Langholt Mehr Vorsicht vor großen Hunden als vor Wölfen?
Nach der Sichtung eines Wolfs im Westermoor fragt ein Ehepaar aus Ostrhauderfehn nach Tipps fürs Verhalten – Wolfsberater Gerd Oncken erklärt, warum Ruhe und Abstand meist reichen.
Ostrhauderfehn/Langholt/Region - Nach der Wolfs-Sichtung in Langholt (Gemeinde Ostrhauderfehn) Mitte Januar 2026 erreicht die Redaktion im Februar eine besorgte Leserzuschrift. „Ihr haltet uns Leser zum Wolf ständig auf dem Laufenden. Das freut mich! Meine Frau und ich haben dazu jetzt eine ernsthafte Frage“, schreibt der Mann aus Ostrhauderfehn, der anonym bleiben möchte. Das Paar fragt sich, ob eine Begegnung mit einem Wolf gefährlich werden könnte.
Im Westermoor zwischen Burlage und Langholt hatte es am 18. Januar eine Wolfssichtung gegeben. Die Videos, die im Bereich zwischen Fehnweg und Bussweg von Jungjägern aufgenommen wurden, sind Ende Januar beim Wolfsmonitoring in Hannover eingegangen und dort als C1 bewertet worden. C1 steht im Wolfsmonitoring für einen eindeutigen Nachweis – damit kann der Fall grundsätzlich in der Nachweis-Datenbank des Landes Niedersachsen geführt und in der Statistik berücksichtigt werden.
Ist Angst vor dem Wolf berechtigt?
Ist Angst vor dem Wolf berechtigt? Der Leser schreibt nun: „Meine Frau ist bislang gerne bei den Türmen allein spazieren gegangen.“ Auf den einsam gelegenen Straßen und Wegen in der Esterweger Dose bei der Marinefunksendestelle Rhauderfehn, im Volksmund auch „Die Türme“, ist es aktuell nicht auszuschließen, dass sie einem oder mehreren Wölfen begegnet. Seine Frage: Wie soll man sich bei Kontakt verhalten – und müssen Spaziergänger überhaupt Angst haben? Was macht man, wenn Tiere auf einen zugelaufen kommen? Diese Gedanken müssten sich doch vielleicht weitere Leser machen?!“, schreibt der Leser. Wir haben dazu Wolfsberater Gerd Oncken um eine Antwort auf die Fragen gebeten.
„Wölfe sind nicht an Menschen interessiert“
Zur Frage nach der Sicherheit beim Spaziergang gibt Oncken Entwarnung. Die Antwort sei „recht einfach“: Wölfe seien nicht an Menschen interessiert, es sei denn, sie seien – wie in Einzelfällen etwa in den Niederlanden – angefüttert worden. Ein junger Wolf könne zwar neugierig sein. In der Regel erkenne das Tier den Menschen jedoch zuerst und ziehe sich zurück. Ein Altwolf gehe dem Menschen aus dem Weg und laufe ihm „garantiert nicht entgegen oder hinterher“, so Oncken.
Was tun, wenn man einem Wolf begegnet?
Anders könne es sein, wenn ein Hund dabei ist. Dann könne der Wolf den Hund als Konkurrenten für das eigene Revier ansehen. Läuft ein Hund frei herum, könne es im Extremfall passieren, dass der Wolf den Hund attackiert oder tötet. Onckens Rat: In Gebieten, in denen man mit Wildtieren rechnen muss, den Hund angeleint und nah bei sich führen.
Oncken weist außerdem auf einen Punkt hin, der in der Diskussion oft untergeht: Vorsicht sei im Alltag eher geboten, wenn ein menschengewöhnter, großer Hund auf einen zukomme. Der könne – anders als der Wolf – durchaus zubeißen.
Ausführliche Verhaltenstipps bei Begegnungen mit Wölfen hat der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz im Internet unter „Wenn Sie einem Wolf begegnen“ zusammengefasst.
Weitere Meldungen rund um den 18. Januar
Rund um das Wochenende der Langholter Sichtung hatte es in der Region weitere Hinweise gegeben: Neben Langholt wurde ein Tier an der Ems bei Herbrum gefilmt, das Oncken als Wolf einordnete. Außerdem kursierte ein Foto von einem Wolf auf der Johann-Bunte-Straße zwischen Papenburg und Burlage. Später meldeten Leser zudem eine mutmaßliche Sichtung im Bereich des Moorgutswegs in Burlage.
Warum viele beim Wolf an ein Kinderspiel denken
Dass der Wolf als Bedrohung fest im Kopf verankert ist, zeigt ein altes Kinderspiel, das viele vermutlich noch kennen: „Wer hat Angst vorm bösen Wolf?“ – „Niemand!“ „Und wenn er kommt?“ – „Dann rennen wir davon!“ Schon Kinder lernen dabei: Der Wolf ist der Gegner, Flucht ist die richtige Reaktion. Dieses Bild aus Kindheitstagen wirkt wohl bei vielen Erwachsenen bis heute nach. Das klassische Bewegungsspiel ist eng verwandt mit „Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann“. Bekannt ist auch die Variante „Wie spät ist es, Herr Wolf?“, die besonders bei jüngeren Kindern beliebt ist.