Einzelhandel im Saterland Edeka-Projekt in Ramsloh vor ungewisser Zukunft
Im Saterland stocken die Planungen für ein Edeka-Einkaufszentrum aufgrund politischer Differenzen. Bürgermeister Thomas Otto kritisiert die Einflussnahme der Bünting-Gruppe und die Haltung der CDU.
Saterland-Ramsloh - Vor drei Jahren erwarb die Edeka Minden-Hannover in Ramsloh an der Hauptstraße ein Grundstück, um dort ein Einkaufszentrum mit einem Drogeriemarkt zu errichten. Trotz anfänglicher politischer Unterstützung sind die Planungen aus politischen Gründen jetzt ins Stocken geraten. Wie geht es weiter mit dem Projekt? Das ist offen. „Wir werden uns dazu übernächste Woche mit dem Vertreter von Edeka zusammensetzen und die Lage besprechen“, teilte Bürgermeister Thomas Otto (parteilos) auf Anfrage dieser Redaktion am Dienstag, 8. Oktober 2024, mit.
Die CDU/FDP-Gruppe hatte im Verwaltungsausschuss (VA) im Rat der Gemeinde Saterland die notwendigen Änderungen im Flächennutzungs- und Bebauungsplan gestoppt. Das hatte Bürgermeister Thomas Otto dazu veranlasst, die Beschlussvorlagen von der Tagesordnung der Ratssitzung am 30. September 2024 zu nehmen. Die Bünting-Unternehmensgruppe, die im Saterland zwei Markant-Märkte betreibt, hatte am 7. Oktober 2024 auf Anfrage dieser Redaktion Bedenken gegen die Edeka-Pläne geäußert. Sie befürchtet, dass ein neuer Edeka-Markt die Existenz ihrer Märkte gefährden könnte. Eine von Bünting in Auftrag gegebene Analyse unterstützt diese Befürchtungen. Bünting schlägt vor, einen Drogeriemarkt im Zentrum von Ramsloh anzusiedeln, um den Ortskern zu stärken, anstatt am geplanten Edeka-Standort. Nach Gesprächen von Bünting und Vertretern der CDU im Saterland war es zu der Entscheidung im VA gekommen. Die Verwaltung der Gemeinde Saterland war nicht zu den Gesprächen eingeladen worden.
Bürgermeister kritisiert Bünting-Einflussnahme
Bürgermeister Thomas Otto kritisiert die Bünting-Unternehmensgruppe und die Blockade-Haltung der CDU im Saterland. Auf Anfrage teilte Otto mit: „Wenn ein Nahversorger in einem Zentrum wie Ramsloh entgegen einer unabhängigen Fachexpertise seine Existenz durch einen potenziellen Mitbewerber gefährdet sieht und die Konkurrenzsituation derart fürchtet, dass die politischen Vertreter durch eine eigene, eher nicht unabhängige Einschätzung beeinflusst werden sollen, muss ich sagen – hier gilt der Markt“, so Otto.
Fuß fassen kann ein Mitbewerber nur dann, wenn er die besseren Angebote hat. „Dass die Bünting-Gruppe davor Angst hat, spricht nicht gerade für deren Geschäftsbetrieb. In umliegenden und zum Teil auch kleineren Ortslagen wie Ostrhauderfehn, Remels oder Großefehn existieren beide Geschäfte nebeneinander und auch in einem Marktumfeld mit etlichen anderen Discountern wie Aldi, Lidl und Netto“, so Thomas Otto.
Flächenverkauf an Edeka ist seit Jahren bekannt
Das Argument „Existenzsorge“ um die bestehenden Markant-Märkte in Ramsloh und Sedelsberg von Bünting sieht Otto ebenfalls kritisch: „Wenn die Bünting-Gruppe Angst um ihre Markant-Märkte im Saterland hat, wundert es, dass man in Sedelsberg nun einen zusätzlichen Standort eröffnet hat, obwohl der im Herbst 2021 erfolgte Flächenverkauf und die Pläne über die Edeka-Ansiedlung seit Jahren bekannt sind. Auch in den zum Einzelhandelskonzept der Gemeinde Saterland erfolgten Erörterungsterminen wurden keine Stellungnahmen eingebracht – wahrscheinlich, um hier nicht die eigene Ansiedlung in Sedelsberg beleuchten zu müssen.“
Stillstand ist Rückschritt
Wenn die Edeka kein ausreichendes Potenzial identifiziert hätte, würde das Unternehmen kaum Ressourcen in eine Ansiedlung stecken, argumentiert Otto. „Für die Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde Saterland und den stetig gewachsenen Ortsteil Ramsloh halte ich ein zusätzliches Angebot für sehr sinnvoll. Es bietet neben einem zusätzlichen Angebot auch zusätzliche Arbeitsplätze im Ort. Wenn hier dann ein Mitbewerber dem Marktdruck nicht standhalten kann, wird ein solcher Standort wahrscheinlich auch schnell andere Marktteilnehmer anziehen“, so der Bürgermeister. Im „schlimmsten“ Fall wird nach Worten von Otto dann der kleinere „Bünting“-Vollsortimenter entfallen und durch einen moderneren und größeren Markt ersetzt. „Stillstand ist an der Stelle eben Rückschritt“, sagt Otto.
Die SPD/Grüne-Gruppe im Rat der Gemeinde Saterland hatte keinen Bedarf für Gespräche mit Bünting gesehen. Sie steht nach Worten ihres Sprechers Henning Stoffers (SPD) zu den getroffenen Mehrheitsbeschlüssen. Edeka hat bisher keine neuen Informationen zum Projekt bereitgestellt.