Vandalismus in Rhauderfehn  „Chronologie der Zerstörung“ im Rhauderfehner Museumsgarten

| | 13.02.2025 07:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Museumsleiter Marcus Neumann mit einem Schild, das abmontiert und in den Garten geworfen wurde: Der erneute Vandalismus, sagt er, habe ihm einen richtigen Schlag versetzt. Foto: Janßen
Museumsleiter Marcus Neumann mit einem Schild, das abmontiert und in den Garten geworfen wurde: Der erneute Vandalismus, sagt er, habe ihm einen richtigen Schlag versetzt. Foto: Janßen
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Immer wieder werden im Außenbereich des Fehn- und Schiffahrtsmuseums Westrhauderfehn Sachen beschädigt. Der Leiter ist sauer und überlegt nun einen schwierigen Schritt.

Rhauderfehn - Mit verbissener Miene stapft Marcus Neumann über den Pflasterweg des Museumsgarten. Er zeigt nach links, nach rechts: Vier Stelen mit Infos zu Ausstellungs-Objekten hat das Museum mit Hilfe von Fördergeldern im vergangenen Jahr aufgestellt. Alle vier wurden in der vergangenen Woche beschädigt. Entdeckt hat der Chef des Fehn- und Schiffahrtsmuseums Westrhauderfehner den Schaden am Freitag, 7. Februar 2025. „Mir reicht es wirklich“, schimpft er. Die aktuellen Spuren von Vandalismus sind nämlich keineswegs die ersten: „Es ist permanent irgendwas: nicht einmal in einem halben oder dreiviertel Jahr, sondern andauernd.“ So seien schon die Taue am Fahnenmast gelöst worden, ein Kellerfenster wurde eingetreten, ein Objekt schrottreif gehauen... „Es ist eine Chronologie der Verwüstung“, so Neumann.

Im aktuellen Fall habe die Gemeinde Rhauderfehn Strafanzeige gestellt, wie Bürgermeister Geert Müller bestätigt.

Die beschädigten Stelen gehören zu einem Projekt, das Neumann sehr am Herzen liegt: Der Museumsgarten soll schöner werden, Besucher willkommen heißen und auf das Museum neugierig machen. Erst im vergangenen August wurden sie aufgebaut. Der Unterbau, auf dem die Infotafeln angebracht sind, hat ein Künstler entworfen und hergestellt. „Die gehen ja jetzt quasi in ihre erste richtige Saison und sind schon kaputt“, ärgert sich Neumann.

Hohe Kosten für das Rhauderfehner Museum

Die Unbekannten haben die Zierschrauben, mit denen die Infotafeln befestigt sind, entfernt. Zwei, drei Stück an jeder Steele, an einer sogar alle vier Schrauben. „Da lag die Tafel hinten im Garten.“ Von den speziellen Schrauben fehlt jede Spur. „Wahrscheinlich wurden sie weggeschmissen oder mitgenommen, damit wir sie bloß nicht wiederfinden. Nun müssen wir Schrauben bei dem Künstler nachbestellen.“

Im Oktober war der schwere Amboss mit Gewalt vom Holzstock gerüttelt worden. Foto: Janßen
Im Oktober war der schwere Amboss mit Gewalt vom Holzstock gerüttelt worden. Foto: Janßen

Das verursache wieder Kosten für das Museum, beziehungsweise den Trägerverein, den Heimatverein Overledingerland. Der arbeite ehrenamtlich und nicht gewinnorientiert. „Wir sind froh, wenn wir am Ende des Jahres mit Null rauskommen.“ Deshalb sei man bei allen Neuerungen auf Förderungen angewiesen. „Die gibt es aber nur für Anschaffungen für das Museum. Nicht für den Unterhalt. Die Schäden bedeuten also einen großen finanziellen Aufwand für den Verein.“

Neue Bänke wurden sofort beschädigt

Er selbst sei als Museumsleiter angestellt, bekomme Gehalt, aber: „In dem Projekt steckt auch mein Herzblut drin“, sagt er. Dass der Museumsgarten immer wieder Ziel von Vandalismus wird, mache ihm deshalb schwer zu schaffen. „Die neuen Bänke, sind erst im vergangenen Oktober gekommen. Die Verankerungen wurden freitags einbetoniert. Am Montag danach hatten wir die ersten Schäden. Da waren die Holzelemente aus der Verankerung herausgerissen worden“, so Neumann. „Das ist wirklich sehr bitter.“

Einige Holzbänke wurden im August aus der Verankerung gerissen. Da standen sie gerade mal wenige Tage. Foto: Janßen
Einige Holzbänke wurden im August aus der Verankerung gerissen. Da standen sie gerade mal wenige Tage. Foto: Janßen

Ebenfalls im Oktober wurde der massive Amboss vor der Museumsschmiede mit Gewalt von seinem Holzstock heruntergeholt. „Das haben wir auf Video. Da haben mehrere Leute so lange an dem Amboss gerüttelt, bis der am Boden lag“, erzählt Neumann. Durch die Videoaufnahme konnten die Täter auch ermittelt werden. Der Amboss wurde nun am Holzstock verschraubt: Das sieht zwar weniger schön aus, soll aber mehr Sicherheit geben.

Überwachungskamera für das Grundstück

Die Schmiede sei kameraüberwacht. Andere Bereiche noch nicht. Das soll sich nach dem jüngsten Zwischenfall ändern: „Ich sehe keinen anderen Weg: Ich werde jetzt nichts mehr investieren in die Verschönerung des Platzes. Jetzt geht es darum, Gelder zu akquirieren, damit wir eine Überwachung installieren können“, so der Museumsleiter.

Den Schritt fällt ihm nicht leicht: „Wir wollen ja, dass der Garten genutzt wird. Wir wollen uns nicht abschotten. Wir sehen, dass oft Gruppen dort sitzen. Wir sprechen die auch an, sagen ,Schön, dass ihr da seid. Wenn Ihr den Mülleimer trefft, umso besser’. Und die meisten respektieren das auch. Aber es sind immer zwei, drei Gestalten dazwischen, die nur Chaos anstellen wollen.“ Deshalb sei der Schritt zur Überwachung bedauerlich, aber notwendig.

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