Rhaudermoorer haben Jubiläum  Theatergruppe „Feierabend“ legt im 50. Jahr wieder richtig los

| | 25.11.2024 18:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Im Vereinsheim an der Schlosserstraße wird derzeit fleißig für das Jubiläumsstück geprobt. Foto: Janßen
Im Vereinsheim an der Schlosserstraße wird derzeit fleißig für das Jubiläumsstück geprobt. Foto: Janßen
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Derzeit wird bei Feierabend Rhaudermoor heftig geprobt: Zwölf Leute stehen beim Jubiläumsstück auf der Bühne. Das ist quasi eine Maßanfertigung.

Rhaudermoor - Das Manuskript hat fast 60 Seiten: Jede Menge Text, den die zwölf Darsteller des aktuellen „Feierabend“-Stücks auswendig lernen müssen. Drei Akte, jeder 35 bis 45 Minuten lang, füllen die Mitglieder der Rhaudermoorer Theatergruppe damit. Ein schöner langer Theaterabend erwartet die Gäste also wieder, wenn sich am Freitag, 24. Januar 2025, in der Aula der Erich Kästner Schule der Vorhang zur Premiere von „Wenn ut Piepen Helden worden“ hebt. Etwas Besonderes sind die Aufführungen immer - aber dieses Mal in besonderem Maße: Mit der kommenden „Theatertied“ feiern die Rhaudermoorer nämlich ihren 50. Geburtstag.

So lange schon gibt es die Truppe. Und seit ihrer Gründung 1975 hat diese nahezu jedes Jahr ein Stück auf die Bühne gebracht. Nur in den beiden Corona-Jahren 2021 und 2022 legten die Theaterleute eine Zwangspause ein. Die Gründungsmitglieder – Dieter Junior, Johann Stellamanns, Heinz-Georg Dinkgräve, Käthe Behrens, Marianne de Buhr, Sigrid Möhlmann, Gerd Ewen und Herbert Möhlmann – machten die Pflege plattdeutsche Theaterspielens zum Vereinsziel. Einige von ihnen sind bis heute dabei. So unterstützt Herbert Möhlmann, der lange auch Vorsitzender war, die Truppe weiterhin. Auch Käthe Behrens hilft noch immer, und Heinz-Georg Dinkgräve ist heute Stönpaal.

1976 wurde das erste Stück aufgeführt: "Ferdinand verpumpt sien Frau". Herbert Möhlmann (sitzend 3. von rechts) und Käthe Behrens (links) unterstützen den Verein bis heute. Helmut Eenhuis (stehend rechts) steht immer noch auf der Bühne. Foto: Theatergruppe Feierabend
1976 wurde das erste Stück aufgeführt: "Ferdinand verpumpt sien Frau". Herbert Möhlmann (sitzend 3. von rechts) und Käthe Behrens (links) unterstützen den Verein bis heute. Helmut Eenhuis (stehend rechts) steht immer noch auf der Bühne. Foto: Theatergruppe Feierabend

Frisches Blut für die Rhaudermoorer

Ebenfalls seit den Anfängen dabei ist Helmut Eenhuis, der bis auf ein einziges Mal immer als Darsteller mit dabei war: auch diese Mal wieder. „Wenn man auf der Bühne steht und das Publikum geht mit, fällt alles von einem ab“, sagt er. „Man ist eine andere Person und schlüpft richtig in die Rolle, die man spielt“, betont Alice Ley: „Und wenn die Zuschauer hinterher kommen und sagen ,Was war das wieder schön’, dann haben sich die ganzen Probenwochen gelohnt.“

Das Gruppenbild mit Plakat ziert das Jubiläumsheft. Foto: Theatergruppe Feierabend
Das Gruppenbild mit Plakat ziert das Jubiläumsheft. Foto: Theatergruppe Feierabend

An Nachwuchs für das Hobby, das Leidenschaft erfordert, mangelt es den Rhaudermoorern nicht. Eine ganze Reihe junger Leute spielt mit. Zum Beispiel Tim Kramer. „Das ist schon sehr intensiv, vor allem zum Ende der Proben hin. Die Zeit muss man opfern können und wollen“, erklärt er. „Nesthäkchen“ Jule Möhlmann kam über ihre Mutter und die Großeltern in die Gruppe. Sie steht bald zum ersten Mal auf der Bühne. „Aber ich habe früher schon bei meiner Mama den Text abgehört.“ Klar hat sie Lampenfieber vor dem ersten Auftritt. Das, versichern alle Spieler, gehört aber dazu: auch noch, wenn man schon ein alter Hase ist.

Text, Betonung und die Gesten

Geprobt wird im 2005 gebauten Vereinsheim an der Schlosserstraße. Die erste Vorsitzende Anne Straatmann ist die Regisseurin. Sie wacht über den Fortschritt. Allerspätestens zwei Wochen vor der Premiere, sagt sie, sollten alle Mitspieler wirklich textsicher sein. „Aber da kann ich mich im Großen und Ganzen nicht beklagen“, lobt sie. In den ersten Probe-Wochen wird noch im Sitzen an den langen Tischen im Vereinsheim geübt: Hauptsächlich geht es darum, den richtigen Text in der richtigen Reihenfolge zu präsentieren. Im Dezember wird es dann präziser: „Dann achte ich auf die Betonung und die Bewegungen. Und: Der Text soll dann im Kopf stecken, nicht im Buch.“ Richtig ernst wird es kurz vor der Premiere, wenn auf der Bühne die Kostümproben sind und die volle „Dramatik“ gefragt ist.

1977 hieß es auf der Bühne „Wer hett, de hett“. Foto: Theatergruppe Feierabend
1977 hieß es auf der Bühne „Wer hett, de hett“. Foto: Theatergruppe Feierabend

Welches Stück gespielt wird, entscheidet die Regisseurin. „Ich lese drei, vier Stücke und wähle dann eines aus.“ Es muss nicht nur thematisch zur Truppe passen, sondern auch mit Blick auf die Zahl der Rollen. Das sind mal mehr mal weniger. Dieses Mal steht ein Dutzend Männer und Frauen auf der Bühne. „Das ist ziemlich viel“, so Staatmann.

Helmut Schmidt lieferte Jubiläumsstück

Im aktuellen Spieljahr war die Wahl nicht schwer: Staatsmann hatte den Autoren Helmut Schmidt gefragt, ob er zum Jubiläum den passenden Stoff liefern mag. Er mochte, obwohl er normalerweise keine „Auftragsarbeiten“ annimmt. Bei Feierabend war das anders, sagt er: „Die Gruppe ist die treueste in meiner Kartei.“ Deshalb machte er sich gerne ans Werk für zwölf – eine „knifflige“ Aufgabe. „Wenn ut Piepen Helden worden“ ist nun das 17 Stück des Autors, das die Feierabend-Truppe in Szene setzt.

„Modder kriggt Zwangsurlaub“, die Männer Bier: 1986 auf der Bühne. Foto: Theatergruppe Feierabend
„Modder kriggt Zwangsurlaub“, die Männer Bier: 1986 auf der Bühne. Foto: Theatergruppe Feierabend

Der Vorverkauf der Karten läuft seit 15. November im Reisebüro Bohlmann. Davor gab es den Vor-Vorverkauf, der am 1. Oktober begann. „Stammkunden rufen dann an und sichern sich schon mal Plätze in den vorderen Reihen“, erzählt Gertrud Janssen. Deshalb stehen im aktuellen Jubiläumsheft zusätzlich schon die Termine für 2026.

Die Termine

Aufführungen sind am Freitag, 24. Januar, Sonnabend, 25. Januar, Sonntag, 26. Januar, Mittwoch, 29. Januar, Freitag, 31. Januar und Sonnabend, 1. Februar. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr, außer am Sonntag, da geht es um 15 Uhr los.

Der Verein „Feierabend Rhaudermoor“ hat 33 Mitglieder. Sie alle stehen entweder auf der Bühne oder haben andere Aufgaben wie etwa Bühnenbau oder Service bei den Aufführungen. Und alle fiebern dem Theater-Januar entgegen. Bis dahin haben sie den Text so oft gehört und gesprochen, dass „wir selber nicht mehr drüber lachen können“, sagt Gertrud Janssen: „Dann denkt man: ,Das ist gar nicht witzig, das wird nichts.’ Doch es wird – seit 50 Jahren immer wieder – ein großer Erfolg.

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