Raupen in Barßel und Saterland  Bürger fordern mehr Maßnahmen gegen Eichenprozessionsspinner

| | 04.07.2024 08:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
In Außenbereichen wird oft durch Beschilderung auf die Allergie-Gefahr durch den Eichenprozessionsspinner hingewiesen. Foto: Kruse
In Außenbereichen wird oft durch Beschilderung auf die Allergie-Gefahr durch den Eichenprozessionsspinner hingewiesen. Foto: Kruse
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In Barßel sorgt der Eichenprozessionsspinner für Aufregung. Eine Bürgerinitiative kritisiert die Gemeinde und fordert intensivere Bekämpfung. Bürgermeister Nils Anhuth weist Vorwürfe zurück.

Barßel/Saterland - Der Eichenprozessionsspinner (EPS) breitet sich weiter aus. Die Raupen des Nachtfalters werden derzeit an vielen Orten bekämpft. Sie leben an Ästen und Stämmen von Eichen. Weil ihre winzigen Brennhaare Nesselgift enthalten, die zum Teil heftige allergische Reaktionen und Atemprobleme auslösen können, sind viele Menschen besorgt. In der Gemeinde Barßel gibt es sogar eine Bürgerinitiative, die EPS-Bürgerinitiative Elisabethfehn. Petra Meiners von der BI wandte sich an diese Redaktion. Sie bat um eine weitere Berichterstattung. Denn aus Sicht besorgter Bürger unternimmt die Gemeinde Barßel nicht genug zur Bekämpfung dieser Raupen.

„Das Thema ist aufgrund der aktuellen Geschehnisse und der Untätigkeit der Gemeinde Barßel - selbst wenn Kinder betroffen sind - einen neuen Artikel wert“, schreibt Petra Meiners. „Aus sicherer Quelle wissen wir, dass die Gemeinde Barßel der Ansicht ist, man müsse sich mit dem EPS-Problem zukünftig abfinden, während die Nachbargemeinden fleißig, binnen 3 Tagen nach Meldung, Fälle abarbeiten“, schreibt die Sprecherin der BI.

Eichenprozessionsspinner in ihrem Nest auf einem Baum. Seit Wochen werden die Schädlinge bekämpft, auch in Barßel und Saterland.Foto: Daniel Karmann/dpa
Eichenprozessionsspinner in ihrem Nest auf einem Baum. Seit Wochen werden die Schädlinge bekämpft, auch in Barßel und Saterland.Foto: Daniel Karmann/dpa

Diese Redaktion bat Bürgermeister Nils Anhuth um eine Stellungnahme. „Auch in der Gemeinde Barßel ist das Vorkommen des Eichenprozessionsspinners seit einigen Jahren ein größer werdendes Thema“, sagt Anhuth. „In diesem Jahr stellt sich die Situation ähnlich wie im letzten Jahr dar, mit dem Unterschied, dass die Vorkommen aufgrund der hohen Temperaturen schon im Mai früher als sonst gemeldet wurden und mit einer steigenden Tendenz, was die Zahl der Vorkommen angeht.“ Dieses Jahr wurden bereits 106 Nester gemeldet. In der vergangenen Saison waren es am Ende insgesamt 115. Somit ist davon auszugehen, dass die Zahl der gemeldeten Nester in diesem Jahr höher sein wird als im Vorjahr, so Anhuth.

Wie geht die Gemeinde dagegen vor?

Die Meldungen von „öffentlichen Vorkommen“ werden im Ordnungsamt der Gemeinde Barßel gesammelt. Dann werden die EPS zeitnah von einem Fachbetrieb entfernt. Nach Auskunft von Anhuth werden die Meldungen nach einem festen Schema kategorisiert, wobei die unmittelbare Umgebung von Schulen und Kindertagesstätten sowie belebte Plätze die höchste Priorität haben. Seit 2021 wird so verfahren, sagt der Bürgermeister. Die Aufwendungen für die EPS-Entfernung lagen nach Angaben von Anhuth 2023 bei mehr als 50.000 Euro..

Meisen sollen angesiedelt werden

Als Präventivmaßnahmen sind in den vergangenen Jahren am Elisabethfehnkanal Dutzende Nistkästen von der Gemeinde aufgehängt worden. So soll zum Beispiel die Ansiedlung von Meisen, die als natürliche Feinde des Eichenprozessionsspinners gelten, gefördert werden. „Hier gibt es Überlegungen, auch die Schulen über entsprechende Umwelt- und Naturprojekte einzubinden, um noch weitere zahlreiche Nistkästen an die Bäume zu bringen“, so Anhuth. Schilder mit Warnhinweisen werden an Straßen aufgestellt, wo ein stark ausgeprägtes Eichenprozessionsspinner-Vorkommen ist.

Aktuell beauftragt die Gemeinde Barßel eine Firma mit der Beseitigung der Nester. „Darüber hinaus werden wir im Herbst in die Prüfung gehen, ob es aufgrund der zu erwartenden dauerhaften Präsenz des Eichenprozessionsspinners Sinn macht, die Beseitigung vorrangig mit eigenem Personal, das entsprechend geschult wird, durchzuführen“, sagt Anhuth.

Vorwurf wird entschieden zurückgewiesen

Den Vorwurf, die Gemeinde Barßel unternehme nichts dagegen, weist der Bürgermeister entschieden zurück. „Gleiches gilt für die Mutmaßung, was man so aus ‚sicherer Quelle‘ wisse“, so der Verwaltungschef. Anhuth verweist auf die mehr als 50.000 Euro für die EPS-Beseitigung im Jahr 2023. Tendenz steigend. „Die Kollegin aus dem Ordnungsamt kümmert sich darum, die Meldungen aufzunehmen, zu kategorisieren und den externen Dienstleister zu beauftragen, die Entfernung vorzunehmen. In der Regel funktioniert das auch zeitnah, aber bei einer sehr hohen Zahl von Meldungen kann es auch etwas dauern, bis die Entfernung der Nester nach und nach abgeschlossen wurde. Zudem machen wir uns Gedanken über weitere Präventivmaßnahmen sowie den künftigen Umgang mit den EPS-Vorkommen (ggf. über eigenes Personal)“, sagt der Bürgermeister.

Schilder mit Warnhinweisen werden in zahlreichen Kommunen aufgestellt, um vor dem Eichenprozessionssinner zu warnen. Foto: ceskyfreund36 auf Pixabay
Schilder mit Warnhinweisen werden in zahlreichen Kommunen aufgestellt, um vor dem Eichenprozessionssinner zu warnen. Foto: ceskyfreund36 auf Pixabay

So ist die Situation im Saterland

In der Gemeinde Saterland werden die EPS-Nester von einer Firma mittels Absaugung beseitigt, teilt Bürgermeister Thomas Otto mit. Nach Auskunft von Otto haben sich auf Ebene des Landkreises Cloppenburg die Kommunen im Jahr 2023 darauf verständigt, hauptsächlich wegen der hohen Beseitigungskosten, dass die EPS-Nester nur noch im Bereich von Schulen, Kindergärten, Bushaltestellen und sonstigen stark frequentierten Bereichen entfernt werden. „Ansonsten wird nun auch bei uns verstärkt durch entsprechende Beschilderung auf die Allergie-Gefahr hingewiesen“, so Otto.

Außerdem habe der Bauhof 100 Nistkästen für Meisen aufgehängt. Harald Grosser vom Nabu Saterland weist darauf hin, dass die Nabu-Ortsgruppe auf eigene Kosten weitere 130 Meisenkästen im Gemeindegebiet verteilt habe.

Eine Beseitigung und Bekämpfung kann nach Meinung von Otto nur wirklich sinnvoll erfolgen, wenn auch die Nester in privaten Bäumen und von allen Kommunen (und damit auch an Kreis-, Landes- und Bundesstraßen durch die entsprechenden Baulastträger) auch gewissenhaft durchgeführt werden, da ansonsten durch die dort geschlüpften und sich im Juli/August paarenden Falter wieder eine erneute Eiablage und Nestbildung folgt.

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