Seine Architektur prägt Rhauderfehn  Nachruf auf den Architekten Jochen Buss

| | 07.05.2025 11:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der Rhauderfehner Architekt Jochen Buss ist am 1. Mai im Alter von fast 87 Jahren gestorben. Foto: privat
Der Rhauderfehner Architekt Jochen Buss ist am 1. Mai im Alter von fast 87 Jahren gestorben. Foto: privat
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Viele Gebäude in der Gemeinde Rhauderfehn, öffentliche und private, wurden geplant von Jochen Buss. Am 1. Mai ist er gestorben. Mit ihm ging ein freundlicher Mensch, der sich für andere einsetzte.

Rhauderfehn - Am 1. Mai ist der Rhauderfehner Architekt Jochen Buss gestorben, wenige Wochen vor seinem 87. Geburtstag. Er hat mit seiner Handschrift das Ortsbild Rhauderfehns geprägt: Vom Rathaus bis zur Sporthalle am Schulzentrum, vom Kindergarten Rhaudermoor bis zur Friedhofskapelle wurden viele öffentliche Gebäude von Buss geplant, ebenso etliche Geschäfts- und Privathäuser.

Auf dem Fehn trauert man aber auch um einen freundlichen, geselligen Menschen, der das Gemeinschaftsleben prägte, sich für andere einsetzte und sich über viele Jahre im Sportverein TuRa 07 Westrhauderfehn und im Vorstand der evangelischen Kirchengemeinde Rhauderfehn engagierte. Das wird aus vielen Gesprächen mit Freunden, Kollegen und langjährigen Weggefährten deutlich.

Mit Kindheitsfreund selbstständig gemacht

Gemeinsam mit seinem Berufskollegen Alex Waden gründete der gebürtige Fehntjer Jochen Buss Ende 1969 ein Architektur- und Ingenieurbüro. Waden und Buss waren nicht nur Kollegen, sie waren Freunde von Kindesbeinen an. Diese Freundschaft war die Grundlage dafür, sich gemeinsam selbstständig zu machen, betont der Sohn des Verstorbenen, Holger Buss.

Jörg Furch kannte Jochen Buss mehr als 50 Jahre, hatte beruflich wie privat mit ihm zu tun. „Wir haben eine lange Wegstrecke zusammen zurückgelegt. Jochen Buss war ein Mensch, mit dem man gut umgehen konnte. Er war sehr ideenreich“, sagt Furch. Als Ortsbürgermeister Westrhauderfehns habe er ihn und seine Frau Erna im Juli 2023 noch zu ihrer diamantenen Hochzeit in ihrem Zuhause an der Birkenstraße besucht und auch zu Buss’ 85. Geburtstag am 3. Juni 2023.

Rhauderfehner Rathaus und Schulen geplan

Furch erinnert sich, dass während seiner Zeit als Gemeindedirektor Rhauderfehns, das Architekturbüro Waden+Buss viele öffentlich ausgeschriebene Aufträge erhielt und viele Baumaßnahmen für die Gemeinde Rhauderfehn realisierte. Dazu gehörte neben dem Rathaus auch die damalige Hauptschule mit Orientierungsstufe, in deren Gebäude sich heute die Realschule befindet, sowie das Schulzentrum Collhusen. „Jochen Buss war mehr der Planer, während Alex Waden sich draußen auf der Baustelle kümmerte. Die Beiden haben sich ideal ergänzt“, schildert Furch.

„Ein sehr angenehmer, verbindlicher Mann“, so charakterisiert Rhauderfehns Bürgermeister Geert Müller den Architekten Jochen Buss.

Dessen Kompagnon Waden starb bereits Ende 2015.

Im Auftrag von EWE und Müsing tätig

Zunächst war das Architekturbüro am Neuen Weg 48 in Rhauderfehn ansässig. Mitte der 70er Jahre zogen Buss und Waden in einen Neubau am Neuen Weg 1. Neben öffentlichen Aufträgen setzte das Duo auch viele Aufträge für das damalige Bauunternehmen Müsing aus Ihrhove um und den Energieversorger EWE, als dieser nach der Wiedervereinigung Deutschlands in die neuen Bundesländer expandierte.

„Mit Jochen kam man immer gut klar. Ich habe mit ihm nur positive Erfahrungen gemacht. Er war ein sehr angenehmer Mensch“, sagt der 80-jährige Jürgen Düring. Gemeinsam mit anderen Geschäftsleuten habe man in den 70ern auf dem Fehn die Gesellschaft Baufinanz gegründet, die schlüsselfertige Häuser anbot. Das Unternehmen bestand einige Jahre, so Düring. Bis heute obliege dem Immobilienbüro Düring die Mietverwaltung von Buss‘ Objekten.

Büro ging 2001 an Detmers und Exner

2001 gingen Buss und Waden in Ruhestand. Ihr Architekturbüro wurde von Peter Detmers und Thomas Exner übernommen. Detmers schildert den Verstorbenen als „ordentlich, korrekt und präzise. Auf Jochen Buss konnte man sich verlassen. Er hat sich immer gekümmert.“ Das Architektur- und Ingenieurbüro zog 2011 um nach Leer, wo es bis heute besteht.

Thomas Exner verließ den Betrieb 2013, weil er technischer Vorstand des Bauvereins wurde. Bevor er das Büro mit Detmers übernahm, war er dort einige Jahre lang als Angestellter tätig gewesen. „Jochen Buss habe ich als sehr loyalen und korrekten Chef kennengelernt. Er hat seinen Beruf geliebt“, schildert Exner. „Er hat sich in der Region einen Namen erarbeitet. Es war angenehm, mit ihm zusammenzuarbeiten.“

25 Jahre lang TuRa-Männerturnriege geleitet

Privat engagierte Jochen Buss sich sehr für den Sport. Er ging kegeln und baute mit seiner Frau Erna die Tennisabteilung von TuRa 07 Westrhauderfehn mit auf. Dort war er bis vor einigen Jahren noch aktiv. 25 Jahre lang, von 1978 bis 2003, leitete Buss die Männerturnriege des Vereins. Etliche Jahre nahm die Gruppe regelmäßig am Turnfest des Deutschen Turnerbunds teil. Buss nahm auch das Sportabzeichen ab.

Die Männerturnriege von TuRa 07 Westrhauderfehn im Juli 2014 anlässlich ihres 55-jährigen Bestehens. Jochen Buss sitzt in der vorderen Reihe, 3. von rechts. Archivfoto: Holger Weers
Die Männerturnriege von TuRa 07 Westrhauderfehn im Juli 2014 anlässlich ihres 55-jährigen Bestehens. Jochen Buss sitzt in der vorderen Reihe, 3. von rechts. Archivfoto: Holger Weers

Doch er war bei TuRa nicht nur als sportlicher Leiter aktiv, sondern setzte sich auch sehr für die Geselligkeit ein. „Jochen hat im Grunde genommen unsere Runde zu dem gemacht, was sie heute ist“, sagt Christof Harms, der 2003 sein Nachfolger als Übungsleiter wurde. Die Männerturnriege, bestehend aus rund 40 Männern, trifft sich immer dienstagabends zum Sport in der Dreifachturnhalle. Anschließend geht es ins Vereinslokal Plümer. Um die Organisation geselliger Veranstaltungen und Ausflüge kümmert sich inzwischen ein Vergnügungsausschuss.

Jüngster Sohn von Bäcker Buss

Von 2000 bis 2010 brachte sich Jochen Buss auch im Kirchenvorstand der inzwischen fusionierten lutherischen Kirchengemeinde Westrhauderfehn ein. Er leitete dort den Bauausschuss und kümmerte sich um die baulichen Belange der Kirchengemeinde.

Geboren wurde Buss als jüngster Sohn des Gründers der Bäckerei Buss, Johann Buss. Das habe er als junger Mann stets zum Anlass genommen, sich mit den Worten vorzustellen: „Ik bün Backer Buss sien Jung!“, schildert sein Sohn Holger.

Ehefrau Erna vor 70 Jahren kennengelernt

Seine Ausbildung als Maurer begann Jochen Buss 1955 bei dem Bauunternehmen Folkert Hogelücht an der 1. Südwieke 416 in Rhauderfehn. Später besuchte er die weiterführende Schule und studierte in Oldenburg Architektur. Vor 70 Jahren lernte er in einer Volkstanzgruppe in Rhauderfehn seine spätere Ehefrau Erna, geb. de Buhr, kennen, Kapitänstochter aus Rhaudermoor. 1963 heiratete das Paar. Im Mai 1969 kam Holger zur Welt, ihr einziges Kind.

Jochen Buss hinterlässt seine Ehefrau Erna, seinen Sohn mit Frau Steffi sowie drei Enkel. Obwohl er gesundheitliche Probleme hatte, kam sein Tod unerwartet. Von einer Operation hatte sich der 86-Jährige nicht mehr erholt.

Beisetzung auf Friedhof Hahnentange

Beigesetzt wird der Verstorbene am Sonnabend, 10. Mai, auf dem Friedhof Hahnentange. Die Trauerfeier beginnt um 14 Uhr.

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