Ein Nachruf Trauer um Uhrmachermeister Richard Müller aus Rhauderfehn
Der Uhrmachermeister und Optiker Richard Müller ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Er lebte für das Unternehmen, seine Familie und für TuRa 07 Westrhauderfehn. Ein Nachruf.
Rhauderfehn - Große Trauer um den Optiker und Uhrmachermeister Richard Müller aus Rhauderfehn. Der 87-Jährige ist am 1. September 2025 im Reilstift gestorben. Er hinterlässt seine Frau Gesa, die beiden Kinder Sibo und Onno sowie fünf Enkelkinder.
Richard Müller wurde am 30. Januar 1938 am Untenende in Rhauderfehn geboren. Seine Lehre absolvierte er Anfang der 1950er-Jahre bei Uhrmacher Wildschütz in Leer. Später zog es ihn für die Gesellenzeit nach Hannover-Mittelfelde, wo er auch zur Meisterschule ging und im Jahr 1964 seine Meisterprüfung als Uhrmacher ablegte. Anschließend stieg er dann zunächst als Angestellter in das Geschäft seiner Eltern Simon Emmanuel und Greta Müller ein und übernahm es später auch.
Seine Eltern hatten den heute noch existierenden Laden am Rhauderfehner Ortseingang am Untenende im Jahr 1953 eröffnet. Der Ursprung des Unternehmens wurde unterdessen bereits 1873 gelegt, sodass vor zwei Jahren das 150-jährige Bestehen gefeiert werden konnte.
Heute führt Richard Müllers ältester Sohn Sibo in fünfter Generation die Geschicke. Er hatte seinen Vater bis zuletzt begleitet und war auch am Todestag bei ihm. „Er ist in meinem Arm friedlich eingeschlafen“, erzählt Sibo Müller. Sein Vater sei nicht nur ein erfolgreicher Geschäftsmann gewesen, sondern auch ein leidenschaftlicher Sportler bei TuRa 07 Westrhauderfehn. „Er war TuRaner durch und durch und hat sehr gerne Fußball gespielt“, berichtet Sibo Müller. Aber nicht nur das: Auch Turnen, Leichtathletik und Tennis gehörten zu seinen Hobbys. „Die Sammlung der Goldenen Sportabzeichen hat er sorgsam in einem Mäppchen verwahrt“, erzählt Sohn Sibo.
Sein Vater, der aufgrund seiner Größe den Spitznamen „Riese Müller“ trug, sei zudem äußerst kinderlieb gewesen. „Er hat ganz viel mit den Enkelkindern gespielt, sie aus dem Kindergarten geholt oder Ostereier mit ihnen gesucht“, berichtet Sibo Müller. Er habe nie geklagt und sei immer sehr fröhlich gewesen.
Das kann auch Antje Ahlers bestätigen. Sie und ihr Mann Johann waren seit Jahrzehnten mit Richard Müller und dessen Frau Gesa befreundet. Beide Familien wohnen am Neuen Weg. „Richard war ein sehr freundlicher Mensch und allen sehr zugewandt“, berichtet die 85-jährige Antje Ahlers. Die beiden Familien hätten viele Urlaube miteinander verbracht – unter anderem haben sie die Göteborger Schären erkundet, eine Inselgruppe vor der Westküste Schwedens. Und auf Norderney wurde gemeinsam gezeltet.
Auch Richard Müllers jüngerer Bruder Theo erinnert sich noch gerne an die gemeinsame Zeit zurück. „Wir hatten ein sehr enges Verhältnis“, sagt der 85-Jährige, der 1970 das Fehn verlassen hat und seitdem mit seiner Frau Klara in Ratingen wohnt. Dort hat Theo Müller drei Jahrzehnte lang für eine Brauerei als Niederlassungsleiter gearbeitet.
Bis zu seinem Tod habe er trotz der Entfernung einen engen Kontakt zu seinem Bruder gehabt, und die beiden hätten sich regelmäßig besucht. An die gemeinsame Jugendzeit habe er viele schöne Erinnerungen. „Wir beide haben gemeinsam in einem breiten Bett geschlafen. Weil er abends häufiger seine Schularbeiten noch nicht fertig hatte, musste ich ihm mit der Taschenlampe leuchten, damit er das unter der Bettdecke machen konnte. Denn das Licht durften wir nicht anmachen, dann hätte es Ärger von unseren Eltern geben“, so Theo Müller. Zudem habe man viel Zeit im Freien verbracht und mit anderen Kindern getobt. „Wir sind über Gräben gesprungen oder haben ,Krieg gespielt‘“, so der 85-Jährige. Bei der Trauerfeier vor wenigen Tagen hatte Theo Müller dann eine besondere Ehre: Er durfte die Urne seines älteren Bruders tragen und gemeinsam mit einer großen Trauergemeinde Abschied nehmen von „Riese Müller“.