Häuschen am Ostfriesland-Wanderweg  Neue Schutzhütte erinnert an Geschichte der Kleinbahn

| | 15.08.2025 18:22 Uhr | 4 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Mit einer gutgelaunten Ansprache auf Platt würdigte Rhauderfehns Bürgermeister Geert Müller (vorne) die Zusammenarbeit des kommunalen Bauhofs mit den ortsansässigen Handwerksbetrieben, die gemeinsam die Schutzhütte errichtet hatten. Vor dem Wartehäuschen stehen Mitglieder des Fehntheaters, die die Eröffnung des Gebäudes mit einer Theaterszene bereicherten. Foto: Astrid Fertig
Mit einer gutgelaunten Ansprache auf Platt würdigte Rhauderfehns Bürgermeister Geert Müller (vorne) die Zusammenarbeit des kommunalen Bauhofs mit den ortsansässigen Handwerksbetrieben, die gemeinsam die Schutzhütte errichtet hatten. Vor dem Wartehäuschen stehen Mitglieder des Fehntheaters, die die Eröffnung des Gebäudes mit einer Theaterszene bereicherten. Foto: Astrid Fertig
Artikel teilen:

Mit Herzblut und Eigenleistung entstand in Rhauderfehn ein neuer Rastplatz für Ausflügler. Die Schutzhütte am Wanderweg in der Optik des früheren Fehntjer Bahnhofs verbindet Geschichte und Gegenwart.

Rhauderfehn - Am Freitagnachmittag nahm die Gemeinde Rhauderfehn offiziell die neugebaute Schutzhütte in Betrieb, die an der Ecke Neuer Weg / Ostfriesland-Wanderweg steht. Im Beisein der Bauhofmitarbeiter, die das Häuschen errichtet hatten, Vertretern der am Bau beteiligten Handwerksbetriebe, Kommunalpolitikern sowie Vertretern der Gemeindeverwaltung stellte Rhauderfehns Bürgermeister Geert Müller mit einer Rede auf Platt die Schutzhütte offiziell in Dienst.

Harm Evers, Vorsitzender des Fehntheaters, hatte mit einigen Laienspielern eine kleine Szene eingeübt aus den Anfangszeiten der Kleinbahn auf dem Fehn. 1912 wurde die Strecke erstmals genutzt. Mit diesem darstellenden Spiel wurde jetzt die Schutzhütte am Ostfriesland-Wanderweg offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Sie orientiert sich stilistisch am früheren Bahnhofsgebäude in West-Rhauderfehn. Foto: Astrid Fertig
Harm Evers, Vorsitzender des Fehntheaters, hatte mit einigen Laienspielern eine kleine Szene eingeübt aus den Anfangszeiten der Kleinbahn auf dem Fehn. 1912 wurde die Strecke erstmals genutzt. Mit diesem darstellenden Spiel wurde jetzt die Schutzhütte am Ostfriesland-Wanderweg offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Sie orientiert sich stilistisch am früheren Bahnhofsgebäude in West-Rhauderfehn. Foto: Astrid Fertig

Die Gruppe Fehntheater spielte eine historische Szene aus dem Anfangsjahr der Kleinbahn 1912 aus der Feder und unter Regie von Hinrich Heselmeyer. Moderiert wurde die amüsante Kostümszene vom Vorsitzenden Harm Evers. Beteiligt waren an dem Spiel Elvira Duken, Heike Heselmeyer sowie Monika und Hartmut Hauer.

Es gab 1912 Gegner und Befürworter der Kleinbahn

Dabei wurde deutlich, dass es auch damals auf dem Fehn Menschen gab, die mit der Zeit gingen und sich über die Schmalspurbahn freuten, die mit 40 Stundenkilometer unterwegs war, während andere sich fragten, warum nach dem Qualm durch Moorbrennen, der eben erst verraucht war, nun ein metallenes Monstrum für Rauch und Gestank sorgen sollte.

Die Laienspieler des Fehntheaters spielten zur Eröffnung eine Szene aus den Anfangszeiten der Kleinbahn. Die nahm 1912 in West-Rhauderfehn ihren Betrieb auf. Foto: Astrid Fertig
Die Laienspieler des Fehntheaters spielten zur Eröffnung eine Szene aus den Anfangszeiten der Kleinbahn. Die nahm 1912 in West-Rhauderfehn ihren Betrieb auf. Foto: Astrid Fertig
Doch die Bahn etablierte sich und sollte die Region viele Jahrzehnte lang prägen. 1954 wurde der Güterverkehr eingestellt, der letzte Personenzug rollte 1961 über die Schienen.

Optisch orientiert sich die neue Schutzhütte am ehemaligen Bahnhofsgebäude der Kleinbahn.

Mit der Optik, die die neue Schutzhütte am Ostfriesland-Wanderweg erhalten hat, nimmt das Gebäude Bezug auf das frühere Bahnhofsgebäude der Kleinbahn in Westrhauderfehn. Tatsächlich hatte sich der Bahnhof rund 200 Meter weiter südlich befunden auf dem Gelände des VLL-Busbahnhofs. Foto: Astrid Fertig
Mit der Optik, die die neue Schutzhütte am Ostfriesland-Wanderweg erhalten hat, nimmt das Gebäude Bezug auf das frühere Bahnhofsgebäude der Kleinbahn in Westrhauderfehn. Tatsächlich hatte sich der Bahnhof rund 200 Meter weiter südlich befunden auf dem Gelände des VLL-Busbahnhofs. Foto: Astrid Fertig
Sie wurde aus roten Klinkersteinen gebaut, seitlich mit Fenstern mit Rundbögen versehen, und auch der Eingang an der Vorderfront ist oben gerundet. Drinnen sind an drei Seiten Sitzbänke aus solidem Holz.

Bauhof mauerte die Schutzhütte auf

Für den Bau hatte die Gemeinde einen Etat von 16.000 Euro eingeplant, wie Bürgermeister Müller auf Nachfrage mitteilte. Möglich gewesen sei der Bau mit diesem Budget allerdings nur, weil die Bauhofmitarbeiter neben ihren üblichen Aufgaben viele Arbeitsstunden in den Bau des Häuschens investiert haben. Den Dachstuhl aufgesetzt und mit Ziegeln bedeckt hat der Zimmereibetrieb von Werner Haak aus Ostrhauderfehn, die Fenster lieferte Fenestra Nordwest aus Rhaudermoor.

Das Bahnhofsgebäude in Westrhauderfehn als Startpunkt der Kleinbahnlinie Westrhauderfehn - Ihrhove diente als Vorlage für die Schutzhütte am Eingang des Ostfriesland-Wanderweges, die die Gemeinde Rhauderfehn in diesem Jahr erbauen ließ. Mit einer Info-Tafel, auf der ein historisches Foto zu sehen ist, wird auf das Vorbild für das Häuschen am Wanderweg hingewiesen. Foto: Astrid Fertig
Das Bahnhofsgebäude in Westrhauderfehn als Startpunkt der Kleinbahnlinie Westrhauderfehn - Ihrhove diente als Vorlage für die Schutzhütte am Eingang des Ostfriesland-Wanderweges, die die Gemeinde Rhauderfehn in diesem Jahr erbauen ließ. Mit einer Info-Tafel, auf der ein historisches Foto zu sehen ist, wird auf das Vorbild für das Häuschen am Wanderweg hingewiesen. Foto: Astrid Fertig

Zu Jahresbeginn hatte der Bauhof damit begonnen gehabt, die Büsche am Standort der Schutzhütte zu roden. Im Frühjahr waren die Bauarbeiten gestartet. Der Bürgermeister dankte in seiner Eröffnungsrede ausdrücklich dem direkten Nachbarn Heiko Lietz, der einer Baulast zugestimmt hatte, damit die Gemeinde Rhauderfehn das Schutzhäuschen an dessen jetzigem Standort errichten konnte.

Unterstand für Wanderer und Radfahrer

Die historische Kleinbahnstrecke Ihrhove-Westrhauderfehn, zu der der Bahnhof gehörte, war von 1912 bis 1974/75 in Betrieb. Sie prägte die Region über Jahrzehnte. Das frühere Bahnhofsgebäude stand jedoch nicht an dem Standort, den jetzt der Rastplatz einnimmt, sondern rund 200 Meter weiter südlich auf dem Gelände des VLL-Busbahnhofs.

Die Schutzhütte bietet künftig Wanderern und Radfahrern Schutz und Rastmöglichkeit an der beliebten Strecke und ist zugleich ein liebevoll gestaltetes architektonisches Erinnerungsstück.

Nach Ideen des Fördervereins Touristik gebaut

Zur feierlichen Einweihung versammeln sich zahlreiche Mitwirkende, die dieses Projekt mit viel Herzblut begleitet haben: Der Ausschuss „Touristik und Märkte“, der Bürgermeister, die Nachbarn, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeinde Rhauderfehn sowie der Förderverein Touristik Rhauderfehn, dessen Initiative und Ideen maßgeblich zur Umsetzung der Schutzhütte beigetragen haben.

Zu einem Sektempfang lud die Gemeinde Rhauderfehn am Freitagnachmittag alle Anwesenden ein, die bei der offiziellen Freigabe der Schutzhütte am Ostfriesland-Wanderweg zugegen waren. Foto: Astrid Fertig
Zu einem Sektempfang lud die Gemeinde Rhauderfehn am Freitagnachmittag alle Anwesenden ein, die bei der offiziellen Freigabe der Schutzhütte am Ostfriesland-Wanderweg zugegen waren. Foto: Astrid Fertig

Ähnliche Artikel