Widerstand in Rhauderfehn  Ärger und Entsetzen über massive Baumfällaktion

| | 07.11.2024 07:02 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Kornelia Kwasnitza an einem der für die Fällung vorgesehenen Bäume. Hier haben Unbekannte nicht nur die Markierung übermalt, sondern auch ein großes „No“ (Nein) aufgesprayt. Foto: Janßen
Kornelia Kwasnitza an einem der für die Fällung vorgesehenen Bäume. Hier haben Unbekannte nicht nur die Markierung übermalt, sondern auch ein großes „No“ (Nein) aufgesprayt. Foto: Janßen
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Das Areal am Hahnentanger See soll aufgewertet werden. Aber: Dafür sollen rund 100 Bäume weg. Rhauderfehner üben daran Kritik – auch mit der Spraydose.

Rhauderfehn - Die geplante Fällung von rund 100 Bäumen am Hahnentanger See in Rhauderfehn stößt vielen Fehntjern richtig sauer auf. In der Redaktion meldeten sich Anwohner, sie das Vorhaben kritisieren. Bei einem Foto-Termin unserer Zeitung am See meldeten sich Spaziergänger zur Wort, denen der geplante Eingriff viel zu massiv ist. „Das ganze Ausmaß dieser Baumfällungs-Aktion ist erschütternd“, betont Kornelia Kwasnitza, die fast täglich am See spazieren geht.

Rhauderfehner haben Markierungen übermalt

Teilweise wurden die roten Striche, mit denen Bezirksförster Erich Delfs zu fällenden Bäume markiert hatte, mit grüner Farbe übermalt. Hier zeigt sich wohl der Protest der Seebesucher, denn: Der Förster selber war es nicht. Er zeigt sich auf Anfrage der Redaktion überrascht. „Ich habe keine Markierungen zurückgenommen. Und es kommen ja auch noch rote Striche dazu“, erklärt er. Mehr als 50 Bäume, so eine Anliegerin, haben – oder hatten – schon einen roten Strich. Mit rund 100 zu fällenden Bäumen rechnen Förster Delfs und der Westrhauderfehner Ortsrat, der die Nachbarn des Sees in einem Anschreiben darüber informierte.

„In dem Schreiben wird mitgeteilt, dass die Bäume und das Gehölz drumherum weggemacht werden. Wir werden also vor vollendete Tatsachen gestellt“, moniert eine Anliegerin beim Gespräch am See. Um sie herum bildet sich schnell eine kleine Gruppe von Menschen, die in der Nähe wohnen oder das Areal zum Spazierengehen nutzen. „Das ist eine Katastrophe. Jahrzehntelang hat man die Baumpflege vernachlässigt. Jetzt wird mit einem Mal richtig zugeschlagen“, äußert ein Passant. „Ausgerechnet in der Woche, in der in Spanien die Flutkatastrophe passiert ist – eine Folge des Klimawandels – wird hier verkündet, dass 100 Bäume weg sollen. Das hat mich wirklich schockiert. Denkt denn an den entscheidenden Stellen gar keiner darüber nach?“, wirft eine Nachbarin ein. Traurig, enttäuscht, wütend sei man, ist von mehreren Seiten zu hören.

Uferschäden befürchtet

Kornelia Kwasnitza hat ihre Gedanken zum Thema in einem Brandbrief an die Redaktion zusammengefasst: „Betroffen sind auch sehr hohe Bäume mit einem Stammumfang teilweise über 100 Zentimeter, die im Sommer stattliche Laubkronen hervorbringen. Diese Bäume stellen etwas sehr Positives für unsere Umwelt dar, gerade in heutigen Zeiten des Klimawandels“, betont sie. Wie andere Spaziergänger sieht sie ein, dass „hin und wieder das Unterholz ausgelichtet, abgestorbene oder geschädigte Bäume aus Sicherheitsgründen entfernt und zu eng aneinander stehende Bäume entnommen werden müssen.“ Das sind die Gründe, die der Ortsrat unter anderem als Hintergrund für die Fällaktion nennt.

Diskussionen auf dem Wanderweg: Die geplanten Baumfällungen sind Gesprächsthema unter den Spaziergängern am Hahnentanger See. Foto: Janßen
Diskussionen auf dem Wanderweg: Die geplanten Baumfällungen sind Gesprächsthema unter den Spaziergängern am Hahnentanger See. Foto: Janßen

Aber: Die geplante „Abholzaktion in dem nun vorgesehenen Umfang“ hält sie für viel zu umfangreich. Weil vielen große Bäume gefällt werden, dürfte die nebenstehende Vegetation ebenfalls Schaden entstehen, fürchtet sie. Und: „Sollte das Wurzelwerk dieser großen Bäume ebenfalls entfernt werden, so wird nicht nur der Spazierweg in diesem Bereich in Mitleidenschaft gezogen, sondern die gesamte Uferbefestigung in diesem Abholzungsbereich.“ In dem Schreiben des Ortsrates sei darauf schon hingewiesen worden.

Eisvögel und Artenvielfalt in Rhauderfehn

Mehrere Passanten weisen, unabhängig voneinander, darauf hin, dass sich am See gerade eben sogar Eisvögel angesiedelt hätten. Der Eisvogel ist eine in Deutschland streng geschützte Art, die ruhige Gewässer mit dichtem Uferbewuchs bevorzugt. Und auch sonst biete der naturnahe Bewuchs am See Lebensraum für eine große Artenvielfalt an Vögeln und Insekten.

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