Eichenprozessionsspinner Barßel verzeichnet steigende Fallzahlen
Der Eichenprozessionsspinner ist auf dem Vormarsch. Auch im Nordkreis Cloppenburg werden die Fälle mehr. Wir haben uns umgehört, wie die Gemeinden Saterland und Barßel mit den giftigen Raupen umgehen.
Saterland/ Barßel - Für dieses Jahr ist die Saison des Eichenprozessionsspinners, EPS, weitgehend gelaufen. Jetzt Ende August haben die Motten ihre Eier abgelegt. Diese Gelege befinden sich meistens an älteren Eichen. Die Eier entwickeln sich noch im Herbst zur fertigen Jungraupe, die dann im Ei überwintern und Anfang Mai schlüpfen. Die Raupen durchlaufen mehrere Entwicklungsstadien bis zur Verpuppung. Dabei entwickeln sie Brennhaare mit Widerhaken, die ein Nesselgift enthalten.
Die Nachtfalterart, deren Raupen giftige Brennhärchen ausbilden, die bei Mensch und Tier gesundheitliche Probleme verursachen, ist auf dem Vormarsch. Auch in den beiden Nordkreisgemeinden des Landkreises Cloppenburg, Saterland und Barßel, treten immer mehr Fälle auf, sowohl im öffentlichen Raum wie auch in privaten Gärten und Weiden.
Die meisten Meldungen vom Elisabethfehnkanal
Aufgrund des warmen Frühsommers sei die EPS-Saison 2024 schon früher losgegangen als in den Vorjahren, hatte Barßels Bürgermeister Nils Anhuth auf Nachfrage mitgeteilt. Wie in den Vorjahren auch seien die Oldenburger Straße, die Schleusenstraße sowie die Mühlenstraße am meisten betroffen. Meldungen gebe es aus dem gesamten Gemeindegebiet, so Anhuth. Die größte Betroffenheit habe sich in Elisabethfehn und Reekenfeld gezeigt. Entlang des Elisabethfehnkanals sei ein Schwerpunkt, was das Vorkommen der giftigen Raupen betrifft.
Meldungen von Vorkommen im öffentlichen Raum würden im Ordnungsamt der Gemeinde gesammelt und dann würden die Eichenprozessionsspinner zeitnah von einem Fachbetrieb entfernt, teilt Anhuth mit. Vorrang habe dabei die unmittelbare Umgebung von Schulen und Kindertagesstätten. In den vergangenen drei Jahren 2021 bis 2023 hätten die finanziellen Aufwendungen für die Entfernung des Eichenprozessionsspinners in Barßel knapp 60.000 Euro betragen. Für die EPS-Bekämpfung auf privatem Grund seien die Eigentümer selbst in der Pflicht.
Anstieg der Fallzahlen in Barßel
Barßels Bürgermeister bejaht die Nachfrage dieser Redaktion nach einem Anstieg gemeldeter Fälle. „Im Vorjahr sind 115 Meldungen beim Ordnungsamt eingegangen. Aktuell verzeichnen wir bereits 189 Fälle“, teilte der Rathauschef jetzt auf Nachfrage mit.
Wie viele EPS-Fälle die Gemeinde bekämpfen ließ, konnte er noch nicht sagen. „Alle Meldungen wurden kategorisiert und an eine Fachfirma weitergeleitet, diese hat im Rahmen der Kapazität abgearbeitet. Ein aktueller Sachstand wurde angefragt, die Antwort steht noch aus“, so Anhuth.
Meldeportal auf der Gemeinde-Homepage
Für die Meldung, wo sich Nester der giftigen Raupen auf Gemeindegrund befinden, hat Barßel auf seiner Homepage unter der Kategorie Bürgerservice ein eigenes Meldeportal eingerichtet. Das sei bisher „von sieben Bürgerinnen und Bürgern genutzt“ worden, teilte Anhuth mit.
Geht es um die Entfernung von EPS-Gespinsten auf Privatgrundstücken, werden Anrufer vom Ordnungsamt darauf hingewiesen, dass die Gemeinde dafür nicht zuständig sei. Wir wollten wissen, ob Leute ungehalten reagieren, wenn die Gemeinde darauf hinweist, dass sie für die EPS-Bekämpfung auf ihren Privatgrundstücken selbst verantwortlich sind, und das auch in finanzieller Hinsicht? „Die meisten Bürgerinnen und Bürger waren nach der diesbezüglichen Aufklärung einsichtig“, erklärte Anhuth dazu. Man setze im Rathaus weiterhin auf Information und Aufklärung, kategorisiere die Fälle und arbeite sie im Rahmen der Einzelfallbetrachtung nach Priorität ab. Im Herbst werde es zu einer politischen Evaluation und Entscheidung kommen müssen, ob die bisherige Handhabung beibehalten werden solle.
Bewusstseinswandel in der Bevölkerung
Im Saterland sei die Anzahl der EPS-Meldungen im Rathaus dieses Jahr in etwa gleich geblieben, teilte dessen Bürgermeister Thomas Otto nach Rücksprache mit der dafür im Ordnungsamt zuständigen Mitarbeiterin mit. Gegenüber dem Jahr 2022 sei sogar ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Dies könnte nach Ansicht des Saterländer Verwaltungschefs allerdings auch damit zusammenhängen, „dass wir in diesem Jahr etwas mehr gefiltert haben und nicht mehr ,jeden Fall’ zur Bekämpfung weiter gegeben haben“.
In den Außenbereichen seien lediglich Schilder aufgestellt worden. Zudem scheine, womöglich durch mediale Berichterstattung das Wissen über die giftigen Raupen in der Bevölkerung zu wachsen. „Auch die Tatsache, dass Bäume auf Privatgrundstücken nicht in die Zuständigkeit der Gemeinde fallen ist langsam im Bewusstsein der Leute angekommen“, so Otto.
Eichen im ganzen Saterland betroffen
Insgesamt seien in diesem Jahr 66 Meldungen bei der Gemeinde Saterland eingegangen, die zu einem Auftrag an den Bekämpfer geführt haben. Die Situation sei jeweils vor Ort begutachtet worden, was dazu führte, das bei Bedarf weitere Nester am selben Bau oder an Nachbarbäumen mit entfernt wurden. Der Saterländer Bauhof habe auch in diesem Jahr diesem Jahr zehn Hinweisschilder aufgestellt und deutlich auf die mögliche Allergiegefahr hingewiesen. Ein Merkblatt zum Umgang mit EPS kann man sich auch auf der Homepage der Gemeinde herunterladen.
Ein lokaler Schwerpunkt habe sich nicht eingrenzen lassen. „Es waren Eichenbäume im ganzen Gemeindegebiet betroffen“, teilte Otto mit.
Saterländer reagierten einsichtig
Wie viele Saterländer das Meldeportal auf der Gemeinde-Website nutzten, sei schwierig zu sagen, so Otto, da man im Ordnungsamt die Meldungen abgearbeitet nach deren Eingang abgearbeitet habe. Dabei sei nicht vermerkt worden, ob sie über die Homepage gekommen sind, per Telefon oder per Mail. „Man kann aber sagen, dass die meisten Meldungen per Telefon kamen – was vielleicht aber auch daran liegt, dass die Anzeige zum Meldeportal recht spät auf die Homepage gekommen ist“, so Otto.
Negative Einlassungen von Bürgern, die vom Ordnungsamt darauf hingewiesen wurden, dass sie sich um die Beseitigung von Raupen und deren Nestern selbst kümmern müssen, seien der Gemeinde nicht bekanntgeworden, teilte der Bürgermeister mit.
Bekämpfung bindet Geld und Personal
Da die EPS-Bekämpfung Personal und Finanzmittel bindet, werde im Rathaus fortlaufend über Verbesserungsmöglichkeiten gesprochen und auch die Sinnhaftigkeit von im süddeutschem Raum bereits angewandten Präventivverfahren in den Blick genommen.