Rhauderfehn Goldsweers Tanne bringt Gemeinschaft und Erinnerungen
Seit Jahrzehnten schmückt Familie Goldsweer ihre Tanne im Vorgarten mit Lichterketten. In diesem Jahr half die Nachbarschaft tatkräftig mit. Es ist die Geschichte eines Baumes, der Menschen verbindet.
Rhauderfehn - Jetzt in der Weihnachtszeit erstrahlt im Vorgarten von Heike und Karl-Dieter Goldsweer am Rhauderfehner Rajen wieder die Weihnachtstanne. Es ist ein stimmungsvolles Schauspiel von Lichterglanz im Tannengrün, an dem sich Familie und Nachbarschaft freuen und jeder, der jetzt im Dezember in der früh einsetzenden Dunkelheit den Rajen entlangkommt.
18 Meter hoch ist die Tanne. Den Baum haben die Eltern von Heike Goldsweer, Monika und Johann Harms, die früher am Rajen ein Blumengeschäft führten, ihrer Tochter und deren Mann geschenkt, nachdem diese nach ihrer Heirat 1992 in das Haus eingezogen waren. Es ist Karl-Dieter Goldsweers Elternhaus. Das Ehepaar hat das Haus übernommen, als Goldsweers Eltern an der 4. Südwieke neu gebaut hatten.
Tanne erreicht imposante 18 Meter Höhe
Die Tanne im Vorgarten des fehntypischen Klinkerbaus hat Karl-Dieter Goldsweer seitdem jedes Jahr im Advent mit Lichterketten geschmückt. Das habe er stets mit viel Freude getan, versichert der 57-Jährige.
Über die Jahre hat der Tannenbaum seine beeindruckende Höhe erreicht. „Inzwischen kam ich selbst mit meiner vollständig ausgezogenen Dreifachleiter nicht mehr bis in seine Spitze“, schildert Goldsweer. Seine Frau habe ihm deshalb „liebevoll, aber bestimmt untersagt“, weiterhin mit der Leiter im Baum herumzuklettern. Also hatte Goldsweer beschlossen, den Baum in diesem Jahr zum ersten Mal nicht mehr zu schmücken.
Baum bringt Nachbarschaft zusammen
Doch dann sei Unterstützung aus der Nachbarschaft gekommen, von Jung und Alt, berichtet er. Sein Nachbar Jens Hampel habe ihm eine Hubarbeitsbühne zur Verfügung gestellt. Gemeinsam mit ihm habe er seinen Baum wieder zum Strahlen gebracht. Drei Lichterketten von jeweils 60 Meter Länge sind im Baum aufgehängt. Und die, versichert Goldsweer, seien von der Arbeitsbühne aus bedeutend einfacher anzubringen gewesen als mit der Leiter. „Für diese Hilfe, diesen Zusammenhalt und die gelebte Gemeinschaft möchte ich einfach einmal Danke sagen“, erklärt der Rhauderfehner.
Man freue sich nicht alleine an der Weihnachtstanne, sondern besonders an den Begegnungen im Alltag, die dadurch zustandekämen: „Wenn Menschen uns darauf ansprechen, lächeln und sagen: Was habt ihr wieder für einen schönen Baum! Solche Augenblicke wärmen das Herz und zeigen, wie viel Freude ein geschmückter Baum schenken kann“, schildert Goldsweer.
Besondere Momente mit der Familie
Wenn er zurückblicke, nehme er wahr, dass mit der Weihnachtstanne im Vorgarten über die Jahre viele kleine Geschichten verbunden sind. Eine der schönsten stamme aus der Corona-Zeit. Wegen des Lockdowns habe die Kirchengemeinde alle angeregt, am Heiligabend gegen 18 Uhr vor die Haustür zu kommen und Weihnachtslieder zu singen - jede Familie für sich und doch gemeinsam. „Unsere Mama – die inzwischen leider verstorben ist – war an diesem Abend bei uns. Unter unserem Baum hörten wir die Kirchenglocken vom Fehn und sangen drei Weihnachtslieder. Viele Nachbarn standen ebenfalls draußen und sangen mit“, so erinnert sich Goldsweer an diesen besonderen Heiligabend, an dem seine Mutter Theda noch teilnahm.
„Für meine Mama war es ein besonderer Moment – und für mich ist es bis heute eine Erinnerung, die mich mit einem Lächeln und manchmal auch mit einer Träne begleitet“, sagt er.
Künftig ist Enkelin Hilke beim Schmücken dabei
Auch das kommende Weihnachtsfest ist ein besonderes für Familie Goldsweer. Vor zehn Wochen sind Heike und Karl-Dieter Goldsweer Großeltern geworden: Am 19. September hat ihre Tochter Svenja Rotman die kleine Hilke zur Welt gebracht. Sie ist seitdem das Glück und der ganze Stolz der Familie.
Weil die Tanne im Vorgarten sehr groß geworden ist, werde man sie im kommenden Jahr ein letztes Mal schmücken. 2027 möchte Familie Goldsweer das Nadelgehölz spenden. „Danach wird ein neuer Baum seinen Platz einnehmen – und den werde ich dann gemeinsam mit meiner Enkelin Hilke schmücken. Ein neuer Anfang, der hoffentlich ebenso viele schöne Momente schenken wird“, hofft Karl-Dieter Goldsweer.