Pläne  Badesee in Rhauderfehn? Umweltschützer haben Bedenken

| | 20.02.2026 13:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Bis Spätsommer 2026 soll an dem Standort an der Gronewoldstraße noch Sand abgebaut werden. Wird dort anschließend ein Badesse errichtet? Foto: Marion Janßen
Bis Spätsommer 2026 soll an dem Standort an der Gronewoldstraße noch Sand abgebaut werden. Wird dort anschließend ein Badesse errichtet? Foto: Marion Janßen
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Die Gemeinde Rhauderfehn sucht eine Bademöglichkeit – sie könnte an der Gronewoldstraße entstehen. Der BUND Ostfriesland warnt nun vor Folgen für Tiere, Pflanzen und Landschaft.

Rhauderfehn - Die Pläne der Gemeinde Rhauderfehn, aus einem planungsrechtlich festgelegten Natursee an der Gronewoldstraße künftig einen Badesee zu machen, stoßen beim BUND Ostfriesland auf Kritik. Die Umweltschützer erinnern in einer Stellungnahme daran, dass der über mehr als zwei Jahrzehnte betriebene Sandabbau einen „erheblichen Eingriff in den Naturhaushalt“ dargestellt habe und deshalb im Planfeststellungsverfahren als Kompensation festgelegt worden sei, dass nach Ende des Abbaus ein Natursee entstehen müsse. Diese Planfeststellung habe „quasi Gesetzeskraft“.

Eine Änderung sei daher nicht einfach umzusetzen. „Dies ist nicht ohne weiteres möglich, da ein vollständiger Ersatz für den dann fehlenden Natursee geschaffen werden muss“, betont der BUND. Ein Natursee habe für den Naturhaushalt „höchste Qualität“: Wasservögel nutzten die Wasserfläche, ruhige Randbereiche böten Brutmöglichkeiten, auch Rastvögel profitierten. Zudem entstehe Lebensraum für Fische und andere Wassertiere; bei guter Wasserqualität und unterschiedlichen Tiefen könne sich eine vielfältige Pflanzenwelt entwickeln.

Besonders wertvoll seien die Steilufer: Sie seien „begehrte Nistgelegenheiten für Vögel wie Uferschwalben oder auch bodennistende Wildbienen“.

Aus Sicht des BUND wäre für eine Änderung der Planfeststellung ein „qualifizierter Umweltbericht“ nötig, der sicherstelle, „dass alle Naturaspekte berücksichtigt werden“ und ein möglicher „Ersatzsee“ tatsächlich „das entsprechende Aufwertungspotential hat“. Außerdem weist der Verband auf zusätzliche Eingriffe hin: „Die geplanten Infrastrukturmaßnahmen, unter anderem Parkplätze, stellen darüber hinaus einen weiteren Eingriff dar, der ebenfalls ausgeglichen werden muss.“ Auch das veränderte Landschaftsbild sei zu berücksichtigen. Fazit des BUND: „Auf die Gemeinde kommen also umfangreiche Aufgaben zu, wenn sie ihre Pläne umsetzen will.“

Sandabbau an der Gronewoldstraße endet 2026

Während diese Fragen offen sind, geht der Sandabbau an der Gronewoldstraße weiter. Zwischen Klostermoor und Alt Burlage liegt die Sandentnahmestelle der Firma Bunte. Seit rund 25 Jahren baut das Papenburger Unternehmen dort Sediment ab; die Sandkuhle ist mittlerweile voll Wasser gelaufen, ein Weiher ist entstanden. Im Spätsommer 2026 läuft die Genehmigung aus, dann sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Noch ist das Gelände nicht öffentlich zugänglich. Zur Gronewoldstraße hin ist es durch Wälle, Gitter und ein mit Ketten verschlossenes Tor gesichert. Schilder warnen vor „Lebensgefahr“ durch die steile Abbruchkante, vor dem Tor gilt absolutes Halteverbot. Abseits der Straße wird das Areal durch Appelhausschloot und Schaftriftschloot begrenzt.

Vertraglich hatte die Gemeinde Rhauderfehn nach eigenen Angaben mit Bunte vereinbart, dass sie nach Beendigung des Sandabbaus Gelegenheit hat, das Gelände kostenlos zu übernehmen. Laut Planfeststellungsverfahren des Landkreises Leer sollte das Gewässer anschließend ein Natursee werden – so ist es auch als Folgenutzung im Internet ausgewiesen. Im Rathaus gibt es nun jedoch die Idee, stattdessen einen Badesee zu entwickeln.

Wunsch nach Badegewässer – andere Standorte fielen durch

Der Wunsch nach einer Bademöglichkeit ist in Rhauderfehn seit Jahren Thema, seit das Freibad am Langholter Meer im Spätsommer 2009 geschlossen wurde. 2016/17 hatte der Rat die Verwaltung beauftragt, alle Wasserflächen im Gemeindegebiet auf eine mögliche Nutzung als Badegewässer zu prüfen. Beim Hahnentanger See reichte die Wasserqualität nicht aus. Ein weiteres Gewässer zwischen 2. und 3. Südwieke kommt mittelfristig nicht in Betracht, weil dort weiterhin Sand abgebaut wird. So rückte die rund sechs Hektar große Sandkuhle an der Gronewoldstraße in den Blick.

75 Parkplätze, Flachwasserzone, Kosten: rund 750.000 Euro

Nach Angaben von Taaks hat die Gemeinde Gespräche mit der Firma Bunte geführt. Das Unternehmen habe signalisiert, nicht den gesamten noch vorhandenen Sand abzubauen, sodass eine Flachwasserzone mit Liegefläche entstehen könnte. Dafür würde Bunte von der Gemeinde eine finanzielle Entschädigung erhalten. Auch mit dem Landkreis Leer als Genehmigungsbehörde sei gesprochen worden. Dort habe man grundsätzlich Einverständnis für eine geänderte Folgenutzung signalisiert – „wenn die Frage der Kompensation geklärt“ sei, so Taaks. Ein Badesee werde intensiver genutzt als ein Natursee, was Auswirkungen auf Fauna und Flora habe – dieses Argument haben jetzt auch die Umweltschützer vom BUND Ostfriesland genannt.

„Klar verändert sich die Situation, wenn an der Gronewoldstraße ein Badesee entsteht“, sagte Taaks. Ob es dazu kommt, entscheidet die Politik. Ende Februar/Anfang März soll es eine Begehung geben. Danach sind Beratungen im Fachausschuss, im VA und schließlich die Entscheidung im Rat am 9. April vorgesehen, ob die Planungen fortgesetzt werden.

Die bisher genannten Eckdaten: rund 75 Parkplätze, Abgrenzung des Badebereichs vom übrigen See, geplante Infrastruktur. Ob Toiletten und Umkleiden als Containerlösung oder in festen Gebäuden entstehen, ist offen. Eine grobe Kostenschätzung beziffert Taaks auf rund 750.000 Euro – inklusive Entschädigung, Kompensation sowie Planungs- und Baukosten. Fördermittel erwartet die Gemeinde demnach nicht. Damit bleibt die Frage, die nun politisch entschieden werden muss: Wie lässt sich der Wunsch nach einem Badesee mit Naturschutz, rechtlichen Vorgaben und den Sorgen der Anwohner in Einklang bringen.

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