Nach langer schwerer Krankheit Viehhändler Peter Schneider aus Ostrhauderfehn ist gestorben
Der Viehhändler und Fleisch-Großhändler ist nach langer schwerer Krankheit im Alter von 89 Jahren gestorben. Langjährige Weggefährten von ihm erinnern sich an ihn. Ein Nachruf.
Ostrhauderfehn - Der weithin bekannte Ostrhauderfehner Fleisch-Großhändler und Viehhändler Peter Schneider ist am 27. April 2024 nach langer schwerer Krankheit gestorben. Er wurde 89 Jahre alt. Peter Schneider betrieb viele Jahre lang ein Fleischerfachgeschäft in Leer sowie einen Viehhandel und Fleischgroßhandel in Ostrhauderfehn.
Schneider wurde am 18. Februar 1935 in Haltern im Kreis Recklinghausen geboren. Er besuchte die Volksschule in Recklinghausen und später, mit Voranschreiten des Krieges, in Harsewinkel. Dort wohnte er mit seiner Mutter und seiner damals kleinen Schwester in Beller, einer benachbarten Bauerschaft.
Die Mutter war auf sich allein gestellt
Die Zeit des Krieges war prägend für Peter Schneider. Er gehörte zu der Generation, die als Kind den Krieg erlebte und die einige Jahre lang ohne Vater aufwuchs, weil dieser Soldat war. Die Mutter war auf sich allein gestellt und musste zusehen, ihre Kinder und sich durch eine schwere und unsichere Zeit zu bringen.
Nach dem Krieg war es schwer, eine Ausbildungsstelle zu finden. Viele Betriebe waren zerstört. Peter Schneider hatte Glück. 1950 begann er eine Lehre zum Fleischer in Recklinghausen. Und er lernte den Viehhandel. Wie das ging, schaute er sich bei seinem Vater ab. Der verließ Mitte der 1950er-Jahre mit seiner Familie Recklinghausen und zog, weil es in Ostfriesland mehr Vieh zu kaufen gab als im Münsterland, nach Ostfriesland. In Westrhauderfehn baute er sich einen Viehhandel und ab 1960 einen Fleischgroßhandel auf. Der Sohn arbeitete zunächst als Geselle im Ruhrgebiet weiter, besuchte 1959 die Bayerische Fleischerschule in Landshut und machte dort seinen Meister.
Der Traum vom eigenen Fleischergeschäft
Am 17. März 1961 erfüllte sich Peter Schneider einen Traum. Zusammen mit seiner Verlobten Gisela Lüken eröffnete er ein Fleischerfachgeschäft an der Heisfelder Straße in Leer. Den Bund fürs Leben schloss das Paar am 30. März 1961. Mit dem Schritt in die Selbstständigkeit bewiesen die beiden großen Mut. Sie hatten kaum Geld. 100 Mark mussten allein für die monatliche Pacht des Ladens aufgebracht werden. Das war zu der Zeit sehr viel. In den damals in Leer ansässigen rund 20 anderen Fleischereien wurden Wetten darüber abgeschlossen, wie lange die Neulinge durchhalten würden.
13 Jahre sollten es sein. Dann wurde der gutgehende Laden aufgegeben, um den inzwischen in Ostrhauderfehn an der 1. Südwieke 49 aufgebauten Viehhandel und Fleischgroßhandel weiter auszubauen. Von dort aus wurden Großhändler, Supermärkte und Fleischereien im Landkreis Leer, im Emsland, im Ruhrgebiet bis runter nach Köln mit Fleisch beliefert. Die Schlachttiere kaufte Peter Schneider von Händlern und Bauern in Ostfriesland, im Emsland und im Cloppenburger Raum.
„Ein richtiger Haudegen“
Der Ihrhover Viehhändler Michael Kramer kannte Schneider von Kindesbeinen an. „Er kam früher schon immer zu meinem Vater und hat Tiere von ihm gekauft“, berichtet Michael Kramer. Später habe er dann selbst mit Peter Schneider gehandelt. „Er war ein ordentlicher Kerl, mit dem man gut handeln konnte. Ein richtiger Haudegen“, erzählt der Ihrhover, der Peter Schneider auch in dessen Ruhestand lange Zeit regelmäßig besucht hat.
Seit mehr als 25 Jahren kannte Christian Folkerts, Viehhändler aus Mitling-Mark, den Ostrhauderfehner Peter Schneider. „Er war ein sehr angenehmer Mensch, ein feiner Typ“, sagt Folkerts über ihn. Die beiden hätten häufig Geschäfte miteinander gemacht. Folkerts kann sich noch an einige Begegnungen mit ihm erinnern. „Als vor 26 Jahren mein zweitjüngster Sohn geboren wurde, kam er vorbei und hat ein Geschenk gebracht“, sagt der Mitling-Marker. Und im August vergangenen Jahres habe ihn Schneider trotz gesundheitlicher Probleme noch einmal besucht.
Der aktuelle Obermeister der Fleischer-Innung Leer, Markus Leggedör aus Weener, erinnert sich ebenfalls noch gut an Peter Schneider. „Meine Eltern, die aus derselben Generation sind, haben viel über ihn erzählt. Und ich selbst habe ihn in meiner Funktion als Obermeister bei den Senioren-Veranstaltungen kennenlernen dürfen. Er war gut drauf und eine strahlende Erscheinung. Er hatte immer viel zu erzählen“, berichtet Leggedör.
„Kann man sich von Urlaub ernähren?“
„Man muss für diesen Beruf geboren und mit Leib und Seele dabei sein“, betonte einst Peter Schneider, dem man früher nachsagte, er habe „Hände, die fester zupacken als ein Schraubstock“. Schneider hat seinen Beruf immer geliebt und ist in ihm aufgegangen. Er selbst sagte damals, bei Gesprächen über Freizeit stellten sich ihm die Nackenhaare auf. „Seine berühmt-berüchtigte Frage war immer wieder: ,Kann man sich von Urlaub ernähren?‘“, berichten Wegbegleiter von ihm.
Im Alter von 66 Jahren ging Peter Schneider in Rente, der Betrieb in Ostrhauderfehn wurde aufgegeben. Fortan hatte er Zeit, das zu tun, was er bis dahin nicht getan hatte: Er und seine Frau unternahmen Reisen. Beim Rückblick auf ein erfolgreiches Leben wog der Verlust eines ihrer drei Kinder sehr schwer und sollte nie überwunden werden. 1994 war ihr Sohn, der ebenfalls Peter hieß, bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen. Am 27. April 2024 ist ihm sein Vater in den Himmel gefolgt.