Ende der Pool-Lösung Unmut und Unverständnis bei Osterfehntjer Eltern
Seit 2018 läuft an der Grundschule Ostrhauderfehn das Modellprojekt Pool-Lösung. Das endet. Zwei Kreis-Mitarbeiterinnen informierten die Eltern, wie es dann weitergeht. Das sorgte für rege Diskussion.
Ostrhauderfehn - Seit 2018 läuft an der Grundschule in Ostrhauderfehn die Begleitung von Kindern mit Förderbedarf als Modellprojekt mit einer Pool-Lösung. Das bedeutet, dass Integrationshelfer nicht einem bestimmten Kind zugeordnet sind, sondern ein Personalpool für alle Schülerinnen und Schüler zur Verfügung steht. Aktuell besuchen 272 Kinder die Grundschule an der Middendorfstraße. Sieben Fachkräfte stehen den Kindern mit Förderbedarf zur Seite. Die pädagogische Leitung hat der Sozialpädagoge Matthias Preuß.
Obwohl die Pool-Lösung von allen Seiten als gelungen erlebt wird, entschied der Jugendhilfeausschuss des Leeraner Kreistags am 5. Dezember 2024, das Projekt zum Ende des Schuljahres einzustellen. Begründet wurde das mit gestiegenen Kosten und einer geänderten Gesetzeslage.
Kreis-Mitarbeiterinnen falsche Adresse für Ärger
Dadurch ändert sich für Eltern, Kinder und Lehrkräfte an der Osterfehntjer Grundschule vieles. Das sorgt bei den Betroffenen für Unmut. Schulleiter Johannes Lindemann lud am Mittwoch, 22. Januar 2025, alle Interessierten zu einem Info-Abend in die Schule ein. Dort erläuterten zwei Mitarbeiterinnen der Kreisverwaltung den Eltern, wie es nach dem Ende der Pool-Lösung für sie und ihre Kinder weitergeht, Katharina Löning vom Gesundheitsamt und Andrea Glander vom Jugendamt.
Während sich einige Eltern in Rage redeten, wiesen die beiden Landkreis-Mitarbeiterinnen mehrfach darauf hin, dass sie die falsche Adresse seien für den Ärger über das Ende der Pool-Lösung. Dieser Beschluss sei von der Kommunalpolitik getroffen worden. Auch Ostrhauderfehns Grundschulleiter Johannes Lindemann griff mehrmals beschwichtigend in die Diskussion ein. Er sei „genauso frustriert“, versicherte Lindemann, dass „ein gut funktionierendes System in die Tonne gekloppt“ werde. Doch das sei beschlossene Sache. Jetzt gehe es um Weiterentwicklung, statt Abwicklung. Was könne man zu den veränderten Rahmenbedingungen hinüberretten in die Zukunft?
Eltern müssen Hilfe selbst beantragen
Auf einer Leinwand stellte der Schulleiter für die rund 40 Anwesenden dar, was sich nach den Sommerferien ändert. Das neue Modell nennt sich „Pooling“. Das klingt zwar ähnlich, funktioniert aber grundsätzlich anders als das bisherige Projekt.
Zu den größten Veränderungen gehört, dass jetzt die Eltern selbst Anträge ausfüllen müssen, um Förderung für ihre Kinder zu bekommen. Voraussetzung ist zudem, dass die Kinder amtsärztlich begutachtet werden, und zwar regelmäßig: Bei einer körperlichen Einschränkung ist das Gesundheitsamt zuständig, das den Zustand des Kindes alle halbe Jahre überprüft, bei psychischen Auffälligkeiten ist das Jugendamt zuständig, das einmal jährlich eine ärztliche Kontrolle verlangt.
Schulleiter sieht keinen Vorteil in neuem System
Durch die Pool-Lösung war integrative Betreuung von Kindern vom ersten Schultag an gewährleistet. Auch kurzfristige Unterstützung nach einem belastenden Ereignis sei unproblematisch möglich, schilderte Lindemann. Das werde nun anders. Auch wenn ein ärztliches Gutachten einem Kind Förderbedarf bescheinigt und der elterliche Antrag dafür genehmigt ist, dauere es mehrere Monate, bis die beantragte Fachkraft tatsächlich da sei und sich um das Kind kümmere.
Bisher haben die sieben Integrationshelfer und Sozialpädagoge Preuß durchschnittlich 35 Kinder betreut. „Das ist eine enorm große Anzahl“, unterstrich Lindemann. Die Pool-Lösung habe für viel Flexibilität und Kontinuität gesorgt. Die Integrationshelfer hätten selbstständig entschieden, wann sie in welche Klassen gehen. Die Teamarbeit habe bestens funktioniert. „Mir ist noch nicht klar, welche Vorteile Pooling für die Schule hat“, gestand Lindemann offen ein. „Das müssen wir im Prozess mit dem Landkreis noch herausfinden.“
„Gegenteil von Bürokratieabbau“
„Man muss Anträge stellen und hat die Rennerei“, stellte Mutter Karoline Koopmann frustriert fest. Sie wollte wissen, wie viele Helfer sich künftig maximal in einer Klasse aufhielten? „Wir haben Schulklassen, da sind vier bis fünf Integrationshelfer drin“, erwiderte Glander. Man könne ihr doch nicht erzählen, dass fünf Kräfte in einer Klasse günstiger seien als eine, die sich um fünf Kinder kümmere, sagte eine andere Mutter. „Warum stampfen wir ein gut funktionierendes Projekt ein und machen es komplizierter?“ fragte ein Vater.
Stefan Krebstakies, Elternvertreter für die Klassen 1 und 3, wies eindringlich darauf hin, dass mit der Poollösung ein erfolgreiches Modell aus Kostengründen eingestellt werde. Bei den Jüngsten zu sparen, sei nicht nachhaltig, denn wie hoch deren späterer Förderbedarf sein werde, stehe in den Sternen. Die vielen Einzelanträge der Eltern seien das Gegenteil von Bürokratieabbau. Zudem würden die regelmäßigen Überprüfungen in den Ämtern Personal binden, so dass gar nicht klar sei, wie viel Geld der Landkreis durch die Beendigung der Pool-Lösung tatsächlich spare.
Bei vielen Eltern bleibt Unzufriedenheit
Die beiden Vertreterinnen von Gesundheits- und Jugendamt mussten an diesem Abend viele Fragen beantworten und tauchten dabei tief in Ostrhauderfehns Schulalltag ein.
Er habe „heute gelernt, dass noch nicht alles in Stein gemeißelt“ sei, sagte Schulleiter Lindemann abschließend. Doch Unzufriedenheit und Verunsicherung konnte bei vielen Eltern auch durch die anderthalbstündige Diskussion nicht ausgeräumt werden.