Politik
Silvia Breher (CDU) holt erneut das Direktmandat
Im Wahlkreis Cloppenburg/Vechta hat erneut die CDU-Politikerin Silvia Breher das Direktmandat gewonnen. Aber: Sie musste erhebliche Verluste hinnehmen. Ein anderer Bewerber musste zittern.
Cloppenburg/Vechta - Silvia Breher (CDU) hat im Wahlkreis Cloppenburg/Vechta erwartungsgemäß das Direktmandat gewonnen. Bei ihrer ersten Wiederwahl musste die 48-jährige Bundestagsabgeordnete aus Lindern aber deutliche Stimmenverluste gegenüber der Wahl vor vier Jahren hinnehmen. Das passt ins Gesamtbild, denn auch im Oldenburger Münsterland stürzte die Union in der Wählergunst ab.
Silvia Breher kam auf 49,0 Prozent der Erststimmen. 2017 hatte sie mit 57,7 Prozent das bundesweit beste Erststimmen-Ergebnis erzielt. Nun musste die Union auch im Oldenburger Münsterland große Verluste hinnehmen. Die CDU kam nur noch auf 38,4 Prozent der Zweitstimmen, das sind fast 15 Prozentpunkte weniger als 2017. Dennoch bleibt sie damit weiterhin stärkste Kraft in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta.
SPD-Kandidat erreichte fast 21 Prozent
Hinter Breher landete Alexander Bartz von der SPD mit 20,9 Prozent der Erststimmen auf Platz zwei. Der Sozialdemokrat könnte möglicherweise über die Landesliste der Sozialdemokraten in den neuen Bundestag einziehen. Die SPD holte mit 24,8 Prozent der Wählerstimmen ein beachtliches Ergebnis in der traditionellen CDU-Hochburg. Dahinter landeten Dr. Tanja Meyer (Grüne) mit 10,6 Prozent der Erststimmen und Carolin Abeln (FDP), die auf 8,8 Prozent kam.
Silvia Breher hatte am Sonntagmorgen in ihrem Heimatort Lindern gewählt, anschließend mit ihren Kindern gefrühstückt und ist dann mit dem Zug nach Berlin gefahren, erzählte sie. Um 17 Uhr war dort eine Präsidiumssitzung der CDU angesetzt. Als Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet am Abend in der Hauptstadt vor die Presse trat, stand Silvia Breher in der ersten Reihe. Sie stand zwischen Laschet und Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Breher trotz Wiederwahl enttäuscht
„Es ist ein enttäuschendes Ergebnis für uns als CDU“, sagte Breher im Gespräch mit dieser Redaktion. Daraus ergebe sich ein klarer Auftrag für die Partei, das aufzuarbeiten. Der Dank gehe an alle Wahlhelferinnen und Wahlhelfer, die mit ihrem Einsatz in den vergangenen Wochen dafür gesorgt hätten, dass „wir diese Aufholjagd hingelegt haben“, sodass es jetzt zu diesem Ergebnis gekommen sei. „Wir haben keinen ganz klaren Regierungsauftrag“, sagte Breher am frühen Abend. Da lagen Union und SPD in den Hochrechnungen nahezu gleichauf.
In den kommenden Wochen stünden nun wohl sehr viele Gespräche mit den anderen Parteien an, um eine neue Regierung zu bilden. Große inhaltliche Übereinstimmung gebe es mit der FDP, so Breher. Das gelte wohl auch für SPD und Grüne. Bei der CDU gelte dabei das Motto „Erst das Land, dann die Partei“.
„Tollen Wahlkampf geführt“
Ob Bartz über die niedersächsische SPD-Landesliste in den Deutschen Bundestag einziehen wird, stand bis Redaktionsschluss noch nicht fest. „Das wird eine Zitterpartie. Ich werde bestimmt nur sehr wenig Schlaf bekommen. Aber wenn ich es tatsächlich schaffen sollte, dann ist mir das egal“, erklärt Bartz. Seiner Meinung nach wäre es auch für die Region wichtig, wenn zwei Abgeordnete die Interessen der Bürger aus den Landkreisen Vechta und Cloppenburg im Parlament vertreten würden.
FDP-Politikerin zufrieden
Mit unserem regionalen Ergebnis sind wir sehr zufrieden und ganz froh“, sagte Dr. Tanja Meyer. „Bundesweit hätte es besser kommen können, das Ergebnis dämpft die Stimmung ein wenig.“ Die Gleichstellungsbeauftragte der Universität Vechta verbrachte den Sonntagabend auf einer kleinen Wahlparty der Grünen in Visbek. Gefeiert wurde bei der Kreisvorsitzenden Annett Hanken.
Meyer: „Auf dem Ergebnis lässt sich aufbauen“
Der Kandidat der Linken, Tom Dobrowolski aus Löningen, sprach von einem „niederschmetternden“ persönlichen Ergebnis. Der 32-Jährige erhielt lediglich 2,2 Prozent der Erststimmen. „Ich hatte auf sechs bis sieben gehofft. Von daher bin ich natürlich sehr enttäuscht“, so der Linke.
Ein Blick auf die Zweitstimmen zeigt: Der große Verlierer ist auch im Oldenburger Münsterland die CDU. Bei den Christdemokraten steht ein Minus von 14,7 Prozentpunkten gegenüber 2017, wo sie auch schon Verluste verkraften musste. Gewinner der Wahl in beiden Landkreisen ist die SPD mit einem Plus von sieben Prozentpunkten, die Grünen (+6) und die FDP, die in der Wählergunst 2,7 Prozentpunkte zulegte.
SPD siegt in Barßel
Die CDU ist in 22 der 23 Städte und Gemeinden stärkste Kraft. Ganz schwarz, wie in der Vergangenheit, ist das Oldenburger Münsterland also nicht mehr.
In der Gemeinde Barßel holte die SPD 32,7 Prozent der Wählerstimmen, die CDU kam auf 29,8 Prozent. Aber auch dort lag Silvia Breher bei den Erststimmen vorne, genauso wie in allen anderen Kommunen. Ihr bestes Ergebnis erzielte Breher in ihrer Heimatgemeinde Lindern, wo sie 66,4 Prozent der Erststimmen holte. Ähnlich knapp wie in Barßel war das Ergebnis auch im Saterland, wo die CDU in der Wählergunst mit 32,5 Prozent knapp vor der SPD (30,3 Prozent) lag.