Senutie in Rhauderfehn  Ehrenamtler für Gassigang oder Vollpension auf Zeit gesucht

| | 30.07.2024 18:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Angela Block und ihr Hunde Brina (rechts) haben derzeit einen Gast: Priskas Besitzerin ist in der Reha und hat niemanden, der die Hündin versorgen könnte. Senutie hilft in diesem Notfall. Foto: Janßen
Angela Block und ihr Hunde Brina (rechts) haben derzeit einen Gast: Priskas Besitzerin ist in der Reha und hat niemanden, der die Hündin versorgen könnte. Senutie hilft in diesem Notfall. Foto: Janßen
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Senioren und kranke Menschen mit Tieren finden im Notfall bei Senutie Hilfe. Der Verein sucht Mitstreiter. Dafür kommt aber nicht jeder in Frage.

Rhauderfehn - Priska hatte Glück. Die große, strubbelige Hündin wohnt quasi als Vollpensions-Gast bei Angela Block in Rhauderfehn. Priskas Besitzerin ist in Reha. Bevor sie die antreten konnte, stellte sich ihr die Frage, die für viele ältere und kranke Menschen zu einem echten Problem werden kann: Was passiert mit dem Tier? In Fällen wie Priskas hilft der Verein Senutie. Senutie steht für Senioren und Tiere. Seit 2017 gibt es die Initiative. Die bekommt immer mehr zu tun und sucht deshalb noch qualifizierte Ehrenamtler.

„Wir haben häufig Fälle, in denen ganz kurzfristig Betreuung für ein Tier benötigt wird“, sagt Angela Block. Typisches Beispiel: Ältere Menschen, die sich einen Oberschenkelhalsbruch zuziehen und erst ins Krankenhaus und später in eine Heilbehandlung müssen. Aber auch jüngere Menschen wissen im Krankheitsfall manchmal nicht, wie sie ihr Tier versorgen können. „Wir hören immer wieder: ,Ohne Euch hätte ich gar nicht gewusst, was aus meinem Tier werden soll’. Ich weiß von Leuten, die eine Operation abgesagt haben, weil ihr Hund oder ihre Katze dann nicht versorgt gewesen wäre“, so Block.

Gassirunden und Fahrten zum Tierarzt

Durch Mund-zu-Mund-Propaganda und Flyer, die zum Beispiel beim Tierarzt ausliegen, ist die Gruppe bekannt geworden. Und das Angebot wird sehr gut angenommen. Älteren und kranken Menschen mit Haustier hilft Senutie auf vielfältige Weise: Wer wegen einer Erkrankung oder aufgrund seines Alters nicht mehr allein Futter kaufen oder den Tierarzt aufsuchen kann, den unterstützen die Ehrenamtler dabei. Bei Bedarf werden Gassirunden übernommen oder Hunde, Katzen, Vögel und andere Tiere für eine Weile aufgenommen. Etwa dann, wenn der Besitzer im Krankenhaus, zur Kur oder in Kurzzeitpflege ist.

Derzeit, so Block, habe die Gruppe zwei „Spaziergehhunde“ und drei Hunde in Pflege. „Im Zeitraum von Januar bis Juli 2024 hatten wir an 204 Tagen Hunde in Vollpension. Und wir haben 180-mal Spaziergänge übernommen.“ Dazu kamen vier Termine zur Einkaufshilfe und drei Tierarztbesuche.

Helfer müssen Voraussetzungen erfüllen

Die Arbeitsgruppe hat insgesamt 21 Mitglieder. Davon seien sechs bis acht Leute aktive Helfer. Um im Notfall zuverlässig helfen zu können, dürften es gerne noch einige Ehrenamtler mehr sein, sagt Block. Allerdings werden an diese ein paar wichtige Voraussetzungen gestellt. „Eine gewisse Qualifikation muss da sein. Das ist nichts, was Jugendliche nebenher machen können, weil sie gerne mal mit einem Hund spazieren gehen wollen“, erklärt die Rhauderfehnerin. Die Helfer müssen eine eigene Haftpflichtversicherung haben, die das Führen fremder Hunde einschließt. „Außerdem setzen wir Hundeerfahrung voraus, wenn jemand an der Hundebetreuung interessiert ist. Wer die nicht hat, sollte am Hundeführerschein teilnehmen.“

Weitere Voraussetzung: „Man sollte Mitglied bei uns sein“, sagt Block. Die Hürde ist nicht hoch, der Jahresbeitrag kostet zehn Euro. „Auf unserer Beitrittserklärung kann man auch ankreuzen, welche Hilfe man übernehmen kann: Hunde oder Katzen in Pflege nehmen. Oder Vögel: Wir hatten zum Beispiel schon Anfragen für Wellensittiche.“ Block könne sich auch vorstellen, dass die Mitarbeit bei Senutie etwas für ältere Menschen sein könnte, deren Tier verstorben ist und die sich nun kein eigenes mehr anschaffen möchten.

Wo kann man sich melden?

Jeden dritten Donnerstag eines Monats hat Senutie im Seniorentreff an der 1. Südwieke 4 eine Sprechstunde: von 10 bis 12 Uhr. Dort können sich Interessierte melden. Telefonisch kann man sich auch an Angela Block wenden: 04952/809290.

„Für viele Alleinstehende sind wir die letzte Möglichkeit“, so Block. Wer gar keinen Platz findet, wo er sein Tier unterbringen kann, stehe vor der schweren Entscheidung, es ganz abzugeben. „Aber das wollen die Menschen nicht. Sie möchten ihr Tier nur gut untergebracht wissen und es später wiederhaben“, sagt die Rhauderfehnerin. „Und wir sehen das regelmäßig: Die Wiedersehensfreude ist groß – auf beiden Seiten.“

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