Haushalt 2025  Gemeinde Barßel hat drei Millionen Euro Defizit

| | 19.12.2024 17:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Mehr als 15 Millionen Euro fließen in der Gemeinde Barßel in den Neubau von Rat und Bürgerhaus auf dem Theodor-Klinker-Platz. Nicht alle Ratsmitglieder stehen hinter dem Prestigeprojekt. Das wurde jetzt in der Haushaltsdebatte deutlich. Foto: Fertig
Mehr als 15 Millionen Euro fließen in der Gemeinde Barßel in den Neubau von Rat und Bürgerhaus auf dem Theodor-Klinker-Platz. Nicht alle Ratsmitglieder stehen hinter dem Prestigeprojekt. Das wurde jetzt in der Haushaltsdebatte deutlich. Foto: Fertig
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Im Haushaltsentwurf von 2025 hat Barßels Kämmerin Yvonne Dierkes ein Defizit von 3 Millionen Euro ausgewiesen. Deshalb lehnte fast die gesamte Linke im Gemeinderat das geplante Zahlenwerk ab.

Barßel - Vor dem Weihnachtsessen des Barßeler Rates, das diesmal im Gasthof Block in Harkebrügge stattfand, arbeitete der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung des Jahres 2024 eine umfangreiche Tagesordnung ab. Die Ratssitzung fand gegenüber im Pfarrheim St. Marien Harkebrügge statt. Der Tagesordnungspunkt mit dem meisten Redebedarf war der Haushalt 2025.

Dessen Entwurf ist nun verabschiedet - mit einem Ergebnis von 18 zu neun Stimmen. Alle SPD-Ratsmitglieder außer Heino Willhaus stimmten gegen den Haushaltsentwurf, ebenso die beiden Grünen, Hannes Coners und Cornelia Ballent, sowie die drei Mitglieder der Bürgerfraktion, Waltraut Frerichs, Annegret Meyer und Hubert Niemeyer.

Drei Millionen Defizit im Haushaltsentwurf

Barßels Bürgermeister Nils Anhuth kam in seiner Haushaltsrede gleich auf das Wesentliche zu sprechen - einem Defizit von knapp drei Millionen Euro. Erträgen von 22,8 Millionen Euro stehen Aufwendungen von 25,75 Millionen Euro gegenüber. Zur Finanzierung der Investitionen ist in der Haushaltssatzung 2025 eine Kreditermächtigung von gut 5 Millionen Euro enthalten. Der Schuldenstand der Gemeinde liegt zum Jahresende bei 19,4 Millionen Euro, das sind fast 5 Millionen mehr als im Vorjahr.

Der Bau des Bürgerhauses neben dem Rathaus schreitet voran. Ende 2025 soll es fertig sein. Dort entsteht der neue Haupteingang mit Empfang und Servicebereich, ein Trauzimmer, und die Touristik Barßel-Saterland wird dort hinziehen. Zudem wird es einen Saal mit rund 150 Sitzplätzen geben. Foto: Fertig
Der Bau des Bürgerhauses neben dem Rathaus schreitet voran. Ende 2025 soll es fertig sein. Dort entsteht der neue Haupteingang mit Empfang und Servicebereich, ein Trauzimmer, und die Touristik Barßel-Saterland wird dort hinziehen. Zudem wird es einen Saal mit rund 150 Sitzplätzen geben. Foto: Fertig

Anhuth machte deutlich, dass seine Kommune damit nicht allein dastehe. „Im ersten Halbjahr 2024 fehlten laut Statistischem Bundesamt bundesweit rund 17,3 Milliarden Euro in den Haushalten der Kommunen. Im Vorjahreszeitraum lag die entsprechende Sume bei etwas mehr als sieben Milliarden“, so Anhuth. Der Barßeler Bürgermeister nahm für die Kommunen das Wort „Schuldentoilette“ in Anspruch. Während für Bund und Land die Schuldenbremse gelte, müssten die Kommunen weiter Schulden machen, um Dinge, die politisch auf Bundes- und Landesebene durchgesetzt werden zu finanzieren - wie die Gebührenfreiheit in Kindergärten oder den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Grundschulen.

Kitas, Personal und Energie sind Kostentreiber

Maßgeblicher Kostentreiber im Ergebnishaushalt ist laut Anhuth der Defizitausgleich bei den Kindertagesstätten mit 3,35 Millionen Euro, Personalkosten von 5,8 Millionen Euro sowie massiv gestiegene Kosten für Strom und Gas in Höhe von 863.000 Euro. Auf der Einnahmeseite konnte „leider kein deutliches Plus verzeichnet“ werden. Die Gewerbesteuer sei seit 2019 von rund 6 Millionen jährlich auf nun für 2025 veranschlagte 4 Millionen Euro gesunken.

Dass der Haushalt der Gemeinde Barßel trotz des Drei-Millionen-Defizits ausgeglichen sein wird, liege an einer „Überschussrücklage“ von 24 Millionen Euro, die die Gemeinde in den vergangenen Jahren erwirtschaftet habe, so Anhuth.

Andere Kommunen blicken neidisch auf Barßel

Was Investitionen betreffe, gebe Barßel mit knapp 5,2 Millionen Euro weniger Geld aus als im Vorjahr, wo es 5,8 Millionen waren. Zwar sei der Schuldenstand in den vergangenen elf Jahren um rund 7 Millionen Euro gestiegen - doch dafür seien im Gemeindegebiet viele Werte geschaffen worden, machte Barßels Bürgermeister deutlich. Beifall aus den Reihen der CDU/FDP brandete auf, als er betonte, andere Kommunen blickten neidisch auf Barßel und ließen sich im Rathaus erläutern, wie die Gemeinde es hinbekomme, so breit aufgestellt zu sein.

Für 2,5 Millionen Euro hat die Gemeinde Barßel 2016 ihr Hallenbad saniert und zum jetzigen Hafen-Bad ausgebaut. Foto: Fertig
Für 2,5 Millionen Euro hat die Gemeinde Barßel 2016 ihr Hallenbad saniert und zum jetzigen Hafen-Bad ausgebaut. Foto: Fertig

Für die 7 Millionen Euro, die seinerzeit die Sanierung der Dreifeldsporthalle und des Hafen-Bads zusammen gekostet haben, „dafür würde man heute weder das eine, noch das andere kriegen“, so Anhuth. Was die Sanierung der IGS angehe, habe man auf ein Konjunkturprogramm gehofft, gab er zu. Weil das ausgeblieben sei, gehe man dort nun Schritt für Schritt vor.

Rund um die Integrierte Gesamtschule (IGS) Barßel wurde das Außengelände auf Vordermann gebracht. 2023 wurden der Eingangsbereich neu gestaltet und für 1 Million Euro der Sportpark saniert. Foto: Fertig
Rund um die Integrierte Gesamtschule (IGS) Barßel wurde das Außengelände auf Vordermann gebracht. 2023 wurden der Eingangsbereich neu gestaltet und für 1 Million Euro der Sportpark saniert. Foto: Fertig

Straßenausbau und Schulmensen

Zu den größten Brocken bei den Investitionen gehören Tiefbaumaßnahmen, etwa der erste Bauabschnitt der Westmarkstraße, vom Hafen bis zur Mühlenbrücke, der mit 2,2 Millionen Euro zu Buche schlägt, sowie der zweite Bauabschnitt im Baugebiet Barßelermoor-Ost für 1,18 Millionen. Für die Außenanlagen um Rathaus und Bürgerhaus sind Ausgaben von 2,2 Millionen Euro eingeplant, von denen 1,47 Millionen Fördergeld sind. An der IGS werde in einen Mehrgenerationenplatz investiert sowie zwei Rollsportfelder und die Finnenbahn. Die Mensa an der Marienschule wird erweitert, an der Grundschule Elisabethfehn-West wird eine Mensa neu gebaut.

Die Mensa an der Barßeler Grundschule Marienschule wird 2025 erweitert. Dafür stehen 300.000 Euro im Haushalt. Foto: Fertig
Die Mensa an der Barßeler Grundschule Marienschule wird 2025 erweitert. Dafür stehen 300.000 Euro im Haushalt. Foto: Fertig
100.000 Euro sollen in den Neubau einer Kapelle beim Friedhof der evangelischen Kirchengemeinde Elisabethfehn fließen.
Im August 2024 wurde der sanierte Sportpark in Barßel seiner Bestimmung übergeben. Eine neue Rundlaufbahn, Leichtathletikanlagen, einen Soccer-Court und einen neuen „roten Platz“, unter anderem zum Tennisspielen, gibt es dort nun. Foto: Fertig
Im August 2024 wurde der sanierte Sportpark in Barßel seiner Bestimmung übergeben. Eine neue Rundlaufbahn, Leichtathletikanlagen, einen Soccer-Court und einen neuen „roten Platz“, unter anderem zum Tennisspielen, gibt es dort nun. Foto: Fertig

Die CDU/FDP-Fraktion stimme dem Haushalt zu, erklärte deren Vorsitzender Ralph Schröder. „Wir stehen vor großen Herausforderungen, die wir gemeinsam angehen müssen“, stellte er in seiner Haushaltsrede fest. Schröder betonte, dass die Ursache für die wachsende Verschuldung der Gemeinde nicht der Neubau des Rat- und Bürgerhauses sei, auf den die Kritik sich oft fokussiere. Schröder machte dafür die Auswirkungen der „völlig planlosen“ Regierungspolitik verantwortlich, an der es liege, dass sich nicht nur Kommunen sondern auch viele Menschen immer weniger leisten könnten.

Kein Geld für Sanierung des Müllerhauses eingeplant

Für den Rathausneubau seien über mehrere Jahre Gelder angespart worden, stellte hingegen Julia Thoben fest, die Fraktionsvorsitzende der SPD. Einen solchen Fahrplan für die IGs und die Marienschule habe die Gemeindeverwaltung hingegen nicht. Für andere Projekte finde sie im Haushalt 2025 überhaupt keinen Ansatz, etwa für die Sanierung des Müllerhauses und Klimaschutzmanagement. Die Vergrößerung des Wohmmobilstellplatzes am Hafen, kritisierte Thoben.

Für 220.000 Euro erweitert die Gemeinde Barßel ihren Wohnmobilstellplatz am Hafen. Dafür wird ein Wäldchen weichen. Foto: Fertig
Für 220.000 Euro erweitert die Gemeinde Barßel ihren Wohnmobilstellplatz am Hafen. Dafür wird ein Wäldchen weichen. Foto: Fertig

In dieselbe Kerbe schlug Einzelratsherr Hannes Coners (Grüne). Die Erweiterung des Stellplatzes sei ein Projekt, bei dem Kosten und Nutzen in keinem Verhältnis stünden. Investitionen müssten nach ihrem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Mehrwert bewertet werden. „Wer diesem Haushaltsentwurf zustimmt, agiert finanzpolitisch verantwortungslos“, fand Coners. Mit dem geplanten Minus von 3 Millionen Euro zehre die Gemeinde von Reserven, die man in Barßel für Infrastruktur, Bildung und Daseinsvorsorge benötige.

SPD, Grüne und BfB stimmten gegen Haushalt

Waltraut Frerichs, Sprecherin der Bürgerfraktion, sah im Haushaltsentwurf weder das Müllerhaus, noch die Gesamtsanierung der IGS berücksichtigt. Sie fand, man solle „mit den verfügbaren Mitteln sparsam umgehen“.

Für die Sanierung des Müllerhauses neben der Ebkensschen Windmühle, das sich seit 2019 im Besitz der Gemeinde Barßel befindet, ist im Haushaltsentwurf 2025 kein Geld vorgesehen. Foto: Fertig
Für die Sanierung des Müllerhauses neben der Ebkensschen Windmühle, das sich seit 2019 im Besitz der Gemeinde Barßel befindet, ist im Haushaltsentwurf 2025 kein Geld vorgesehen. Foto: Fertig

Nach langer, kontroverser Diskussion rief Ratsvorsitzender Christoph Raming zur Abstimmung auf: Dabei setzten sich die Mehrheitsfraktion CDU/FDP samt Bürgermeister und Sozialdemokrat Willhaus durch und brachte mit einem Gesamtergebnis von 18:9 Stimmen den Haushaltsentwurf 2025 auf den Weg.

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