Hass und Hetze im Netz  Carsten Ambacher schließt Saterländer Facebook-Gruppe

| | 26.06.2024 15:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Am Mittwoch, 26. Juni 2024, soll die Facebookgruppe „Ein richtiger Saterländer“ archiviert werden. Foto: Kruse
Am Mittwoch, 26. Juni 2024, soll die Facebookgruppe „Ein richtiger Saterländer“ archiviert werden. Foto: Kruse
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Nach zwölf Jahren hat Carsten Ambacher genug. Der Ramsloher kündigt das Ende der von ihm gegründeten Facebook-Gruppe „Ein richtiger Saterländer bist du, wenn...“ an. Grund sind Hass und Hetze.

Saterland - Seit zwölf Jahren gibt es bei Facebook die Gruppe „Ein richtiger Saterländer bist du, wenn …“. Der Ramsloher Carsten Ambacher hat sie einst ins Netz gehoben. „Die Gruppe ist sehr schnell gewachsen“, sagt Ambacher. Stand Mittwoch, 26. Juni 2024, hat sie 8132 Mitglieder. Weitere werden nicht hinzukommen. Denn der Administrator kündigte am Mittwochmorgen das Ende der Gruppe in dem sogenannten sozialen Netzwerk an.

Denn dort ging es zuletzt alles andere als freundlich zu. Zunehmend gab es Hass, Hetze, persönliche Beleidigungen und Lügen. Ambacher mahnte mehrfach, es änderte sich aber nichts. Im Gegenteil. Nun zieht der Saterländer die Konsequenz: „Ich weiß nicht, was in den Köpfen vieler Menschen vor sich geht“, sagt Ambacher im Gespräch mit dieser Redaktion. „Es ist wirklich teilweise abartig. Die Leute denken offenbar, dass das Netz ein rechtsfreier Raum sei. Sie denken, sie könnten schreiben, was sie wollen.“

„Die Gruppe wird zunehmend instrumentalisiert“

Früher sei es in der Gruppe sehr sozial und freundlich zugegangen. Doch mit der Corona-Pandemie hat sich etwas gewandelt. Der Ton wurde zunehmend rauer. Wenn jemand inzwischen von einem „asozialen Netzwerk“ spreche, könne er das unterschreiben.

„Die Gruppe wird zunehmend instrumentalisiert“, sagt Carsten Ambacher. In den vergangenen Wochen geriet der Saterländer Bürgermeister Thomas Otto ins Visier einiger Personen. Es gab Beleidigungen, Anschuldigungen, üble Nachrede und Hetze. Otto meldete erst kürzlich wegen zahlreicher Anfeindungen seinen persönlichen Facebook-Account ab.

Administrator Carsten Ambacher will sich die Nerven nicht kaputtmachen lassen. Foto: Passmann
Administrator Carsten Ambacher will sich die Nerven nicht kaputtmachen lassen. Foto: Passmann

Viele Beiträge nicht freigegeben

Carsten Ambacher kann das absolut nachvollziehen. Auch er musste sich üble Beschimpfungen anhören oder lesen. „Ich habe viele Beiträge gar nicht freigegeben, weil sie Hass und Hetze enthielten. Daraufhin gab es Mails mit üblen Kommentaren.“ Nachdem er am Mittwochmorgen eine Mail von einem Fake-Account mit gefälschten Nachrichten erhalten hatte, war für ihn klar: „Ich melde die Gruppe ab.“

Bei Facebook schrieb Ambacher: „Es hilft scheinbar alles nichts. Nachdem ich mehrfach angekündigt und geschrieben habe, dass ich diese Gruppe nicht instrumentalisieren lasse, werde ich diese Gruppe heute Abend archivieren! Einige wenige haben es geschafft, die Gruppe innerhalb weniger Wochen zu einem Ort zu machen, wo es augenscheinlich nur noch darum geht, bestimmte Personen anzugreifen (mich inklusive).

„Will mir meine Nerven nicht kaputtmachen lassen“

Ambacher wird die Gruppe archivieren. Das heißt, sie ist weiterhin im Netz zu sehen. Alte Beiträge können gelesen werden. „Es werden aber keine neuen Beiträge veröffentlicht“, erklärt Ambacher.

Die Gruppe einem anderen Administrator übergeben, möchte er auch nicht. „Mich kennen alle seit zwölf Jahren als Administrator. Alles, was in dieser Gruppe passiert, würde auch dann auf mich zurückfallen“, sagt Ambacher. Um die vielen Mitglieder, die sich gut verhalten, tut es ihm leid. „Aber ich mache das alles in meiner Freizeit. Das tue ich mir nicht mehr an. Ich will mir meine Nerven damit nicht kaputt machen lassen.“

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