Nachruf Gerhard Rickers  Leidenschaftlicher Organist und Rhauderfehner Original

| | 16.10.2024 18:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
So werden ihn viele Fehntjer in Erinnerung haben: Gerhard Rickers 1975 in einer Klasse der Reilschule. Foto: Archiv
So werden ihn viele Fehntjer in Erinnerung haben: Gerhard Rickers 1975 in einer Klasse der Reilschule. Foto: Archiv
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Gerd Rickers spielte bis vor kurzem in Langholt die Orgel. Vielen Rhauderfehnern wird er in Erinnerung bleiben. Auch wegen einer liebenswerten Eigenart.

Rhauderfehn - Noch bis vor wenigen Wochen spielte er an den Sonntagen die Orgel in der evangelischen Trinitatiskirche in Langholt. So wie in den mehr als drei Jahrzehnten zuvor. Am 5. Oktober 2024 ist Gerhard– „Gerd“ – Rickers im Alter von 87 Jahren verstorben. Der Rhauderfehner wird vielen Fehntjern in Erinnerung bleiben: als Lehrer, Schachspieler, Künstler, leidenschaftlicher Organist...

„Er war seit mindesten 35 Jahren bei uns Organist“, rekonstruiert Pastor Martin Sundermann aus alten Dienstverträgen. Aber auch in den umliegenden Kirchengemeinden und bei Beerdigungen in den Kapellen der Umgebung habe der Rhauderfehner die Orgel gespielt.

Er sagte: Die Orgel hält ihn am Leben

Rickers, der eine Zeit lang auch den Kirchenchor geleitet hat, sei ein leidenschaftlicher Musiker gewesen. „Er hat immer wieder auch Neues ausprobiert, er war sehr interessiert“, so Sundermann. Und eine Rarität: „In der heutigen Zeit, wo wir wenige Kirchenmusiker haben, war es wunderbar, dass Gerd Rickers so verlässlich war. Er hat das ganz selbstverständlich gemacht, und vor allem sehr, sehr gerne: Er hat mir, als es ihm in den letzten Jahren immer schlechter ging, einmal gesagt, dass die Orgel das ist, was ihn noch am Leben hält.“ Er habe gewusst: Da werde ich gebraucht.

Und er sei ein Original gewesen. Jemand mit vielen Interessen. Jemand, der eigene Vorstellungen hatte und verwirklichen konnte in seinem Leben. „Jemand, der mit Selbstbewusstsein und Freundlichkeit wusste, was er wollte“, betont Sundermann: „Er wird uns fehlen: als Organist und als Mensch mit seiner freundlichen Art.“

Urgestein der Reilschule

Der 1937 in Oldenburg geborene und dort auch aufgewachsene Gerhard Rickers erlernte zuerst den Beruf des Krankenpflegers. Er unternahm Reisen nach Asien, Nordafrika und Indien und nahm danach ein Pädagogikstudium mit Schwerpunkt Kunsterziehung auf. „Nächste Stationen waren eine Stelle als Volksschullehrer in Elisabethfehn, danach erneut Sonderpädagogik-Studium und schließlich der Einsatz in der Sonderschule in Westrhauderfehn“, ist einem Porträt des damaligen Sonderschullehrers im General-Anzeiger aus dem Jahr 1983 zu entnehmen.

Sein früherer Chef Jürgen Friedrich erinnert sich an Rickers als „Urgestein der Reilschule“. Friedrich leitete die Fördereinrichtung von 1992 bis 2013. „Gerd Rickers war schon zehn Jahre oder so vor mir da“, sagt er. Der Pädagoge sei ein engagierter Lehrer gewesen, der viele Jahrgänge der Hauptstufe (ab Klasse sieben) als Klassenlehrer betreut habe. Die Verbundenheit zu seinen Schülern habe sich auch darin gezeigt, dass er noch Jahre nach seiner Pensionierung als Weihnachtsmann in die Schule gekommen sei. „Er ist für mich die Quintessenz des Lehrerseins in Westrhauderfehn.“

Mit dem Trecker durch Rhauderfehn

Friedrich selbst habe mit Rickers in dessen Ruhestand noch oft gesprochen: „Er ist immer mit seinem Hund rund um die Schule spazieren gegangen. Da haben wir manches Mal geklönt.“ Originalität – dieses Schlagwort fällt auch dem ehemaligen Schulleiter bei der Erinnerung an Gerhard Rickers ein: „Ende der 90er, Anfang der 2000er Jahre begeisterte er sich dafür, als Statist bei den Karl-May-Festspielen mitzumachen. Und ich kann mich erinnern, dass er ein paar Mal mit seinem Trecker zur Schule gekommen ist. Der stand dann an der Seite der Volksbank, wo wir unseren Parkplatz und den Schulgarten hatten.“

Daran werden sich viele Fehntjer wohl erinnern. Denn: „Er liebte große Trecker. Das war auch sein Image. Gerd fuhr zu den Chorproben und Gottesdiensten mit seinem Trecker, später allerdings dann doch mit dem Auto“, erzählt der frühere Gemeindedirektor Jörg Furch, langjähriger Wegbegleiter von Gerd Rickers. „Er war beliebter und geliebter Lehrer der Reilschule Westrhauderfehn. Die Hilfestellung für seine vom Leben benachteiligten Schülerinnen und Schüler war ihm wichtig“, so Furch. Und: Kultur stand im Mittelpunkt seines Lebens, natürlich nach seiner Familie. Musik und bildende Kunst spielten aber auch bei seiner Ehefrau Ute immer eine große Rolle.“ Rickers war Gründungsmitglied des Kunstkreises aus der Mitte des Kulturringes. Als aktiver bildender Künstler sei er bei den regelmäßigen Ausstellungen immer dabei gewesen – manchmal auch mit „irritierenden“ Werken.

Wichtig für den Kunstkreis Rhauderfehn

„1995 war er mit dem Kunstkreis in Sibirien. Allerdings musste er mit dem Zug hinterher reisen, da der Arzt ihm einen Flug untersagt hatte. Über seine Abenteuer der zweimal 72 Stunden langen Zugfahrt konnte er viel erzählen. Aber auch bei seinem Aufenthalt war er für manches Döntje gut.“ Auch nach und mit seiner Krankheit sei Gerd Rickers im Kunstkreis mit seinen Beiträgen wichtig gewesen, betont Furch: „Er wird uns fehlen.“

Gerhard Rickers war Gründungsmitglied des Kunstkreises, der 2011 einen Katalog herausbrachte, in dem die rund 90 Mitglieder portraitiert wurden. Foto: Archiv
Gerhard Rickers war Gründungsmitglied des Kunstkreises, der 2011 einen Katalog herausbrachte, in dem die rund 90 Mitglieder portraitiert wurden. Foto: Archiv

Als langjährige Wegbegleiter sehen Hartmut und Elli Dierks vom Kulturring- und Kunstkreis-Vorstand in Gerd Rickers einen „Freund, den wir sehr vermissen werden“. Er habe sich immer ganz aktiv und kreativ im Verein eingebracht, an allen Gemeinschaftsausstellungen teilgenommen und den Kunstkreiskalender von Anfang an kreativ, in seiner ganz eigenen Art, mitgestaltet. Bei den Jahresausstellungseröffnungen habe er oft die musikalische Begleitung am Klavier übernommen. „Mit Öl und Lack und ganz viel Leuchtkraft in den Farben, stellte er in seinen Werken geologische Strukturen, vulkanische Landschaften, Blumen und Insekten dar“, sagt Hartmut Dierks. „Durch den ganz besonderen Ausdruck, die Botschaft in seinen Bildern, mit der Kraft der Farbe und Formen, hat er den Betrachter wachgerüttelt, auf Missstände in der Natur hingewiesen.“

Erfolge am Schachbrett

Eine weitere Leidenschaft von Gerd Rickers war das Schachspiel. „Er war Gründungsmitglied des FSK, des Fehntjer Schach-Klubs, und er hat auch schon etwa zwei Jahre vorher die Schachgruppe im Jugendzentrum Rhauderfehn geleitet. Er war Internationaler Meister im Fernschach, hat im Nahschach in der Bundesliga gespielt unter anderem für den Schach-Klub Bremen-Nord und für Delmenhorst, er war lange für Oldenburg aktiv und hat auch für Groningen gespielt“, erzählt Friedhelm Loots. „Eine zeitlang leitete Gerd Rickers die Jugendgruppe des Fehntjer Schach-Klubs in den 70er Jahren. Die letzten Jahre spielte Gerd für den Fehntjer-Schach-Klub. Mich hat er immer bei meinen Spielen für die Nationalmannschaft im Fernschach unterstützt. Wir haben sogar zeitweise zusammen für die Fußballmannschaft des Jugendzentrums gespielt. Dort war er längere Zeit Torwart.“

FSK-Vorsitzender Rolf Rehfeld hebt hervor: „Gerd Rickers hat immer wieder Buchpreise aus seinem unerschöpflichen Schachbuchfundus für die Fehntjer Open gespendet. Rickers selbst gewann die Open dreimal, 1988 die 1. Fehntjer Open, dann 1992 und 1997. Dazu kommen die unzähligen ersten Plätze bei unseren Vereinsmeisterschaften, im Schnellschach und im Blitzschach.“ Rickers habe 2007 die Goldene Ehrennadel des Deutschen Fernschachbundes bekommen. „Besonders stolz war er auf eine Partie gegen Ex-Weltmeister Boris Spasski 1982, die Rickers leider verlor.“

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