Facebook-Post als Auslöser  Gänsekot am Hollener See – Pächter will Kiosk-Vertrag nicht auflösen

| | 17.06.2024 19:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Kiosk-Betreiber Stephan Bruchhardt (links) und Pächter Ludger Meerjans zeigen am Badestrand des Hollener Sees auf Gänsekot. Foto: Kruse
Kiosk-Betreiber Stephan Bruchhardt (links) und Pächter Ludger Meerjans zeigen am Badestrand des Hollener Sees auf Gänsekot. Foto: Kruse
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Ein Facebook-Post über Gänsekot am Hollener See sorgt weiter für eine hitzige Debatte in der Gemeinde Saterland. Nun fordert Pächter Ludger Meerjans dazu auf, Bürgermeister Otto Fragen zu stellen.

Ramsloh - Ein Facebook-Post um Gänsekot und Flatterbänder am Hollener See sowie die Aufforderung, einen Pachtvertrag mit dem dortigen Kiosk-Betreiber sofort aufzulösen, sorgt seit Ende Mai 2024 in der Gemeinde Saterland für Diskussionen. Nun geht der Streit weiter. Er soll sogar am Mittwoch, 19. Juni, während der Sitzung des Rates der Gemeinde Saterland thematisiert werden. Das kündigte Ludger Meerjans aus Friesoythe an. Er ist in der Angelegenheit Vertragspartner der Gemeinde Saterland.

Die Kommune hatte Meerjans aufgefordert, einen erst wenige Wochen alten Unterpachtvertrag mit Kiosk-Betreiber Stephan Bruchhardt aufzulösen. Die Fronten sind verhärtet. Meerjans war bis vor wenigen Tagen im Urlaub. Er hatte während seines Auslandsaufenthalts von der Gemeinde die Aufforderung erhalten. Am Montag, 17. Juni, äußerte er sich in einem Gespräch am Hollener See zu der Situation. Meerjans sagte, er sei „enttäuscht von der Rücksichtslosigkeit“ des Saterländer Bürgermeisters Thomas Otto. Trotz der Aufforderung ist der Kiosk weiter geöffnet.

Gänsekot am Strand des Hollener Sees in Ramsloh. Die Aufnahme wurde am 17. Juni 2024 gemacht. Kiosk-Betreiber Stephan Bruchardt hatte Ende Mai auf das Problem aufmerksam gemacht. Seitdem gibt es Streit. Foto: Kruse
Gänsekot am Strand des Hollener Sees in Ramsloh. Die Aufnahme wurde am 17. Juni 2024 gemacht. Kiosk-Betreiber Stephan Bruchardt hatte Ende Mai auf das Problem aufmerksam gemacht. Seitdem gibt es Streit. Foto: Kruse

Facebook-Post mit bösen Kommentaren

Darum geht es: Die Gemeinde Saterland ist Eigentümerin des Badesees in dem Naherholungsgebiet. Für den Kiosk mit angegliedertem Zeltplatz hatte sie für dieses Jahr einen Pachtvertrag mit Ludger Meerjans aus Friesoythe abgeschlossen. Meerjans verpachtet den Kiosk an Stephan Bruchhardt aus Sedelsberg. Am 1. Mai eröffnete er den Kiosk. Wenige Wochen später machte Bruchhardt mit einem öffentlichen Post bei Facebook auf die Gänsekot-Problematik am Strand und auf der Liegewiese am Hollener See aufmerksam. Um die Vögel abzuschrecken, hatte der Kiosk-Betreiber Flatterbänder im Wasser und am Strand des Sees aufgehängt. Bürgermeister Otto hatte sie durch den Bauhof wieder entfernen lassen. Das passte Bruchhardt nicht. Er reagierte mit dem Facebook-Post.

Unter dem Post gab es etliche Kommentare, in denen Bürgermeister Thomas Otto (parteilos) hart angegangen wurde. Dabei ging es auch um das Privatleben des Bürgermeisters.

Stephan Bruchhardt am Mittwoch, 29. Mai 2024, im Kiosk am Hollener See. Kurz zuvor begann der Streit mit der Gemeinde Saterland. Foto: Kruse
Stephan Bruchhardt am Mittwoch, 29. Mai 2024, im Kiosk am Hollener See. Kurz zuvor begann der Streit mit der Gemeinde Saterland. Foto: Kruse

Meerjans will der Aufforderung nicht nachkommen

Kurz darauf hat die Gemeinde Saterland angekündigt, dass der Pachtvertrag mit Bruchhardt aufgelöst werden soll. Die rechtliche Lage ist etwas kompliziert. Denn Bruchhardt ist nicht Vertragspartner der Gemeinde, sondern Meerjans.

„Leider ist der Ursprung des Streits nur wegen eines Flatterbandes und wegen Gänsekot entstanden, was sehr bedauerlich ist“, sagte Meerjans. „Schade, dass es auf der Facebookseite zu einem persönlichen Angriff gekommen ist. Klar ist, dass Herr Bruchhardt die Seite erstellt hat, aber auch direkt mit dem Hinweis, dass er sich distanziert von persönlichen Beleidigungen und politischen Ansichten“, sagte Meerjans. Aus diesem Grund könne von seiner Seite der Widerruf des Pachtvertrags nicht akzeptiert werden. „Es wurden die auffälligen Kommentare noch am selben Tag entfernt. Sicherlich hätte man diese früher entfernen müssen, dann wäre es wahrscheinlich nicht so schnell eskaliert. Hierfür können wir uns nur entschuldigen.“

Das Foto hat Saterlands Bürgermeister Thomas Otto Ende Mai gemacht. Es zeigt Gänse mit ihrem Nachwuchs am Strand des Hollener Sees. Das Flatterband sollte sie davon abhalten, dort zu rasten. Otto ließ das Band wieder entfernen. Foto: Otto/Gemeinde Saterland
Das Foto hat Saterlands Bürgermeister Thomas Otto Ende Mai gemacht. Es zeigt Gänse mit ihrem Nachwuchs am Strand des Hollener Sees. Das Flatterband sollte sie davon abhalten, dort zu rasten. Otto ließ das Band wieder entfernen. Foto: Otto/Gemeinde Saterland

Bürgermeister Thomas Otto teilte am Montag auf Anfrage mit: „Wir hatten ihn (Ludger Meerjans; die Redaktion) auf seine vertraglichen Pflichten hingewiesen - und hier zu einem Gespräch gebeten. Dies lehnt er aber ab - er wollte im Falle einer Kündigung Schadensersatz und droht mit Presse und Rundfunk. Mittlerweile wurde von seiner Seite bzw. dem Kioskbetreiber ein Jurist eingeschaltet. Wir haben mit ihm lediglich einen Vertrag bis zum Jahresende geschlossen. Schon ein sehr beeindruckendes Vorgehen für einen Pächter! Aber das zeigt dann, mit wem man es zu tun hat.“

Meerjans will Vertrag bis Jahresende erfüllen

Meerjans wiederum sagt: „Wir haben der Gemeinde zwei einvernehmliche Vorschläge zustellen lassen.“ Eine Reaktion habe es nicht gegeben. Wie die Vorschläge aussehen, sagte er nicht. Diese seien nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Die einzige Alternative sei nun, die Arbeit bis Ende 2024 fortzusetzen und dann zu beenden. Vertraglich war eine Probephase bis Ende Oktober vereinbart worden. Meerjans ist erzürnt: „Solche Vertragspartner, die gegen einen arbeiten, brauche ich nicht in meinem geschäftlichen Umfeld. Ich werde alle Stornierungen für Buchungen des Zeltplatzes für 2025, 2026, 2027 in die Wege leiten.“

Mit Blick auf die bevorstehende Sitzung des Gemeinderates am Mittwochabend, 20 Uhr, im Rathaus in Ramsloh sagte Meerjans: „Viele unserer Besucher fragen nach, wieso der Bürgermeister auf Facebook so angreifbar ist. Wir empfehlen, ihm während der Einwohnersprechstunde in der Ratssitzung diese Frage zu stellen.“

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