Betrugsmasche in Rhauderfehn Die Tricks und Lügen am Telefon der Gas- und Stromverkäufer
In Rhauderfehn und Umgebung häufen sich Anrufe von vermeintlichen Energieberatern. Gerd Pieper und Mareke Eilers erklären, wie sich Verbraucher vor ungewollten Verträgen schützen können.
Rhauderfehn/Region - Die Betrugsmasche ist nicht neu, aber sie funktioniert immer noch sehr gut. Anrufer geben sich als Energieberater aus. Sie behaupten, sie meldeten sich auf eine Anfrage hin oder sie sagen, sie müssten aus einem bestimmten Grund noch einmal Daten abgleichen. In Rhauderfehn und der Region kommt das häufig vor. Das berichtet Gerd Pieper. Der Langholter ist seit 2011 als Berater im Energiesektor selbstständig tätig. Er vermittelt Kunden unter anderem Strom- und Gasverträge. „Regelmäßig höre ich von meinen Kunden, dass sie einen Anruf erhalten haben. Am Telefon behauptet jemand: ‚Ich bin Ihr neuer Energieberater.‘ Wenn der Kunde dann sagt, dass er von mir betreut wird, heißt es: ‚Ja, der hat mich beauftragt‘“, berichtet Pieper.
„Die Energieberater-Masche und untergeschobene Verträge am Telefon sind seit Jahren ein Dauerbrenner“, bestätigt Mareke Eilers, Beraterin der Verbraucherzentrale in Aurich. Sie ist dort für Fach- und Rechtsberatungen rund um das Energierecht zuständig. Sie erklärt, wie sich Verbraucher schützen können.
Nicht selten kommt es vor, dass der Anruf zu einem Verkaufsgespräch wird. Wer nicht aufpasst, hat ungewollt einen Vertrag bei einem neuen Strom- oder Gasanbieter, so Eilers. Verbraucher werden durch geschickte Gesprächsführung am Telefon fast unbemerkt Energieverträge untergeschoben, die sie gar nicht abschließen wollen. Betroffene können aber dagegen vorgehen, sagt Eilers.
Ungebetene Anrufe sind nicht erlaubt
Eigentlich sind solche ungebetenen Anrufe gar nicht erlaubt. „Das ist ein Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht“, so Eilers. Wer solche Anrufe erhält, sollte sich die Nummer notieren und diese online bei der Bundesnetzagentur melden. Diese geht dann dagegen vor.
Wichtig ist: „Kunden sollten am Telefon niemals wertvolle Daten wie Zählernummer, Handynummer, Mailadresse oder andere vertrauliche Daten weitergeben“, betont die Verbraucherberaterin. „Die Anrufer treten ganz unterschiedlich auf, höflich, charmant, aber auch drohend“, so Eilers. Sie rät, eine Skepsis zu entwickeln.
Vertragsabschluss nur mit Text-Bestätigung
Seit 2021 können Energieverträge nicht mehr mündlich am Telefon abgeschlossen werden. „Es gilt die Text-Bestätigung“, so Eilers. Beide Vertragsparteien müssen ihre jeweilige Vertragserklärung, Angebot und Annahme, in Textform abgeben. Das bedeutet aber nicht, dass jemand einen Stift in die Hand nehmen und einen Vertrag unterschreiben muss. Wer einen Bestätigungs-Link in einer Mail anklickt oder auf eine SMS reagiert, gibt damit eine Vertragserklärung ab.
Die Unternehmen sind auch verpflichtet, die Vertragsunterlagen zuzuschicken, so Eilers. „Der Gesetzgeber schützt die Verbraucher. Jeder hat eine Bedenkzeit und kann ohne Begründung von seinem Widerrufsrecht Gebrauch machen“, erklärt Eilers. Die Widerrufsfrist von 14 Tagen beginnt am Tag des Vertragsabschlusses. Allerdings nur, wenn der Kunde bei Vertragsschluss über sein Recht zum Widerruf formal richtig belehrt wurde. Solange jemand nicht ordnungsgemäß über das Widerrufsrecht aufgeklärt wurde, beträgt die Frist ein Jahr und 14 Tage ab Vertragsschluss.
Verbraucherzentrale bietet Hilfe
Wer Probleme hat, kann sich beispielsweise an die Verbraucherzentrale in Aurich an der Esenser Straße wenden. Es muss ein Termin vereinbart werden. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen bietet unter der Service-Nummer 0511/911960 auch eine kostenlose Telefonberatung.
Wie Experte Gerd Pieper auf solche Anrufe reagiert
Wie sich Verbraucher am wirkungsvollsten vor ungewollten Vertragsabschlüssen am Telefon schützen? Da haben Gerd Pieper und Mareke Eilers einen Tipp sofort parat: Am besten ist es, bei Anrufen mit Nummern, die einem unbekannt sind, das Telefonat erst gar nicht anzunehmen. Gerd Pieper hilft seinen Kunden auch bei Problemen. Er selbst bekommt auch immer wieder Anrufe aus Call-Centern und es wird versucht, ihm einen Vertrag bei einem neuen Strom- oder Gasanbieter unterzuschieben. „Wenn mir dann jemand sagt, ich bin Ihr neuer Energieberater, mache ich mir einen Spaß daraus und kläre den Anrufer auf, was erlaubt ist und was nicht. „Meistens ist das Gespräch schnell beendet“, sagt Pieper und lacht herzlich.