Ostrhauderfehn  Maskottchen „Klotzi“ mit Reichsflagge beschmiert

| | 12.12.2025 12:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Der Stromkasten „Maskottchen“ in Ostrhauderfehn wurde beschmiert. Fotos: Henrik Zein
Der Stromkasten „Maskottchen“ in Ostrhauderfehn wurde beschmiert. Fotos: Henrik Zein
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Unbekannte haben das beliebte Maskottchen „Klotzi“ in Ostrhauderfehn mit einem rechtsextremen Symbol beschmiert. Der Stromkasten wurde mit der Bundestagswahl 2025 zu einem Zeichen gegen rechts.

Ostrhauderfehn - Das inoffizielle Maskottchen von Ostrhauderfehn, der Stromkasten „Klotzi“, ist mit dem Symbol der Reichsflagge beschmiert worden. Die Tat muss sich in der Nacht zu Freitag, 12. Dezember 2025, ereignet haben. Weitere Informationen gibt es bislang noch nicht. Nach Angaben der Polizei in Leer ist bislang noch keine Anzeige eingegangen.

Der Stromkasten „Klotzi“ vor der Apotheke Sieverding ist mit seinem freundlichen Grinsen, das jetzt aufgrund der Schmierereien nur noch schwach zu sehen ist, bei Kindern und Erwachsenen gleichermaßen beliebt. Seinen Namen und den Status als inoffizielles Maskottchen verdankt „Klotzi“ der Instagram-Seite „hell_ofehn“, die seit 2022 mit vielen humorvollen Bildern das Leben in Ostrhauderfehn und der Region kommentiert. Dort stellte die Community „Klotzi“ erstmals als Symbolfigur vor und hat seitdem viele Fans gewonnen. Die Digitalagentur m01n aus Aurich hat sogar eine Bastelanleitung für „Klotzi“ entwickelt, die online verfügbar ist. So kann sich jeder seinen eigenen „Klotzi“ nach Hause holen.

Die Tat muss sich in der Nacht zu Freitag, 12. Dezember 2025, ereignet haben.
Die Tat muss sich in der Nacht zu Freitag, 12. Dezember 2025, ereignet haben.

Vor wenigen Tagen widmete sich das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ in einem Online-Artikel dem Kult um „Klotzi“, der vor allem seit der Bundestagswahl im Februar 2025 auch immer mehr zu einem Maskottchen gegen rechts wurde. Der Hintergrund: Bei der Bundestagswahl erhielt die AfD überraschend die meisten Zweitstimmen in Ostrhauderfehn. In einer Umgebung, in der rechte Sticker und Sprüche im Straßenbild auftauchen, wurde „Klotzi“ durch die Community von „hell_ofehn“ und engagierte Bürger zu einem Symbol für Solidarität und zu einer klaren Haltung gegen Rechtsextremismus.

Auch ein Fernsehteam des NDR war am Freitag, 12. Dezember 2025, vor Ort, um über „Klotzi“ als Maskottchen gegen rechts zu berichten – das Reporterteam wurde dort genauso von den neuesten Entwicklungen durch die Beschmierungen überrascht.

Die Reichsflagge

Die Reichsflagge in den Farben Schwarz, Weiß und Rot wurde erstmals 1867 im Norddeutschen Bund eingeführt und ab 1871 als Nationalflagge des Deutschen Kaiserreichs verwendet. Die Flagge besteht aus drei waagerechten Streifen: oben schwarz, in der Mitte weiß und unten rot – also so, wie sie auf den Stromkasten Klotzi gesprüht wurde. Die Farbkombination Schwarz-Weiß-Rot hatte eine besondere Symbolik. Schwarz und Weiß waren die Farben Preußens, der damals führenden Macht im Deutschen Reich. Rot und Weiß wiederum standen für die Hanse und viele norddeutsche Städte, insbesondere Hamburg. Die Flagge sollte somit die Vereinigung verschiedener deutscher Traditionen und Mächte widerspiegeln und ein gemeinsames nationales Bewusstsein schaffen.

Mit dem Ende des Kaiserreichs 1918 und der Gründung der Weimarer Republik wurde die Reichsflagge durch die Farben Schwarz-Rot-Gold ersetzt, die für Demokratie und Freiheit standen. Dennoch blieb die Reichsflagge in konservativen und nationalistischen Kreisen weiterhin beliebt und wurde als Symbol für das „alte Deutschland“ verwendet. In der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945) war die Reichsflagge zunächst neben der Hakenkreuzflagge offizielle Nationalflagge, bevor letztere ab 1935 alleinige Staatsflagge wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Reichsflagge nicht mehr als staatliches Symbol verwendet. In der Bundesrepublik Deutschland ist ihr Gebrauch grundsätzlich erlaubt, solange er nicht in einem verfassungsfeindlichen Kontext steht. Allerdings wird die Reichsflagge heute häufig von rechtsextremen Gruppen als Ersatz für verbotene NS-Symbole genutzt. Aus diesem Grund ist sie gesellschaftlich und politisch sehr umstritten und ihr öffentlicher Gebrauch wird kritisch beobachtet.

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