Johanniter an der Nordseeküste  In Friesland wurde das Geld für den Orden auf Malta erwirtschaftet

| | 17.07.2024 18:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Bernhard Buttjer präsentierte die Altarglocke und die Sakristeiglocke aus dem Kloster Langholt, die in Leer ausgestellt sind. Foto: Janßen
Bernhard Buttjer präsentierte die Altarglocke und die Sakristeiglocke aus dem Kloster Langholt, die in Leer ausgestellt sind. Foto: Janßen
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Die Johanniter waren im Oberledingerland besonders stark vertreten. In Leer gibt eine Ausstellung Einblicke – auch mit Hilfe von Fundstücken aus Rhauderfehn.

Oberledingerland/Leer - Sie waren die strahlenden Helden ihrer Zeit. Schutzschild Europas, Retter des christlichen Abendlandes, so wurden die Ritter des Johanniter-Ordens genannt. Hauptsächlicher Grund dieses Ruhms: Im Jahr 1565 hatten die Johanniter mit einer Mini-Truppe von wenigen hundert Rittern und einigen tausend Hilfssoldaten drei Monate lang der Belagerung ihrer Insel Malta durch eine Armada von rund 200 Schiffen und an die 40.000 Elitesoldaten des Osmanischen Reiches standgehalten.

Nur: Für ihren eigenen Unterhalt zu sorgen, dazu waren die mutigen Ritter – allesamt Abkömmlinge adliger Familien – nicht in der Lage. Das war vielmehr die Aufgabe von Johanniter-Klöstern überall in Europa. Besonders stark vertreten war der Orden im friesischen Küstenraum.

Bedeutung für die Region

Diesseits und jenseits der heutigen deutsch-niederländischen Grenze gab es im Mittelalter fast 30 solche Kommenden, wie die Klöster der Ritterorden genannt wurden. Allein im Oberledingerland und angrenzenden Gebieten im Kreis Leer gab es an die zehn Johanniter-Häuser. Über sie und ihre fleißigen Mitglieder informiert zur Zeit eine Wanderausstellung des Klostervereins Ihlow in der Sparkasse Leer-Wittmund in Leer.

Carl Anton zu Knyphausen aus Nüttermoor spielte bei der Ausstellungseröffnung Musik aus der Zeit des Barock auf dem Cembalo. Foto: Janßen
Carl Anton zu Knyphausen aus Nüttermoor spielte bei der Ausstellungseröffnung Musik aus der Zeit des Barock auf dem Cembalo. Foto: Janßen

Bernhard Buttjer, Vorsitzender des Klostervereins Ihlow, erläuterte bei der Eröffnung die Konzeption der Ausstellung. Anlass sei eine vor 700 Jahren verfasste Urkunde gewesen, in der erstmals die friesischen Johanniter-Häuser erwähnt wurden: „Das gab in unserem Arbeitskreis ostfriesischer Klösterstätten den Anstoß, über die Geschichte und Bedeutung dieser Klöster für Landwirtschaft, Wasserbau und Kultur eine Wanderausstellung zu erarbeiten.“

Keine Ritter-Brüder

Eine Besonderheit der friesischen Johanniter-Häuser war der Umstand, dass es hier keine Ritter-Brüder gab: „Feudale Strukturen waren in Friesland unbekannt.“ Vielmehr kamen die Mitglieder der Kommenden aus der Landbevölkerung - Männer wie Frauen übrigens, denn viele friesische Johanniter-Häuser seien so genannte Doppelklöster gewesen. In den meisten Fällen habe es sich weniger um typische Klöster, sondern um schwer arbeitende landwirtschaftliche Betriebe gehandelt: „Hier wurden die Einkünfte für die Ordensleitung auf Malta erwirtschaftet.“

Heike Ahrens erläuterte Funde aus Kloster Muhde. Foto: Janßen
Heike Ahrens erläuterte Funde aus Kloster Muhde. Foto: Janßen

Auf die zivilisatorische Leistung der Johanniter bei der Erschließung der Region wies auch der Leeraner Landrat Matthias Groote hin: „Spuren in der Landschaft sind hier noch heute zu finden.“

Malteser und Johanniter

Jens Kessemeier von der – evangelischen – Johanniter-Subkommende Wilhelmshaven und Ostfriesland gab einen Überblick über die Entwicklung der Organisation von einem reinen Krankenpflegeorden zu einer militärischen Bruderschaft bis hin zur Reformation. Damals sei die Ordens-Balley Brandenburg lutherisch geworden, nichtsdestoweniger aber weiter Mitglied im katholischen Orden geblieben. Dieser trug inzwischen, nach seinem Sitz auf Malta, den Namen „Malteser-Ritter“, während sich die lutherischen Ritter weiterhin – bis zum heutigen Tag – „Johanniter“ nennen. Ihr Name lebt auch in der Johanniter-Unfallhilfe fort, ähnlich wie der Malteser-Hilfsdienst bei ihrem katholischen Pendant.

Jens Kessemeier von der – evangelischen – Johanniter-Subkommende Wilhelmshaven und Ostfriesland legte sich zur Eröffnung kurz den Ordens-Mantel um. Foto: Janßen
Jens Kessemeier von der – evangelischen – Johanniter-Subkommende Wilhelmshaven und Ostfriesland legte sich zur Eröffnung kurz den Ordens-Mantel um. Foto: Janßen

Über die Entwicklung des Ordens in den Niederlanden berichtete der Groninger Historiker Dr. Tom de Witt Hamer. In der Neuzeit hätten sich niederländischen Johanniter im Jahre 1909 neu gegründet, seien aber bei der deutschen Balley Brandenburg geblieben: „Erst im Jahr 1945 sind sie ausgetreten.

Der Groninger Historiker Dr. Tom de Witt Hamer referierte am Eröffnungstag. Foto: Janßen
Der Groninger Historiker Dr. Tom de Witt Hamer referierte am Eröffnungstag. Foto: Janßen

Es gibt auch Führungen

Die Ausstellung dauert bis zum 5. August. Zu sehen sind unter anderem archäologische Fundstückstücke wie eine Altarglocke und die Sakristeiglocke aus dem Kloster Langholt, die sich sonst im Fehn- und Schiffahrtsmuseum Westrhauderfehn befinden, ein Messkelch der Kommende Dünebroek (Rheiderland), der heute in der Kirchengemeinde Wiegboldsbur (Kreis Aurich) aufbewahrt wird, Klostersteine und weitere Artefakte.

Jeweils freitags, 19. und 26. Juli sowie 2. August, 15 Uhr, werden Führungen durch Mitglieder örtlicher Forschungsgruppen der Johanniter-Standorte angeboten. Das Foyer der Sparkasse ist von der Mühlenstraße aus zu erreichen.

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