Feuerwehr-Förderverein Burlagerin Marie Luise K. um 30.000 Euro betrogen
Die 73-jährige Marie Luise K. hatte dem damaligen Vorsitzenden des Feuerwehr-Fördervereins in Burlage 30.000 Euro geliehen. Wiederbekommen hat sie das Geld nie. Das ist ihre Geschichte.
Burlage - Die Burlagerin Marie Luise K. hat in den vergangenen Monaten gleich mehrere Schicksalsschläge hinnehmen müssen. Im Februar 2025 starb ihre geliebte Mutter nach schwerer Krankheit im Alter von 98 Jahren. Und auch finanziell wurde die 73-Jährige arg gebeutelt. Sie hatte im Juli 2024 dem damaligen Vorsitzenden des Fördervereins der Feuerwehr Burlage, Wolfgang Harms, 30.000 Euro geliehen. Dieses Geld hat sie bis heute nicht wiederbekommen. Unklar ist bislang, wofür das Geld verwendet wurde.
„Ich habe zu viel vertraut und war zu gutgläubig“, betonte K., die nicht mit ihrem vollständigen Nachnamen in der Zeitung genannt werden möchte. Die aus dem Rheinland stammende und zuletzt in der Oberpfalz wohnende Ruheständlerin war 2014 mit ihrer Mutter nach Burlage gezogen. Wolfgang Harms lernte sie kennen, als der Förderverein ein Haus geerbt hatte, das gegenüber von ihrem Haus steht. Es habe sich anschließend eine gute Bekanntschaft entwickelt, erzählte K.
Schuldschein sollte die 30.000-Euro-Leihe dokumentieren
Im Juli 2024 habe Harms sie dann gefragt, ob sie ihm 30.000 Euro leihen könne. Das Geld benötigte er, um dem Sohn der Frau, von dem der Förderverein das Haus geerbt hatte, einen erblichen Pflichtanteil auszahlen zu können. „Wolfgang sagte mir, dass er an das Konto, wo das Geld aus dem Verkauf des geerbten Hauses lag, nicht rankomme. Es sei noch gesperrt gewesen“, sagte die 73-Jährige. Durch den Verkauf des Hauses hatte der Förderverein eine sechsstellige Summe erhalten.
K. vertraute Harms. Gemeinsam seien die beiden zur Bank gefahren, und dort überwies sie das Geld. Um sich abzusichern, setzte K. einen Schuldschein auf, der von Harms unterschrieben wurde. In diesem Schuldschein verpflichtete sich Harms „zur Rückzahlung der genannten Geldsumme bis Ende September 2024“. Der Schuldschein liegt dieser Redaktion vor.
„Das Geld habe ich nicht wiedergesehen“
Doch es tat sich nichts. Als K. ihn im Oktober darauf ansprach, bat Harms um einen Aufschub bis Ende Dezember 2024. „Er sagte, dass er weiterhin nicht an das Konto mit dem Erbe rankommt“, so K.. Sie ließ sich auf die verlängerte Frist ein. „Im Dezember habe ich ihn dann mehrmals nach dem Kassenwart des Fördervereins gefragt, weil ich misstrauisch geworden bin. Doch er hat mir den Namen nicht genannt“, berichtete K. Anschließend sei der Kontakt zu Wolfgang Harms zwar immer noch da gewesen, aber deutlich abgekühlter. „Wir haben fast immer über WhatsApp geschrieben. Er hielt mich dabei hin. Das Geld habe ich aber weiterhin nicht wiedergesehen“, so K.
Ende Januar/Anfang Februar 2025 rief sie dann den damaligen stellvertretenden Vorsitzenden des Fördervereins, Gerhard Tebben, an, um bei ihm nachzufragen, was mit dem Geld sei. „Der ist aus allen Wolken gefallen. Der wusste nichts von den 30.000 Euro“, so K. Anschließend habe Tebben dann den Kontakt zu Wolfgang Harms gesucht. Dieser trat Anfang Februar aus gesundheitlichen Gründen vom Amt des Vorsitzenden des Fördervereins der Feuerwehr Burlage sowie als Ortsbrandmeister zurück. Am 3. März 2025 verstarb Wolfgang Harms.
Seine Witwe Kerstin Harms erklärte im Gespräch mit dieser Zeitung, dass sie von der 30.000-Euro-Leihe ihres Mannes nichts gewusst habe und davon auch erst nach seinem Tod erfahren habe. Mit den Finanzen von Feuerwehr und Förderverein habe sie nichts zu tun gehabt, berichtete sie. Das Erbe ihres Mannes habe sie ausgeschlagen.
Insolvenzantrag beim Amtsgericht Leer gestellt
Der Förderverein hatte bereits im Februar 2025 aufgrund seiner Zahlungsunfähigkeit über ihren Anwalt Artur Groeneveld aus Rhauderfehn einen Antrag auf Insolvenz beim Amtsgericht Leer gestellt. Zudem sei Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet worden.
Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Dr. Immo Hamer von Valtier ernannt, der mit seiner Kanzlei Insotreu auch einen Standort in Leer hat. Hamer von Valtier erklärte im Gespräch mit dieser Zeitung: „Ich habe Gespräche mit den derzeitigen Vorstandsmitgliedern des Fördervereins geführt. Dabei ist deutlich geworden, dass diese selbst nicht wissen, wo das ganze Geld ist. Es hat sich herausgestellt, dass es im Förderverein nicht nur zwei Konten gab, wie alle dachten, sondern ein drittes. Von diesem wusste anscheinend nur der damalige Vorsitzende.“ Sowohl der frühere stellvertretende und jetzige kommissarische Vorsitzende Gerhard Tebben als auch die anderen Vorstandsmitglieder hätten nach ihren eigenen Erläuterungen nur zwei Konten gekannt: das reguläre Vereinskonto sowie das sogenannte Sperrkonto, auf dem der große Geldbetrag aus der Erbschaft lag.
Um weitere Nachforschungen anstellen zu können, habe Hamer von Valtier deshalb die „vorläufige Verwaltung des Vermögens“ des Antragstellers, also des Fördervereins, angeordnet. „Nur so kann ich Auskünfte von den Banken darüber bekommen, welche Geldflüsse es auf den Konten gab“, erklärte Hamer von Valtier. Bislang habe es jedoch noch keine Rückmeldungen der Geldinstitute gegeben. „Die Banken geben so etwas mittlerweile auch häufiger an externe Dienstleister ab. Von daher kann es auch einige Wochen dauern“, erklärte der vorläufige Insolvenzverwalter.
Auch Unregelmäßigkeiten mit Spenden an die Feuerwehr
Wie K. weiter berichtete, habe es zuvor bereits Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit Spenden von ihr gegeben. Im Winter und im Sommer 2024 habe sie Wolfgang Harms jeweils in bar eine Spende für die Freiwillige Feuerwehr Burlage gegeben – einmal 800 Euro sowie einmal 400 Euro. „Die Menschen in der Feuerwehr sind fleißige, ehrenamtliche und zuverlässige Menschen, die im Notfall da sind. Ich wollte ihnen etwas Gutes tun“, so K.
Die von Harms unterzeichneten Spendenquittungen habe sie zwar erhalten – allerdings erst nach Aufforderung im Dezember 2024. Zudem sei die 400-Euro-Spende bei den Quittungen in zwei 200-Euro-Spenden aufgeteilt gewesen. „Warum das gemacht wurde, kann ich nicht sagen“, erklärte K.
Weil die Gemeinde Rhauderfehn die Dienstherrin der Feuerwehr ist, hätten die Spenden zudem dort angezeigt und in dem Fall vom Verwaltungsausschuss genehmigt werden müssen. „Doch das ist nicht passiert. Ich hatte extra bei der Gemeinde nachgefragt. Da ging nichts ein“, erzählte K. Auch Rhauderfehns Bürgermeister Geert Müller bestätigte das: „Bei uns wurde keine von ihr getätigte Spende angezeigt.“
Nach den Schicksalsschlägen sehr schlecht geschlafen
Für Marie Luise K. ist in den vergangenen Monaten eine Welt zusammengebrochen. „Ich werde mit meiner Rente nie wieder so viel Geld sparen können“, berichtete sie traurig. Von den 30.000 Euro wollte sie sich Anfang 2025 eigentlich ein neues Auto und zwei Solarzellen kaufen. Doch daraus wird nichts.
„Ich dachte, ich hätte mich gut abgesichert mit dem Schriftverkehr, aber ich habe zu viel vertraut“, sagte die 73-Jährige. Ob K. ihr Geld jemals wiederbekommen wird, daran glaubt sie nicht. Dennoch habe sie sich einen Rechtsanwalt genommen. Auch für den Anwalt habe sie bereits einige Tausend Euro gezahlt. In den vergangenen Monaten habe sie aufgrund der Schicksalsschläge sehr schlecht schlafen können, mittlerweile gehe es ihr etwas besser. „Ich versuche, den Glauben an das Gute an den Menschen nicht zu verlieren“, betonte sie.
Warum wir über das Schicksal von Marie Luise K. berichten
Ein Kommentar von Henrik Zein
Der Tod von Burlages Ortsbrandmeister Wolfgang Harms am 3. März 2025 hat viele Menschen in der Region betroffen gemacht. Der 57-Jährige galt als freundlich, humorvoll und äußerst hilfsbereit. Doch anscheinend hatte er auch eine andere Seite. Harms soll in seiner Funktion als Vorsitzender des Feuerwehr-Fördervereins die Rentnerin Marie Luise K. um 30.000 Euro betrogen haben. Die 73-Jährige hatte sich an diese Zeitung gewandt, um ihre Geschichte öffentlich zu machen. Wir haben in der Redaktion lange und intensiv diskutiert, ob und wie wir dieses Thema aufgreifen. Vor allem unter ethischen Gesichtspunkten und mit Rücksicht auf die Familie des Verstorbenen fiel die Entscheidung sehr schwer. Schlussendlich haben wir uns dafür entschieden, über das Schicksal von Marie Luise K. zu berichten. Warum haben wir das gemacht? Wir als Presse hatten in diesem Fall abzuwägen, was wichtiger ist: das Persönlichkeitsrecht des Verstorbenen oder das Interesse der Öffentlichkeit an einer Berichterstattung. Wolfgang Harms war eine Person des öffentlichen Lebens und weit über die Grenzen von Burlage hinaus bekannt. Mit seinem Handeln hat er offenbar nicht nur der 73 Jahre alten Rentnerin, sondern auch dem Förderverein und noch anderen Menschen geschadet. Deshalb kamen wir in der Redaktion zu dem Schluss, dass das Interesse der Öffentlichkeit in diesem Fall überwiegt.