situation, die sich vor allem dann noch einmal zuspitze, wenn eine Apotheke Notdienst hat, weil dann mehr Menschen kommen würden. „Und wir können irgendwann keine Medikamente mehr rausgeben, wenn wir nur fünf statt der 50 benötigten Packungen da haben.“ Nicht nur die Apothekerin sei verzweifelt, sondern auch die Eltern, die für ihre Kinder Medikamente besorgen wollen.
Dr. Anne Sieverding von der geichnamigen Apotheke an der Hauptstraße in Ostrhauderfehn bezeichnet die aktuelle Situation ebenfalls als „katastrophal“. Sie appelliert an die Eltern, die Medikamente für ihre Kinder nicht auf Vorrat zu bunkern. „Doch manche Eltern haben da wenig Einsicht. Das führt dann teilweise zu unschönen Diskussionen“, betont Sieverding.
Abrechnung mit den Kassen komplizierter
Um gegen den Mangel bei Fertig-Präparaten von Fiebersäften und -zäpfchen anzukämpfen, versucht die Apothekerin, auf Alternativen umzusteigen und Medikamente teilweise selbst zu mischen. Doch das Mixen und die dann kompliziertere Abrechnung mit dern Krankenassen führten zu deutlich mehr Aufwand für ihr Personal.
Auch im Nordkreis Cloppenburg stellt sich die Situation in den Apotheken „dramatisch“ dar. So etwas habe sie in ihrer über 30-jährigen Berufslaufbahn noch nicht erlebt, versichert Brigitte Roder-Niehaus, Apothekerin aus Sedelsberg. Sabine Schimmeyer, Assistentin der Geschäftsleitung der vier Schünemann-Apotheken in Barßel, Elisabethfehn, Ramsloh und Friesoythe, erläutert, dass alles dafür getan werde, um Eltern zu helfen, die für ihre schwer erkälteten, fiebernden Kinder Arzneimittel brauchen.
„Eine katastrophale Situation“
Dr. Florian Penner aus Emden, stellvertretender Bezirksvorsitzender für Emden-Leer im Landesapothekerverband, erklärt zur aktuellen Situation: „Fiebersaft für Kinder ist nur ein Beispiel von vielen: Derzeit gibt es ganz viele Medikamente nicht. Eine so katastrophale Situation habe ich in meinen langen Jahren Berufspraxis noch nicht erlebt.“
Woche für Woche verbrachten Mitarbeiter in Apotheken eine Menge Zeit darauf, für die Kunden noch bestimmte Medikamente aufzutreiben – oder damit, geeignete Alternativen zu suchen. „Man kann sagen, dass wir im Moment große Probleme bei der Versorgung unserer Kunden haben, weil es eine Menge Medikamente derzeit schlicht nicht gibt“, sagt Penner.
Bei 342 Medikamente gibt es Engpässe
Ausverkauft – Husten- und Fiebersäfte für Kinder knapp
Lage bei Apotheken im Nordkreis „dramatisch“