Rhauderfehn „Geschlossene Anstalt“ – Lesung mit Peter Welchering
In „Geschlossene Anstalt“ analysieren Peter Welchering und Roland Schatz die Ursachen des Glaubwürdigkeitsverlusts von ARD und ZDF. Am 26. März liest Welchering im Fehntjer Forum aus dem neuen Buch.
Westrhauderfehn/Ostrhauderfehn - Wie steht es um Glaubwürdigkeit, Standards und Strukturen von ARD, ZDF und Deutschlandradio? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Journalist und Medienexperte Peter Welchering. Der in Ostrhauderfehn lebende Autor liest am Donnerstag, 26. März 2026, im Fehntjer Forum in Westrhauderfehn aus seinem neuen Buch „Geschlossene Anstalt – Wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk sich selbst demontiert“, das Welchering gemeinsam mit Roland Schatz geschrieben hat. Veranstalter ist die Buchhandlung Fehnbuch. Das Buch erscheint am 28. Februar 2026. Es ist Ende Januar in den Druck gegangen. Diese Redaktion hat vor dem Druck des Buches mit Peter Welchering gesprochen und konnte das Manuskript lesen.
Welchering arbeitet seit 1983 im und für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. In dem Buch beschreibt der 65-Jährige, wie sich Arbeitsbedingungen, journalistische Standards und der Umgang mit Kritik aus seiner Sicht verändert haben: von Zeiten, in denen intensive Recherche möglich war, hin zu wachsenden Zwängen, Ressourcenknappheit und einem Klima, das Fehler eher verdecke als transparent korrigiere. Im Buch geht es außerdem um die Ursachen des massiven Vertrauensverlusts von ARD, ZDF und Deutschlandradio, um die Vorwürfe einseitiger Berichterstattung und um interne Strukturen, die Reformen erschweren.
Was läuft falsch?
Die Autoren plädieren dafür, nicht bei Empörung über Einzelfälle stehenzubleiben, sondern das System grundsätzlich zu überprüfen: Was läuft im „Maschinenraum“ der Redaktionen schief, welche Rolle spielen Hierarchien und Anreize – und wie könnte ein öffentlich finanzierter Rundfunk so aufgestellt werden, dass er seinen Auftrag künftig wieder glaubwürdig erfüllt?
Beiträge der Tagesschau ausgewertet
Ein eigenes Kapitel widmet Welchering dem Nachrichtenjournalismus am Beispiel der Tagesschau. Er habe die Sendung im Rahmen von Lehrveranstaltungen ausgewertet und dabei eine wachsende Zahl faktischer Fehler sowie politisch einseitige oder ideologisch aufgeladene Beiträge festgestellt. Auch Formate der Faktenprüfung werden kritisch betrachtet: Für eine belastbare Faktencheck-Arbeit fehlten aus seiner Sicht methodische und journalistische Voraussetzungen.
Kompletter Neustart gefordert
Welchering und Schatz halten klassische Reformen innerhalb der bestehenden Strukturen des ÖRR für unzureichend und plädieren für einen kompletten Neustart. Die Staatsverträge der bisherigen Anstalten sollen gekündigt und die Sender geordnet abgewickelt werden. An ihre Stelle solle eine schlankere, bundesweite Rundfunkanstalt treten – mit einem nationalen Fernsehprogramm und Regionalfenstern, ergänzt um Informationsradio sowie einen Kultur- und Jugendkanal.
Rundfunkbeitrag von zwei Euro pro Monat?
Auch über den Rundfunkbeitrag haben sich die beiden Autoren weitreichende Gedanken gemacht. In ihrem Modell veranschlagen sie einen Finanzbedarf von rund 1,2 Milliarden Euro pro Jahr – und halten damit perspektivisch sogar einen Rundfunkbeitrag von zwei Euro im Monat für erreichbar.
Der Vorschlag fällt in eine seit Jahren geführte Debatte über Auftrag, Umfang und Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks – und damit auch über die Höhe des Rundfunkbeitrags, der derzeit bei 18,36 Euro pro Monat liegt.
Diskussion mit dem Publikum
Nach der Lesung ist eine Diskussion mit dem Publikum vorgesehen – auch über die Frage, wie realistisch ein solcher Umbau politisch und rechtlich wäre und welche Standards ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk künftig erfüllen muss. „Ich möchte mit den Gebührenzahlern ins Gespräch kommen und diskutieren“, so Welchering.
Ende 2024 Zusammenarbeit mit dem ZDF beendet.
Peter Welchering (Jahrgang 1960) arbeitet seit den 1980er Jahren als Technik- und Wissenschaftsjournalist, unter anderem für den Deutschlandfunk und den SWR. Er war zudem in der Journalistenausbildung tätig. Ende 2024 beendete er die Zusammenarbeit mit dem ZDF und begründete dies öffentlich mit berufsethischen Gründen.
Peter Welchering ist verheiratet und lebt inzwischen im Ruhestand mit seiner Frau in Ostrhauderfehn, dem Geburtsort seiner Ehefrau. Im Ruhestand ist Welchering als Medienjournalist tätig, unter anderem für die Berliner Zeitung. Er unterrichtet noch immer junge Journalisten und Studenten, die eventuell in den Journalismus wollen, zum Beispiel an der Georg-August-Universität in Göttingen. In den Landtagen tritt er als Sachverständiger zu Fragen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf.
Vorverkauf für die Lesung
Karten für die Lesung am 26. März 2026 gibt es im Vorverkauf im Fehnbuch und bei der Volksbank Westrhauderfehn. Der Eintritt kostet 10 Euro pro Person. Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr im Fehntjer Forum am Untenende in Westrhauderfehn.
Das Buch „Geschlossene Anstalt – Wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk sich selbst demontiert“ ist ab dem 28. Februar im Buchhandel erhältlich. Es kostet 28 Euro und kann bereits jetzt vorbestellt werden.