„Spiegel“-Artikel  Ostrhauderfehner Kiosk-Besitzer wehrt sich

| | 11.12.2025 09:49 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Kiosk-Besitzer Daniel Arens wehrt sich gegen die Formulierungen im „Spiegel“-Artikel mit dem Titel „Der Klotzi-Kult von Ostrhauderfehn“. Fotos: Henrik Zein
Kiosk-Besitzer Daniel Arens wehrt sich gegen die Formulierungen im „Spiegel“-Artikel mit dem Titel „Der Klotzi-Kult von Ostrhauderfehn“. Fotos: Henrik Zein
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Ein „Spiegel“-Artikel entfacht Diskussionen über Demokratie und rechte Tendenzen in Ostrhauderfehn. Der Kiosk-Betreiber Daniel Arens steht plötzlich im Fokus. Das sagt er dazu.

Ostrhauderfehn - Ein vor wenigen Tagen erschienener Online-Artikel des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ mit dem Titel „Der Klotzi-Kult in Ostrhauderfehn“ sorgt derzeit für Diskussionen im Ort. In dem Text der Autorin Sylvie Gühmann geht es um den Stromkasten Klotzi, der seit einiger Zeit als inoffizielles Maskottchen gilt und auch zum Symbol gegen rechts geworden ist. Denn bei der Bundestagswahl im Februar 2025 erhielt die als extremistisch eingestufte Alternative für Deutschland (AfD) die meisten Zweitstimmen in Ostrhauderfehn. Das war für den „Spiegel“ ein Anlass, die Hintergründe für diesen Rechtsruck zu recherchieren.

In einem Absatz des Textes befasst sich Autorin Gühmann auch mit dem Kiosk von Daniel Arens an der 1. Südwieke und rückt diesen nach seiner Meinung in die rechte Ecke. Der 36-jährige Arens betont: „Ich fand den ,Spiegel‘-Artikel sehr einseitig. Vieles wurde interpretiert oder in einen Kontext gesetzt, der nicht der Realität entspricht – weder über mich noch über unser Dorf.“

Auf dem Gelände des Kiosks Arens weht die Deutschland-Flagge.
Auf dem Gelände des Kiosks Arens weht die Deutschland-Flagge.

Im „Spiegel“-Artikel heißt es über den Laden von Arens: „Auf der rechten Seite gibt es einen Kiosk mit Deutschlandflagge. Auf dem Backsteingiebel entfaltet ein Adler seine Flügel. Der Besitzer möchte nicht über Politik reden. Nicht gut fürs Geschäft, sagt er. (...) Eines seiner Tattoos, der Wotansknoten, stammt aus der nordischen Mythologie. Ein Symbol, das auch von Rechtsextremen verwendet wird. Ein paar Meter neben dem Laden steht eine Laterne. Es ist die mit den meisten AfD-Stickern an der Wieke.“

Daniel Arens findet, dass er in dieser Passage falsch dargestellt wird. Er erklärt: „Ich bin einfach ein ganz normaler Mensch, der seinen Kiosk betreibt und alle Kunden gleich behandelt. Ich habe mit Extremismus nichts zu tun – weder politisch noch gedanklich. Das passt überhaupt nicht zu mir und meinem Leben. Die Deutschlandflagge, der Adler am Haus und auch mein Tattoo haben für mich eine ganz persönliche, nichtpolitische Bedeutung.“

Auf seinem Gebäude hat er Arens einen Bundesadler und die Zahl 1953 anbringen lassen. Die Zahl steht für das Baujahr des Hauses.
Auf seinem Gebäude hat er Arens einen Bundesadler und die Zahl 1953 anbringen lassen. Die Zahl steht für das Baujahr des Hauses.

Der Wotansknoten ist ein altes mythologisches Symbol aus der nordischen Kultur, das für Odin/Wotan steht und Themen wie Tod, Schicksal und die Verbindung der Welten symbolisiert. Heute hat seine Verwendung unterschiedliche Bedeutungen – von historisch-mythologisch bis hin zu problematischen rechtsextremen Kontexten. „Doch für mich hat mein Tattoo überhaupt nichts mit rechtsextremem Gedankengut zu tun“, betont Arens.

Auf seinem Arm hat Arens den Wotansknoten, ein nordisches Symbol, tätowieren lassen.
Auf seinem Arm hat Arens den Wotansknoten, ein nordisches Symbol, tätowieren lassen.

In der Diskussion in den sozialen Medien über den „Spiegel“-Artikel wurde auch darauf eingegangen, dass im Sommer 2025 auf dem Grundstück von Arens ein AfD-Infostand aufgebaut war. „Ja, das stimmt, warum auch nicht? Die AfD ist eine demokratisch gewählte Partei. Ich würde auch CDU, SPD, Grüne oder sonst wem erlauben, einen Infostand bei mir auszurichten. Ich bin parteipolitisch neutral“, betont Arens. Zur Einordnung: Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hat die AfD im Mai 2025 als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Aufgrund einer Klage der AfD darf diese Einstufung derzeit jedoch nicht öffentlich kommuniziert werden (sogenannte Stillhaltezusage). Der Streit um die Beobachtung der Partei wird juristisch weitergeführt.

Arens wünscht sich, dass durch den „Spiegel“-Artikel kein falsches Bild von ihm entsteht. „Wer mich kennt, der weiß, dass ich niemanden bewerte oder ausgrenze. Bei mir ist jeder willkommen.“ Er hat viele ausländische Freunde, auch unter Geschäftsleuten in Ostrhauderfehn. „Wie könnte so etwas sein, wenn ich ein Nazi wäre?“, fragt der 36-Jährige.

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