Klostermoor Diskussion um Badesee in Rhauderfehn
Ursprünglich sollte aus der Baggerkuhle ein Natursee werden. Doch nun hat die Gemeinde Rhauderfehn Pläne ausgearbeitet, damit dort ein Badesee entstehen kann. Anwohner üben Kritik. Wie geht es weiter?
Rhauderfehn - Ein Hauch von Gülle weht über das Land an der Gronewoldstraße in Rhauderfehn. Bald wird es Frühling. An der Straße zwischen Klostermoor und Alt Burlage liegt eine Sandentnahmestelle der Firma Bunte. Seit rund 25 Jahren baut das Papenburger Unternehmen das Sediment dort ab. Die Sandkuhle ist voll Wasser gelaufen. Dadurch ist ein Weiher entstanden. Im Spätsommer endet die Genehmigung für den Sandabbau.
Noch ist das Gelände zur Gronewoldstraße hin durch Wälle, Gitter und ein mit Ketten verschlossenes Tor gesichert. Schilder warnen „Feuerwehrzufahrt - Tag und Nacht freihalten“ und weisen auf die Lebensgefahr hin, die durch die steile Abbruchkante der wassergefüllten Sandkuhle besteht. Vor dem Tor gilt absolutes Halteverbot.
Abseits der Straße wird das Areal begrenzt durch den Appelhausschloot und den Schaftriftschloot.
Viele wünschen sich auf dem Fehn ein Bad
Vertraglich hat die Gemeinde Rhauderfehn damals mit Bunte vereinbart, dass sie nach Beendigung des Sandabbaus Gelegenheit hat, das Gelände kostenlos zu übernehmen. Laut Planfeststellungsverfahren des Landkreises Leer soll das Gewässer, das durch den Sandabbau entstanden ist, dann ein Natursee werden. Mit dieser Folgenutzung ist das Areal im Internet bei Google Maps auch ausgewiesen. Doch nun gibt es im Rathaus die Idee, aus dem Baggersee stattdessen einen Badesee zu machen.
Viele Menschen auf dem Fehn wünschen sich eine Bademöglichkeit. Das Freibad am Langholter Meer wurde im Spätsommer 2009 geschlossen.
Andere Gewässer ungeeignet
2016/17 hatte der Rat die Gemeindeverwaltung beauftragt, alle Wasserflächen im Gemeindegebiet auf deren Möglichkeiten bezüglich einer Nutzung als Badegewässer zu prüfen. Beim Hahnentanger See reichte die Wasserqualität nicht aus. Für das Gewässer zwischen 2. und 3. Südwieke, an denen die Ostrhauderfehner Firma Würdemann Sand abbaut, hat das Unternehmen mittlerweile eine weitere Abbaugenehmigung für die kommenden 15 Jahre erhalten, weshalb es mittelfristig nicht infrage kommt.
So geriet die Sandkuhle an der Gronewoldstraße in den Blick der Gemeinde. Als die Idee aufkam, meldeten Anlieger Kritik an. Sie fürchten Beeinträchtigung durch Lärm, Verkehr, parkende Badegäste und Vandalismus. Am Mittwoch, 11. Februar 2026, hatte die Gemeindeverwaltung deswegen die 14 betroffenen Anwohner zu einer Info-Veranstaltung eingeladen. Die Veranstaltung im Rathaus war nicht öffentlich. Moderiert wurde sie von Rhauderfehns Bürgermeister Geert Müller. Anwesend war auch Klostermoors Ortsbürgermeister Kai-Uwe Zeusel (SPD).
Nicht neben der eigenen Haustür
Michael Taaks, Bauamtsleiter der Gemeinde, war ebenfalls zugegen. Auf Nachfrage äußerte er sich anschließend zum Sachstand, zur Atmosphäre, der geäußerten Kritik und den Konsequenzen daraus.
Der Bauamtsleiter macht keinen Hehl daraus, dass die Anlieger nicht begeistert sind davon, dass in ihrer Nähe ein Badesee entstehen soll. Generell stehe man der Realisierung einer Bademöglichkeit im Gemeindegebiet zwar positiv gegenüber - allerdings nicht direkt neben der eigenen Haustür, ist der Eindruck des Bauamtsleiters. Ziel der Versammlung sei vor allem gewesen, die Betroffenen frühzeitig zu informieren. Sie bekamen eine Planskizze gezeigt, wie eine Badestelle an der Gronewoldstraße möglicherweise gestaltet werden könnte.
Gemeinderat entscheidet
Die Gemeinde habe Gespräche mit der Unternehmensleitung von Bunte geführt, so Taaks. Die Firma habe sich bereit gezeigt, den restlichen Sand, der noch vorhanden ist, nicht komplett abzubauen. Dort könnte für eine Badestelle eine Flachwasserzone mit Liegefläche entstehen. Dafür würde Bunte von der Gemeinde eine finanzielle Entschädigung erhalten. Auch mit dem Landkreis Leer als Genehmigungsbehörde hat die Gemeinde sich ausgetauscht. Dort hat man Einverständnis signalisiert zur Änderung der Nachnutzung des Geländes - wenn die Frage der Kompensation geklärt sei, so Taaks. Ein Badesee werde intensiver genutzt als ein Natursee. Das habe Auswirkungen auf Fauna und Flora, die ausgeglichen werden müssten.
„Klar verändert sich die Situation, wenn an der Gronewoldstraße ein Badesee entsteht“, stellt Rhauderfehns Bauamtsleiter fest. Ob es tatsächlich dazu komme, entscheide die Politik. Das geschehe transparent und öffentlich. Ende Februar/Anfang März solle es eine Begehung geben, damit die Ratsmitglieder sich vor Ort ein Bild von der Situation machen könnten.
75 Parkplätze
Öffentlich besprochen wird das Thema anschließend im Fachausschuss, geht dann in den nicht öffentlich tagenden Verwaltungsausschuss (VA) und steht für die Ratssitzung am 9. April auf der Tagesordnung. Dann solle die Entscheidung gefällt werden, ob die Planungen für einen Badesee überhaupt fortgesetzt werden.
Taaks nennt die Eckdaten, die bisher im Rathaus ausgearbeitet wurden: Es solle ausreichend Parkplätze geben. Er gab die Anzahl mit 75 an. Der Badebereich solle gegen den übrigen See, der nicht zum Schwimmen freigegeben werde, abgegrenzt werden. Es werde Infrastruktur installiert. Ob Toiletten und Umkleiden in Containern untergebracht seien oder in festen Gebäuden, sei offen.
750.000 Euro Kosten für die Gemeinde
Eine grobe Kostenschätzung belaufe sich auf rund 750.000 Euro. Diese Kosten setzten sich zusammen aus der Entschädigung an Bunte, den Kompensationsmaßnahmen sowie Planungs- und Baukosten. Mit Fördermitteln rechne die Gemeinde nicht, sagte Taaks.
„Jetzt ergibt sich für Rhauderfehn die Möglichkeit, einen Badesee zu schaffen“, machte der Bauamtsleiter deutlich. Diese Chance habe man nicht so bald wieder.
Persönliche Betroffenheit gegen öffentliches Interesse
Den Bedenken der 14 Anwohner stehe das öffentliche Interesse an einer Bademöglichkeit in Rhauderfehn entgegen. Das müsse gegeneinander abgewogen werden, machte der Bauamtsleiter deutlich. Mit ihrer Kritik müssten sich die Anlieger an die kommunalpolitischen Vertreter wenden.