Facebook-Post als Auslöser  Streit um Gänsekot am Hollener See – Kiosk-Betreiber soll Pachtvertrag verlieren

| | 01.06.2024 07:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Stephan Bruchhardt am Mittwoch, 29. Mai 2024, im Kiosk am Hollener See. Der Start war verheißungsvoll gut, berichtete der Sedelsberger. Dennoch will die Gemeinde Saterland nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten. Foto: Kruse
Stephan Bruchhardt am Mittwoch, 29. Mai 2024, im Kiosk am Hollener See. Der Start war verheißungsvoll gut, berichtete der Sedelsberger. Dennoch will die Gemeinde Saterland nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten. Foto: Kruse
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Am Hollener See in Ramsloh sorgt Gänsekot für Ärger. Flatterbänder im See und ein Facebook-Post des Kiosk-Betreibers führen zu drastischen Konsequenzen. Das sind die Hintergründe.

Ramsloh-Hollen - Seit dem 1. Mai 2024 ist der Kiosk am Hollener See in Ramsloh wieder geöffnet. Doch nach nicht einmal einem Monat gibt es Ärger. Die Gemeinde Saterland ist Eigentümerin des Badesees in dem Naherholungsgebiet. Für den Kiosk mit angegliedertem Zeltplatz hatte sie einen neuen Betreiber gesucht. Die Wahl fiel auf Ludger Meerjans, der bereits das Soesteheim in Friesoythe betreibt. Ein Vertrag mit Probezeit wurde abgeschlossen.

Ludger Meerjans hat den Kiosk wiederum an Stephan Bruchhardt unterverpachtet. Doch nach nicht einmal einem Monat fordert die Gemeinde Saterland Meerjans auf, den Vertrag mit Stephan Bruchhardt mit sofortiger Wirkung aufzuheben. Auslöser dafür ist ein öffentlicher Post von Bruchhardt bei Facebook in dieser Woche. Dabei ging es um Gänsekot am Badestrand und auf der Liegewiese sowie um ein Flatterband.

Das Foto hat Saterlands Bürgermeister Thomas Otto am Dienstag gemacht. Es zeigt Gänse mit ihrem Nachwuchs am Strand des Hollener Sees. Das Flatterband sollte sie davon abhalten, dort zu rasten. Otto ließ das Band wieder entfernen. Foto: Otto/Gemeinde Saterland
Das Foto hat Saterlands Bürgermeister Thomas Otto am Dienstag gemacht. Es zeigt Gänse mit ihrem Nachwuchs am Strand des Hollener Sees. Das Flatterband sollte sie davon abhalten, dort zu rasten. Otto ließ das Band wieder entfernen. Foto: Otto/Gemeinde Saterland

Meerjans ist nach Informationen dieser Zeitung aktuell im Urlaub. Bruchhardt sagte am Donnerstagabend auf Anfrage: „Ich habe bisher keine Kündigung erhalten.“ Er will den Kiosk weiter öffnen. Das gilt auch für diesen Sonntag, 2. Juni. Dann findet dort ein Kinderflohmarkt statt. 70 Anmeldungen liegen Bruchhardt dafür vor.

Gänse mit Nachwuchs am Strand

Bürgermeister Thomas Otto (parteilos) hatte für diese Woche auf Anfrage dieser Redaktion einem Termin am See zugestimmt. Die Redaktion wollte über den Neustart des Kiosks berichten. Doch der Termin platzte. Stephan Bruchhardt hatte Flatterbänder im See und am Strand aufgehängt. So sollten Gänse vom Strandbereich ferngehalten werden. „Damit es sauber bleibt und die Gäste sich wohlfühlen“, erklärte er im Gespräch. Die Flatterbänder hätten gewirkt. Auf den Schmutz sei er oft von Besuchern angesprochen worden. Er hat ihn bislang auch nach Möglichkeit entfernt.

Etwa 50 bis 60 Graugänse mit Nachwuchs halten sich seit einiger Zeit am Hollener See auf, oft auch am östlichen Ufer. Der Kot der Tiere liegt am Strand und auf der Liegewiese. Bruchhardt hoffte, mit den Flatterbändern dieses Problem in den Griff zu bekommen. Doch Bürgermeister Thomas Otto ließ am Dienstag, 28. Mai, die Kunststoffbänder durch den Bauhof entfernen.

Kot von Gänsen am Strand des Hollener Sees. Das war ein Auslöser für einen Streit, der nun eskaliert ist. Foto: Kruse
Kot von Gänsen am Strand des Hollener Sees. Das war ein Auslöser für einen Streit, der nun eskaliert ist. Foto: Kruse

Facebook-Post war Auslöser für Kündigung

Bruchhardt reagierte darauf mit einem öffentlichen Post bei Facebook. „Warum müssen die Bänder ab, Thomas Otto?“, hieß es darin. Und weiter: „An einem persönlichen Gespräch scheint ja von Ihrer Seite kein Interesse zu sein, wenn man schon extra außerhalb der Öffnungszeiten kommt. Ich hoffe, sie kümmern sich um die Hinterlassenschaften der Gänse. Wir räumen es nicht mehr weg! Danke schön!“

Unter diesem Post gab es schnell etliche Kommentare. Zustimmung für den Bürgermeister, aber auch Kritik. Zudem zielten einige Kommentatoren auf das Privatleben des Bürgermeisters ab, sie gingen unter die Gürtellinie.

Bruchhardt distanzierte sich von diesen Kommentaren. „Mir geht es um die Problematik mit der Verschmutzung durch die Gänse. Die Gäste sollen sich hier doch wohlfühlen“, sagte Bruchhardt. Ein persönliches Gespräch mit dem Bürgermeister hatte er zuvor nicht gesucht. Weil der Bauhof ihm die Flatterbänder zur Verfügung gestellt hatte, war er davon ausgegangen, dass die Maßnahme toleriert würde.

Doch das Gegenteil war der Fall: „Wer die Gemeinde und Amtsträger so in der Öffentlichkeit angeht, muss mit Konsequenzen rechnen. Wir sehen keine Zukunft für ein Miteinander“, sagte Otto am Donnerstag. Wie diese Konsequenzen aussehen, erklärte er auch: Noch am Mittwoch habe die Gemeinde Saterland schriftlich Pächter Ludger Meerjans aufgefordert, die Vereinbarung zur Unterverpachtung des Kiosks an Stephan Bruchhardt zu widerrufen. Zudem widerrief die Gemeinde Saterland die vertragliche Zustimmung mit Meerjans zur Unterverpachtung des Kiosks und der Sanitärbereiche am Hollener See. Für den Kiosk will die Gemeinde nun einen neuen Pächter suchen. Das sollte schnellstmöglich geschehen.

Der Kiosk mit Außenterrasse am Hollener See ist seit dem 1. Mai 2024 wieder geöffnet. Das Gebäude ist im vergangenen Jahr saniert worden. Foto: Kruse
Der Kiosk mit Außenterrasse am Hollener See ist seit dem 1. Mai 2024 wieder geöffnet. Das Gebäude ist im vergangenen Jahr saniert worden. Foto: Kruse

Darum wurden die Bänder wieder entfernt

Auf die Frage, warum er die Flatterbänder habe entfernen lassen, hatte Otto bereits am Mittwoch geantwortet: „Als Natursee sollte am Hollener See ein harmonisches Miteinander zwischen Menschen, Flora und Fauna herrschen. Auch wenn wir uns darüber freuen, dass dort der Kioskbetrieb für einen regen Zulauf sorgt, so sollte gerade in der Brut- und Setzzeit doch die Aufzucht der Gänse vor dem Kommerz stehen.“ Und weiter: „Eine Lenkung der Tiere funktioniert ohnehin nicht, sodass man dort auch kein Flatterband in den See oder das Böschungsgrün spannen muss.“ Zudem führte er Sicherheitsgründe an.

Das Problem werde sich ohnehin bald auf natürliche Weise lösen. „Die Zahl der Gänse hat insgesamt zwar zugenommen, aber die Jungen sind bald flügge, dann verziehen sich die Tiere dort“, so Otto.

Zum offiziellen Start der Badesaison mit Beginn der Sommerferien wird die Gemeinde, wie jedes Jahr, den Strand mit neuem Sand herrichten. Badebetrieb ist dort nur erlaubt, wenn die DLRG die Aufsicht übernimmt. Das ist in der Saison üblicherweise in den Ferien sowie bei gutem Wetter der Fall.

Bruchhardt hat sich wegen der Flatterbänder als Vogelschreck sogar beim Bundesumweltministerium erkündigt. Er sagt, ihm sei mitgeteilt worden, dass diese Flatterbänder zulässig seien.

Diese Redaktion wandte sich mit einer entsprechenden Anfrage zu dem Thema an den Landkreis Cloppenburg. Eine Antwort aus dem Kreishaus wird zeitnah erwartet.

Wie geht es weiter?

Eine weitere Zusammenarbeit mit Bruchhardt schließt Otto kategorisch aus. Dabei war der Neustart des Kiosk-Betriebs verheißungsvoll, wie Stephan Bruchhardt berichtet. Schon am Eröffnungstag seien 1500 Gäste gekommen. Für Sonntag, 2. Juni, hat er einen Kinderflohmarkt organisiert. 70 Anmeldungen liegen ihm dafür vor. Bruchhardt rechnet erneut mit mehr als 1000 Besuchern. Wie lange er den Betrieb noch fortführen kann, ist offen.

Offiziell hat er nichts von einem Ende des Pachtvertrages gehört. Die Gemeinde hat sich nicht bei ihm gemeldet. Sie hat mit ihm allerdings auch keinen Vertrag abgeschlossen, sondern mit Meerjans. Ludger Meerjans war nicht zu erreichen und reagierte auch auf eine Anfrage per E-Mail nicht.

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