U17 der SpVg verliert DM-Hinspiel Rekordkulisse, besondere Gäste und ein bitteres Ende in Aurich
Die U17-Fußballerinnen der SpVg Aurich konnten beim 0:1 gegen Gladbach auf eine große Unterstützung zählen. Einige der 3410 Zuschauer kamen von weit her. Aurich muss sich ohne den Trainer auf das Rückspiel vorbereiten.
Aurich - Die Kulisse im Auricher Stadion am Ellernfeld war finalwürdig. 3410 Zuschauer kamen am Sonnabend zum Halbfinal-Hinspiel der Deutschen Meisterschaft der U17-Fußballerinnen – es war eine Rekordkulisse. Doch aufgrund eines ganz späten Gegentreffers rückte eine Endspielteilnahme für die SpVg Aurich ein bisschen weiter weg. Borussia Mönchengladbach gewann mit 1:0 und geht nun mit einem kleinen Vorteil in das Rückspiel am kommenden Sonnabend in Gladbach.
„Auf den ersten Blick ist das sehr bitter. Aber es ist ja quasi nur Halbzeit. Ich bin mir sicher, dass wir das ausgleichen können“, sagte Aurichs Torhüterin Paula Blum erstaunlich abgeklärt direkt nach dem Spiel. Vor einem Jahr war sie die Heldin, als Aurichs U17 im DM-Halbfinale gegen Eintracht Frankfurt vor 3270 Zuschauern im Elfmeterschießen gewann. Diesmal kamen sogar noch etwas mehr Interessierte. „Von der Stimmung her war es heute noch mal besser als gegen Frankfurt“, empfand Aurichs Trainer Stefan Wilts. „Es war lauter, es wurde mehr angefeuert.“ Immer wieder gab es Phasen, in denen getrommelt wurde und „Aurich, Aurich“-Rufe die Mannschaft unterstützten.
Politiker und Ex-Auricherinnen im Publikum
Unter den Zuschauern waren viele Familien und Nachwuchssportler. Auch die Politik war gut vertreten. Aurichs Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) war ebenso vor Ort wie Landtagsabgeordnete Saskia Buschmann (CDU) und einige Auricher Stadtratsmitglieder. Mit Interesse verfolgten auch ein paar Ex-U17-Spielerinnen Aurichs, wie sich ihre Nachfolgerinnen und ehemalige Mitspielerinnen so schlagen. Ana-Carolin Hoffmann (jetzt SV Meppen, 2. Bundesliga) und Alina Vogel (jetzt SV Elversberg, Regionalliga) trugen aus Verbundenheit ein Aurich-Trikot. „Ich hatte hier echt viele schöne Momente“, sagte die gebürtig aus Jever kommende Hoffmann. Sie war im Vorjahr als Torschützenkönigin eine Garantin für den Einzug der Auricher U17 in das Endspiel, das gegen Leverkusen mit 1:2 verloren gegangen war. „Ich drücke die Daumen, dass die SpVg wieder in das Finale kommt.“
Nach Abpfiff am Sonnabend sackten die meisten der Auricher Spielerinnen zu Boden, blieben längere Zeit auf dem Rasen sitzen – enttäuscht und erschöpft. Über die gesamte Spielzeit gesehen waren sie ebenbürtig mit dem West-Staffelsieger. Aurich hatte sogar die besseren Torgelegenheiten. Doch der Ball wollte irgendwie nicht rein, weder bei Direktabnahmen von Lucy Minne (17. Minute) und Janne Buck (43.) noch bei einer Doppelchance von Marie Ernst (56.). Auf der anderen Seite fing die aufmerksame SpVg-Torhüterin Paula Blum viele Gästeangriffe ab.
Familie Itgenshorst darf jubeln
Als sich alle fast schon mit einem torlosen Remis abgefunden hatten, gelang Gladbach doch noch der Lucky Punch. In der zweiten Minute der Nachspielzeit erlief sich Fiona Itgenshorst einen langen Ball und hob diesen aus 18 Metern über die herausgelaufene Blum ins Tor. Möglicherweise stand sie vorher knapp im Abseits. Der Treffer zählte. Aurichs Rekordkulisse erstarrte. Abgesehen von den rund 100 anwesenden Borussia-Anhängern, die laut jubelten.
Darunter waren auch Mama, Papa, Oma, Opa und die beiden Brüder von Torschützin Fiona Itgenshorst. Alle hatten ein Gladbach-Trikot an – natürlich mit mit der Nummer acht und dem Namen Itgenshorst hinten drauf. Sie waren drei Autostunden aus Kerken (NRW) angereist. „Die Kulisse war schon echt außergewöhnlich“, sagte Dieter Dappers, der Opa der Torschützin. Er blieb mit seiner Frau Angelika eine Nacht in Aurich und erkundete am Sonntag noch Carolinensiel. „Wenn wir schon einmal hier im Norden sind?“
Spieldaten
Aurich: Blum; Albring, Okoroh, Voß, Weber, Brühl, Hartstein, Ernst (59. Simonsen), Buck, Schalke (73. Manott), Minne (77. Gutheil).
Tor: 0:1 Itgenshorst (80. +2).
Stefan Wilts muss zum Trainerlehrgang
Auch die Auricher Spielerinnen hatten größtenteils viele persönliche Unterstützer im Stadion. Mit den größten Anhang hatte Stürmerin Lucy Minne. Ihre Mutter und ihr Bruder mit Freundin waren da sowie ihre ehemalige Mannschaft mit 14 Personen. „Die sind extra vier Stunden hier her gefahren. Gleich gehen wir noch Essen und dann müssen sie zurück“, erzählte Lucy Minne. Vorab wollte sie zwei für sie angefertigten Plakate noch eben in ihr WG-Zimmer über dem Auricher Vereinslokal „Hattrick“ bringen.
In der Vorbereitung auf das Rückspiel in Gladbach muss die SpVg Aurich derweil ohne Trainer Stefan Wilts auskommen. „Ich muss für meine Lizenz zum Lehrgang nach Dortmund“, sagt Wilts. Er darf den A+-Kursus des DFB mitmachen. „Gerne wäre ich zumindest ab Donnerstag beim Training gewesen. Doch ich konnte da nichts drehen.“ So wird Co-Trainer Thorben Cordes die täglichen Einheiten von Montag bis Freitag leiten, ehe es nach dem Freitagstraining nach Gladbach geht.
Der Sieger dieses Halbfinalduells zwischen Gladbach und Aurich hat im DM-Endspiel Heimrecht. Gegner sein wird entweder die TSG Hoffenheim, die das Hinspiel 1:0 gewann, oder der VfL Wolfsburg.