Restaurant in Rhauderfehn Hier schmeckt es wie bei Familie Gökalp zu Hause
Was es bei Gökalp in Rhauderfehn zu essen gibt, wurde in der heimischen Küche getestet. Wir waren in dem Holzkohlegrill-Restaurant zu Gast. Über Neuentdeckungen und kulinarische Herausforderungen.
Rhaudermoor - Das Restaurant Gökalp an der Rhauderwieke in Rhaudermoor hebt sich ein wenig von ähnlichen Restaurants in der Umgebung ab. Ein Grund ist der Holzkohlegrill – und die Bandbreite der Speisekarte. Dazu später mehr. Außerdem wartet auf mich auch noch eine Herausforderung.
Vom Weserstadion nach Rhauderfehn
Wer auf das Restaurant zugeht, dem fällt als erstes der gläserne Vorbau auf. Er erinnert ein wenig an einen großen Wintergarten. Dort sind auch die meisten der 54 Sitzplätze im Inneren untergebracht. Im Sommer ist es dort schön hell. Es wirkt gemütlich. Bevor es an das Bestellen geht, sitze ich mit Esme Gökalp und ihrem Sohn Houssein zusammen. Sie erzählen, wie sie einst in Bremen in der Nähe des Weserstadions ein Restaurant betrieben haben, später hatten sie fünf Jahre lang einen Döner-Imbiss direkt neben der Berufsbildenden Schule in Friesoythe. Dann, vor gut zwei Jahren, haben sie in ihrem Heimatort ein Restaurant eröffnet. Esme und ihr Mann Osman Gökalp, der in der Küche steht, leben seit 1995 in Rhauderfehn. Als das Restaurant Del Sole leer stand, haben sie die Chance ergriffen. Der Weg zur Arbeit dauert nun nur noch vier Minuten.
Gegrillt wird mit Holzkohle
Am Anfang standen sie vor einer leeren Speisekarte, erzählt Houssein Gökalp. Der Familienrat habe getagt. „Wir haben das auf die Karte gesetzt, was wir auch zu Hause gerne essen“, sagt er. Dort gibt es vor allem typische türkische Küche. Die Gökalps haben ihre Wurzeln in der Provinz Hatay am Mittelmeer ganz im Süden der Türkei. Dort werde auch viel mit dem Holzkohlegrill zubereitet. Das sollte auch in ihrem Restaurant so sein. „Das ist Tradition. Das schmeckt man auch raus“, sagt Houssein Gökalp.
Viel Wert auf vegetarische Speisen
Er schwärmt von den Gerichten seiner Eltern. Etwa Ilci Köfte als Vorspeise. Das sind Bulgurbällchen mit Hackfleisch. Für mich werden sie die Entdeckung des Abends sein. Es ist übrigens die einzige Vorspeise mit Fleisch. „Wir haben viel Wert auf Vegetarisches gelegt“, sagt Esme Gökalp.
Außerdem gibt es eine Auswahl an Salaten. Der eigene Favorit ist der Gökalp-Salat. „Den hat meine Mutter so zu Hause immer gemacht“, sagt Houssein Gökalp. Der hebt sich mit Granatapfelkernen ein wenig von den anderen Salaten ab.
Kalbfleisch, Hähnchen oder Lamm in verschiedenen Variationen
Wert werde auf frische Zutaten gelegt. Davon konnte ich mich in der Küche überzeugen. Der Salat sieht wirklich frisch aus. Typisch für die türkische Küche ist auch das Gewürz Sumach, sagt Houssein Gökalp. Das rote Pulver gilt als magenschonend und hat einen leicht säuerlichen Zitronengeschmack.
Außer Holzkohle-Spezialitäten gibt es noch eine Auswahl an Döner Kebab und Pizzen. „Mein Mann wollte das unbedingt“, sagt Gökalp. Ihm sei es dabei um die Jugendlichen gegangen. Die würden eher zu Döner und Pizza greifen. Beides ist auch günstiger als die Holzkohlespezialitäten. Diese Gerichte kenne ich von vorherigen Besuchen. Der Pizzateig ist sehr locker und mit knackiger Kruste. Auch der Döner schmeckt – aber Vorsicht: die scharfe Sauce macht ihrem Namen alle Ehre. Sie ist sehr lecker, aber ich schaffe nur sehr wenig davon. Es gibt auch andere Saucen.
Darum gibt es keinen Alkohol
Zwei Dinge fallen beim Blick auf die Karte auf. Die Karte ist mit „Halal“ gekennzeichnet. Die Gerichte entsprechen den muslimischen Speisevorschriften. Es gibt auch keine alkoholischen Getränke. Das hat aber nicht nur religiöse Gründe. In Bremen habe es oft Ärger mit alkoholisierten Fans gegeben, sagt Esme Gökalp. Daher hätten die das nicht mehr gewollt. Zumal sich damals an der Schule in Friesoythe die Frage ohnehin erübrigt hatte. Da ich in sportlich anspruchsvollen Phasen ohnehin auf Alkohol verzichte, kommt mir das entgegen. Es gibt fünf verschiedene alkoholfreie Biere – und keinen skeptischen Blick ins Glas, ob man nicht doch ein alkoholhaltiges Getränk bekommen hat. Das ist woanders auch schon einmal vorgekommen.
Nun zum Essen: Da ich kaum etwas zu Mittag gegessen hatte, bin ich hungrig. Ich nehme mir daher viel von den Köstlichkeiten vor, die mir die Familie Gökalp empfohlen hat. Gedanklich bin ich schon beim Nachtisch und freue mich auf die Nutella Pide. Ich fange aber vorne an: Als Vorspeise gibt es die bereits erwähnten Ilci Köfte. Die Portion mit drei Stück und kleinem Salat gibt es für sechs Euro. Die Kombination aus Bulgur-Kruste und Hackfleisch überrascht mich – positiv. Sehr lecker. Sie lösen auch meinen bisherigen Vorspeisen-Favoriten, die Pizzabrötchen, ab.
Da an meinem Tisch aber Pizzabrötchen bestellt werden, kann ich dennoch ein wenig davon naschen. Außerdem bestelle ich mir die vegane Variante Cig Köfte. In diesem Fall handelt es sich um rohe Gewürzfrikadellen aus Bulgur.
Jetzt kommt der Hauptgang
Für den Hauptgang wähle ich erneut die Empfehlung von Sohn Houssein – Tavuk Izgara. Das sind mehrere gegrillte Hähnchenbrustfiletstücke mit Salat, scharfer Sauce und wahlweise Pommes oder Bulgur. Als absoluter Pommesfan höre ich dieses Mal nicht auf die Empfehlung des Gastgebers. „Solche Gerichte schmecken mit Bulgur besser“, sagt er. Das höre ich auch nachher von denen, die mit mir speisen. Immerhin bestelle ich mir eine Portion Bulgur dazu. Der wird in Tomatensauce an den Tisch gebracht. Das schmeckt gut. Mit den Pommes bin ich aber auch ganz zufrieden. Das Hähnchenfleisch ist zart, und ich schmecke den Geschmack von Holzkohle raus.
Was Esme Gökalp damit meint, dass die Portionen groß sind, merke ich mittlerweile. Von dem Gedanken, einen Nachtisch zu bestellen, verabschiede ich mich langsam. Übrigens: Wer lieber typisch deutsche Küche mag, für den gibt es drei verschiedene Schnitzelvarianten.
Ein kleinen „Nachtisch“ gibt es aber noch: Es wird ein Glas mit türkischem Tee gereicht. „Das ist bei uns Tradition“, sagen Houssein und Esme Gökalp. Zum Schluss gibt es die Rechnung – und auch, wenn die Preise erst vor Kurzem angepasst wurden, ist das Essen dort noch vergleichsweise günstig. Die kleinen Gerichte wie Döner Kebap gibt es ab sechs Euro, Döner-Teller für zehn Euro und die sättigenden Grillteller kosten zwischen 16 und 23 Euro. Den Nachtisch nehme ich mir für den nächsten Besuch vor.
So schmeckt Ostfriesland
Wie schmeckt eigentlich unsere Heimat? Wo kann man gut essen gehen? Und was tut sich in der Gastro-Szene? Diese und viele weitere Themen finden Sie in unserem Dossier „So schmeckt Ostfriesland“.
Adresse:
Rhauderwieke 32 in Rhauderfehn
Öffnungszeiten: montags bis freitags von 12 bis 22 Uhr, samstags und sonntags von 15 bis 22 Uhr
Das günstigste Gericht:
Pommes, drei Euro
Das teuerste Gericht:
Karisik Izgara (gemischte Grillplatte) für 23 Euro
Das empfiehlt der Küchenchef:
Karisik Izgara
Das beliebteste Gericht:
Döner Pide für zwölf Euro
Sitzplätze innen:
54
Sitzplätze außen:
54
Kartenzahlung:
Ja
Parkplätze:
vor der Tür sowie gegenüber
Hochstühle und Tisch mit Wickelmöglichkeiten:
Ja
Dürfen Hunde mit rein:
Ja
Barrierefrei:
Ja