Verkehr im Baugebiet Rhauderfehn-Mitte Warum der Brachvogelweg nicht verkehrsberuhigt wird
Bei der Gemeinde Rhauderfehn hatten Anwohner des Brachvogelwegs beantragt, dass ihre Straße verkehrsberuhigter Bereich wird. Nun entschied der Verkehrsausschuss.
Rhauderfehn - Der Brachvogelweg im Baugebiet Rhauderfehn-Mitte wird kein verkehrsberuhigter Bereich. Das entschied jetzt der Ausschuss für Tiefbau und Verkehr in seiner jüngsten Sitzung.
Eine Anliegergemeinschaft der 27 Familien, die im Brachvogelweg wohnen, hatte bei der Gemeinde einen Antrag gestellt, ihre Wohnstraße von einer Tempo-30-Zone umzuwandeln in „einen verkehrsberuhigten Bereich / Spielstraße“. Im Verkehrsausschuss erläuterte der stellvertretende Bauamtsleiter Joachim Frerichs erst einmal, dass es da Unterschiede gebe. Spielstraßen sind verboten für Fahrzeuge aller Art und stehen ausschließlich Fußgängern und spielenden Kindern zur Verfügung. Ein verkehrsberuhigter Bereich hingegen ermöglicht Fußgängern, die Straße in deren gesamter Breite zu nutzen, auch Kinderspiele auf der Straße sind gestattet.
Durchschnittstempo sind 36 km/h
Wie Frerichs berichtete, habe eine Tempomessung des Ordnungsamtes, die im März 2025 im Brachvogelweg durchgeführt wurde, ergeben, dass rund 85 Prozent der erfassten Verkehrsteilnehmer mit durchschnittlich 36 Stundenkilometer unterwegs waren.
Eine Umwandlung in einen verkehrsberuhigten Bereich hätte zur Folge, dass zusätzlicher Parkraum geschaffen werden müsste und das Niveau zwischen Straße und Bürgersteig angeglichen werden müsste, damit die Straße den Charakter einer Fußgängerzone bekäme und jeder erkennen könnte, dass Kinder dort Vorrang haben. Wer die Kosten für diese Umgestaltung zu tragen hätte, müsste noch geklärt werden.
Reine Anliegerstraße
Die Gemeindeverwaltung spricht sich gegen die Maßnahme aus. Mit der Begründung, dass der Brachvogelweg eine reine Anliegerstraße sei ohne Durchgangsverkehr. Das heißt, die meisten Autofahrer, die dort unterwegs sind, wohnen selbst im Brachvogelweg.
„Wenn nicht mal die Anwohner hinbekommen, sich an die vorgegebene Geschwindigkeit zu halten, werden sich Autofahrer vermutlich auch nicht an das Tempolimit für einen verkehrsberuhigten Bereich halten - auch wenn da Schilder stehen“, vermutete der stellvertretende Fraktionschef der CDU, Hilmar Schulte. Er beantragte, nach Beschlussvorlage abzustimmen.
Nicht im gesamten Baugebiet umsetzbar
Sozialdemokrat Dirk de Boer, Vorsitzender der Fraktion Ampel+, gab zu bedenken: „Die beste Regel taugt nichts, wenn man sie nicht auf ihre Einhaltung kontrolliert.“
Joachim Frerichs von der Verwaltung sagte: „Wenn wir alle anderen Straßen dort analog umgestalten würden zur verkehrsberuhigten Zone, würde das das gesamte Konzept des Wohngebiets Rhauderfehn-Mitte sprengen.“ Man sollte jetzt lieber mehr Schilder dort aufstellen, die auf das Tempo 30 hinweisen. „Für alles andere ist es jetzt zu spät.“
Meinders wollte das Gespräch suchen
Andreas Meinders von der Moin-Fraktion wollte den Tagesordnungspunkt vertagen und vor einer Entscheidung mit den Anliegern sprechen. Er würde es begrüßen, die Anwohner des Brachvogelwegs in den nächsten Verkehrsausschuss einzuladen, sagte er und beantragte es.
Laura Plümer von der Fraktion „Unser Rhauderfehn / Bürger für Rhauderfehn“ stellte fest: „Die Leute wollen ja etwas von uns. Und von all denen, die den Antrag unterzeichnet haben, ist heute Abend offensichtlich keiner hier. Dann scheint ihnen das Anliegen wohl auch nicht so dringlich zu sein.“
Brachvogelweg bleibt 30er-Zone
Der Ausschuss stimmte nach Beschlussvorlage ab. Andreas Meinders stimmte als einziger dagegen. Alle anderen Ausschussmitglieder schlossen sich dem Vorschlag der Gemeindeverwaltung an. Der Brachvogelweg in Rhauderfehn-Mitte bleibt 30er-Zone.