Eichenprozessionsspinner in Barßel und Saterland  Meisen sollen giftige Raupen vertilgen

| | 12.06.2024 16:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Auch in Bäumen an der Langen Straße in Barßels Ortsmitte nisten derzeit die Raupen des Eichenprozessionsspinners, deren Härchen bei Menschen Hautreizungen verursachen können. Foto: Fertig
Auch in Bäumen an der Langen Straße in Barßels Ortsmitte nisten derzeit die Raupen des Eichenprozessionsspinners, deren Härchen bei Menschen Hautreizungen verursachen können. Foto: Fertig
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Der Eichenprozessionsspinner ist dieses Jahr eher dran als sonst. In den Barßel und Saterland setzt man bei der Bekämpfung der wegen ihrer Gifthaare gefürchteten Raupen auf Singvögel.

Barßel / Saterland - Der Eichenprozessionsspinner ist wieder auf dem Vormarsch. Die Raupen des Nachtfalters breiten sich auch in den beiden Nordkreisgemeinden Barßel und Saterland aus. Auch an stark frequentierten Straßen sieht man die Tiere mitsamt Gespinst vielerorts in den Bäumen hängen.

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners bilden Kolonien in Gespinsten an den Stämmen von Eichen wie hier an der Langen Straße in Barßel. Foto: Fertig
Die Raupen des Eichenprozessionsspinners bilden Kolonien in Gespinsten an den Stämmen von Eichen wie hier an der Langen Straße in Barßel. Foto: Fertig

Die Falterart war ursprünglich heimisch in den Eichenwäldern Süd- und Mitteleuropas. Durch den Klimawandel breitet sich die Art jedoch mittlerweile auch in nördlichen Gefilden aus. „Die wärmere und trockenere Witterung der letzten Jahre hat zu einer deutlichen Ausweitung des Vorkommens in Deutschland geführt“, teilt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft auf seiner Internetseite mit. Die Raupen entwickeln giftige Brennhärchen. Kommen Menschen damit in Kontakt, kann das für Reizungen und Irritationen von Haut und Schleimhaut sorgen.

Wo kommt der Eichenprozessionsspinner im Nordkreis vor?

„Die Situation stellt sich ähnlich wie in den letzten Jahren dar mit dem Unterschied, dass die Vorkommen aufgrund der hohen Temperaturen schon im Mai früher als sonst gemeldet wurden,“ teilt Barßels Bürgermeister Nils Anhuth mit. Wie in den Vorjahren auch seien vor allen Dingen die Oldenburger Straße, die Schleusenstraße sowie die Mühlenstraße am meisten betroffen. Meldungen gebe es aus dem gesamten Gemeindegebiet, so Anhuth, aber die größte Betroffenheit zeige sich aktuell in Elisabethfehn und Reekenfeld.

Der Eichenprozessionsspinner kommt im gesamten Oldenburger Münsterland vor. Vielerorts wird in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta auf die daraus resultierenden Gefahren für den Menschen hingewiesen. Foto: Hermes
Der Eichenprozessionsspinner kommt im gesamten Oldenburger Münsterland vor. Vielerorts wird in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta auf die daraus resultierenden Gefahren für den Menschen hingewiesen. Foto: Hermes

Beim Ordnungsamt der Gemeinde Saterland seien mit Stand voriger Woche bisher 13 Meldungen über das Vorkommen der giftigen Raupen im öffentlichen Raum eingegangen, teilt Saterlands Bürgermeister Thomas Otto auf Nachfrage mit. Der Befall von Bäumen werde aus allen Ortsteilen gemeldet. Besonders betroffene Bereiche zeichneten sich nicht ab. Ein konkreter Vergleich zu den Vorjahren sei noch nicht möglich. Feststellen lasse sich allerdings, dass das Vorkommen in diesem Jahr etwas eher eingesetzt habe, so Otto. Im vergangenen Jahr seien die Meldungen erst Anfang Juni losgegangen, während in diesem Jahr die erste Meldung im Rathaus am 16. Mai 2024 eingegangen sei. Insgesamt wurden 2023 68 Fälle von Baumbefall durch den Eichenprozessionsspinner im Saterland gemeldet. Die meisten davon, nämlich 47, waren im Juni eingegangen, im Juli waren es noch 20, im August nur noch eine.

Wer ist zuständig?

Zurückgegangen sei die Anzahl der Meldungen von Vorkommen auf privaten Grundstücken, schildert Barßels Bürgermeister Anhuth. Viele Barßelerinnen und Barßeler mittlerweile um die Zuständigkeiten bei der Beseitigung wissen. Auf öffentlichem Grund ist die Kommune für die Bekämpfung zuständig, auf Privatgrundstück ist der Eigentümer dafür verantwortlich.

Wie sein Amtskollege Otto aus dem Saterland schildert, würden sich Bürger, die Kolonien der Raupen in ihrem Garten entdecken, dennoch ans Rathaus wenden: „Für befallene Bäume auf Privatgrundstücken fragen die Bürger lediglich um Rat, wie sie sich verhalten sollen und an wen sie sich wenden können.“ Die Meldung könne über die Homepage der Gemeinde Saterland oder per Mail an ordnungsamt@saterland.de erfolgen. Meldepflichtig sei das Vorkommen nicht. Auf der Internetseite der Gemeinde Saterland gibt es unter dem Thema Bürgerservice Infos zum sachgerechten Verhalten, wenn man Eichenprozessionsspinner auf seinem Grundstück entdeckt.

Was wird dagegen unternommen?

Die Meldungen von „öffentlichen Vorkommen“ würden im Ordnungsamt gesammelt und dann würden die Eichenprozessionsspinne zeitnah von einem Fachbetrieb entfernt, teilt Nils Anhuth für die Gemeinde Barßel mit. Vorrang habe dabei die unmittelbare Umgebung von Schulen und Kindertagesstätten. In den vergangenen drei Jahren 2021 bis 2023 hätten die finanziellen Aufwendungen für die Entfernung des Eichenprozessionsspinners in Barßel knapp 60.000 Euro betragen. Dafür hatte die Gemeindeverwaltung eine Fachfirma engagiert, die den Schädling mit einer Mischung aus fast kochendem Wasser und einem biologisch abbaubaren Schaum beseitigte.

Mit heißem Wasser und biologisch abbaubarem Schaum ließ die Gemeinde Barßel in den vergangenen Jahren von einer Fachfirma die Gespinste des Eichenprozessionsspinners im öffentlichen Raum entfernen - wie hier 2020 an der Westmarkstraße / Ecke Markenstraße. Archivfoto: Gemeinde Barßel
Mit heißem Wasser und biologisch abbaubarem Schaum ließ die Gemeinde Barßel in den vergangenen Jahren von einer Fachfirma die Gespinste des Eichenprozessionsspinners im öffentlichen Raum entfernen - wie hier 2020 an der Westmarkstraße / Ecke Markenstraße. Archivfoto: Gemeinde Barßel

Im Saterland geht man gegen die giftigen Raupen vor, indem man deren Nester von einer Fachfirma absaugen lässt. Dazu müssten besondere Schutzvorkehrungen getroffen werden, teilt Bürgermeister Otto mit, der darauf hinweist, dass vor unsachgemäßem, privaten Eingreifen unbedingt gewarnt werde.

Auf Kreisebene hätten sich die Kommunen voriges Jahr darauf verständigt, dass die Beseitigung der Nester nur noch an Schulen, Kindergärten, Bushaltestellen und sonstigen stark frequentierten Bereich entfernt werden. Bis dahin sei zumindest im Saterland versucht worden, jedes im öffentlich Raum angezeigte Nest auch beseitigen zu lassen, so Otto.

Was kann man noch tun?

Neben harten Vorgehen mit Saugroboter oder Schaum setzt man in beiden Nordkreisgemeinden auch auf biologische Schädlingsbekämpfung. Dabei geht es um die Blaumeise und die Kohlmeise. Die Singvogelarten gelten als natürliche Fressfeinde. Besonders gern vertilgen sie laut der Arbeitsgemeinschaft der Naturschutzverbände im nördlichen Emsland und südlichem Ostfriesland junge Raupen, bevor diese die giftigen Brennhaare ausgebildet haben. „Vor drei Jahren hat der Bauhof 100 Meisen-Nistkästen im Gemeindegebiet aufgehängt“, teilt Saterlands Bürgermeister Otto mit, „da die Meise nach den Aussagen von Biologen der natürliche Feind des Eichenprozessionsspinners sein soll.“ Für Barßel seien als Präventivmaßnahme in den vergangenen Jahren am Elisabethfehnkanal Dutzende Nistkästen von der Gemeinde aufgehängt worden, schildert Bürgermeister Nils Anhuth.

Werden Passanten gewarnt?

Weil die Beseitigung der Gespinste mit den gefährlichen Raupen für die Kommunen mit erheblichen Kosten verbunden ist, werde im Saterland verstärkt durch Beschilderung vor dem Eichenprozessionsspinner gewarnt und auf die Allergiegefahr hingewiesen. Auch in Barßel sind Schilder an Straßen aufgestellt, wo ein stark ausgeprägtes Vorkommen des Eichenprozessionsspinner ist, teilt Bürgermeister Anhuth mit.

Wie ist der Landkreis eingebunden?

“In der Kreisverwaltung wurde ein ämterübergreifender Arbeitskreis Eichenprozessionsspinner eingerichtet“, teilt Cloppenburgs Kreissprecher Sascha Sebastian Rühl auf Nachfrage mit. Der Landkreis nehme bei diesem Thema eine Beratungsfunktion ein. Federführend in der Erfassung und Bekämpfung seien Städte und Gemeinden im Rahmen ihrer Verkehrssicherungspflicht.

Eichenprozessionsspinner in ihrem Nest auf einem Baum. Die Nesselhaare der Raupen können beim Menschen gesundheitliche Schäden hervorrufen. Foto: Karmann / DPA
Eichenprozessionsspinner in ihrem Nest auf einem Baum. Die Nesselhaare der Raupen können beim Menschen gesundheitliche Schäden hervorrufen. Foto: Karmann / DPA
Weil grundsätzlich der Eigentümer eines betroffenen Grundstücks für die Maßnahmen zuständig sei, ist der Landkreis Cloppenburg für Bäume an Kreisstraßen und anderen Liegenschaften des Kreises zuständig. „Bei Kreisstraßen werden im Regelfall von der Straßenmeisterei Hinweisschilder aufgestellt. Bei Schulen wird eine Bekämpfung veranlasst“, so Rühl.

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