Minderheitensprache im Saterland  Warum lernen Menschen Saterfriesisch?

| | 17.12.2024 11:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ydwine Scarse, Studentin der Universität Groningen, hat sich in ihrer Masterarbeit mit der Frage befasst, aus welchen Gründen Menschen Saterfriesisch lernen. Unterstützt wurde sie dabei vom Saterfriesisch-Beauftragten Henk Wolf. Foto: privat
Ydwine Scarse, Studentin der Universität Groningen, hat sich in ihrer Masterarbeit mit der Frage befasst, aus welchen Gründen Menschen Saterfriesisch lernen. Unterstützt wurde sie dabei vom Saterfriesisch-Beauftragten Henk Wolf. Foto: privat
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Wer sind die Leute, die die Minderheitensprache aus dem Saterland in Sprachkursen lernen? Dieser Frage ging eine Studentin aus Groningen nach - mit verblüffenden Ergebnissen.

Ramsloh - Warum wollen Menschen eine kleine Sprache wie Saterfriesisch lernen? Und benutzen sie die Sprache eigentlich wirklich, nachdem sie sie in einem Kurs gelernt haben? Dieser Frage ist Ydwine Scarse für ihre Masterarbeit untersucht. Das teilt der Saterfriesisch-Beauftragte Henk Wolf mit.

Die Forscherin, die in Groningen Minderheiten und Mehrsprachigkeit studiert hat und für die Fryske Akademy arbeitet, hat neunzig Personen im Saterland und in der niederländischen Provinz Fryslân gefragt, warum sie Saterfriesisch gelernt haben oder dies in Erwägung ziehen. Wie sich bei ihrer Untersuchung herausgestellt hat, haben alle Befragten Verwandte, die die Sprache aktiv sprechen.

Saterfriesen in der Verwandtschaft

Für viele Kursteilnehmer in den beiden Regionen ist es vor allem wichtig, sich mit ihren Verwandten oder im Vereinsleben der Sprache bedienen zu können

Die niederländischen Friesen brauchen die Sprache außerdem häufig für ihre Arbeit, um das regionale Fernsehen zu verstehen oder um friesische Bücher zu lesen.

Kulturelles Erbe bewahren

Im Saterland spielen diese Gründe nur eine sehr kleine Rolle. Wichtig war es für die saterländischen Teilnehmer jedoch, dass sie es mögen, gemeinsam mit Bekannten etwas Neues zu erlernen. Die Sprache als Kulturerbe zu bewahren wurde im Saterland auch vielfach als Grund erwähnt.

Von den befragten saterländischen Kursabsolventen benutzt jeder zehnte die Sprache häufig im Vereinsleben und jeder neunte spricht Saterfriesisch am Arbeitsplatz. Im eigenen Haushalt sprechen die Befragten demnach die Sprache nicht. Das unterscheidet sie von den befragten Kursteilnehmern aus den Niederlanden: Eine Mehrheit von ihnen spricht in diesen Bereichen die gelernte Sprache aktiv.

Erkenntnisse helfen bei der Arbeit im Seeltersk-Kontoor

Henk Wolf, der wissenschaftliche Beauftrage für Saterfriesisch im Seeltersk-Kontoor, hat die Studentin Scarse bei ihrer Forschungsarbeit unterstützt. Er freut sich sehr über die Studie und sagt: „Ydwine Scarse hat eine ausgezeichnete Arbeit geleistet, die mir auch praktisch von Nutzen ist, da sie uns beispielsweise zeigt, was die Saterländer lernen wollen und was nicht. Daran können wir unsere Sprachkurse anpassen. Außerdem hat die Arbeit gezeigt, dass viele niederländische Friesen die Sprache erlernen, weil sie sie am Arbeitsplatz benötigen. Diese Erkenntnis hilft uns auch, im Saterland eine Sprachpolitik zu gestalten, die Menschen zum Erlernen des Saterfriesischen anregt.“

Die in friesischer Sprache verfasste Masterarbeit wurde unter folgender Adresse online zur Verfügung gestellt: www.seeltersk.de/wp-content/uploads/MA-MultilingualismSkripsjeS1798545Ydwine-R.-Scarse.pdf

Für Fragen zu ihrem Forschungsprojekt steht Ydwine Scarse unter der Mail-Adresse yscarse@fryske-akademy.nl zur Verfügung.

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