Leverkusen ist Deutscher Meister Bayer-Star Xhaka feiert mit „ostfriesischer“ Meisterschale
Ob aus Rhauderfehn, Moordorf, Wiesmoor oder der Krummhörn: Aus vielen Orten Ostfrieslands waren Leverkusen-Fans beim Meistergewinn im Stadion. Gleich zwei Ostfriesen trafen auf dem Rasen einen der größten Bayer-Stars.
Leverkusen - Aus Vizekusen wurde am Sonntag Meisterkusen – und zig Ostfriesen waren in Leverkusen mit dabei. Neben vielen Werder-Fans, die eine 0:5-Pleite ihrer Mannschaft sahen, erlebten auch einige Leverkusen-Anhänger aus der Region diesen historischen Tag live vor Ort. „Es war der beste Tag meines Lebens – abgesehen von familiären Ereignissen“, schildert Bayer-Fan Andreas Braun aus der Krummhörn.
Eine Sache fand der 50-Jährige cool, zugleich aber auch etwas schade: Nur Minuten nach Abpfiff der Fußball-Bundesliga-Partie gegen Werder Bremen und der feststehenden Deutschen Meisterschaft „verlor“ er seine extra vorher für 50 Euro bei Ebay ersteigerte Alu-Meisterschale. Granit Xhaka, einer der Garanten des Leverkusener Erfolgs und 2:0-Torschütze gegen Werder, hatte den Krummhörner gefragt, ob er ihm die Schale überlassen würde. „Bei ihm kann ich dann ja schlecht Nein sagen“, sagt Andreas Braun.
Rhauderfehner und Xhaka schreien sich an
Der 50-Jährige war mit seiner Frau Anne sowie den vier Kindern (11 bis 19 Jahre) am Sonntag in der BayArena, als Bayer Leverkusen der erste Meistertitel der Vereinsgeschichte gelang. Nach Schlusspfiff kullerten bei einigen Freudentränen, auch bei Andreas Braun. Parallel kam es zum mittlerweile nach einem großen Erfolg fast obligatorischen Platzsturm. Auch Familie Braun aus der Krummhörn lief auf den Rasen. „Nach wenigen Minuten begegnete ich dann Granit Xhaka, dem ich dann auf Nachfrage meine Schale überließ“, erzählt Andreas Braun. Als der Mittelfeldspieler aus der Schweiz mit der „ostfriesischen“ Schale in die Katakomben der BayArena verschwunden war und dort weiterfeierte, lieh sich Familie Braun für ein gemeinsames Foto die Schale eines anderen Bayer-Fans.
Mit Kai Frederichs aus Rhauderfehn begegnete ein weiterer Ostfriese Granit Xhaka auf dem Platz. „Ich bin ihm um den Hals gesprungen, wir haben uns aus purer Freude einfach angeschrien“, sagt der 31-Jährige Fehntjer, der seit zehn Jahren eine Dauerkarte in Leverkusen besitzt. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Leverkusener Mittelfeldspieler bereits die Schale von Andreas Braun in den Händen.
Nicht alle Fehntjer Fans bekamen Tickets
Kai Frederichs war einer der ersten Fans überhaupt, die am Sonntag auf den Platz stürmten. „Ich stand auf der Nordtribüne recht weit unten. Schon in der Schlussphase der Partie wurden unten die Tore vom Zaun geöffnet. Das 4:0 und 5:0 von Florian Wirtz hatte ich dann gar nicht mehr gesehen, weil ich dann in vierter, fünfter Reihe hinter dem Tor stand“, schildert Kai Frederichs.
Er war mit acht Leverkusen-Fans aus Rhauderfehn nach Leverkusen gefahren. Nur drei der acht konnten sich Tickets für das Spiel gegen Werder ergattern. Die anderen fünf schauten die Partie in einer naheliegenden Kneipe. Nach dem 5:0 konnten aber auch sie in die BayArena und auf den „heiligen Rasen“.
Großer Andrang Stunden vor dem Spiel
Das Spiel begann um 17.30 Uhr. Rund um das Leverkusener Stadion war aber schon viel eher viel los. „An der Bismarckstraße war schon um 13 Uhr alles voller Menschen“, schildert der Moordorfer Dennis Ennen. An jener Straße wurde der Bayer-Mannschaftsbus von zahlreichen euphorisierten Anhängern empfangen. Vor der Partie war klar, dass Bayer mit einem Sieg gegen Werder die Meisterschaft rechnerisch fix machen kann.
„Da flog schon Konfetti, die Stimmung war richtig geil“, erzählt Kai Frederichs. „Und dann haben wir es gegen Werder gewuppt. Seit 25 Jahren bin ich Fan, nun ist die Zeit des Leidens vorbei.“ Er wurde Bayer-Fan, als ihn sein Vater – der Werder-Fan war – einst mit zu einem Werder-Spiel gegen Leverkusen nahm. „Da fand ich Leverkusen irgendwie besser und wurde dann Bayer-Fan.“
Am Donnerstag geht es zum West-Ham-Spiel
Ein spezielles Spiel war es am Sonntag auch für das Wiesmoorer Paar Torsten und Heike Schoon mit den beiden Kindern Jannes (7) und Mattes (10). Torsten ist Werder-Anhänger und ging auch mit Werder-Schal ins Stadion, Heike ist glühender Bayer-Fan und war entsprechend gekleidet. Die beiden Jungs können sich zwischen den beiden Lieblingsklubs der Eltern noch nicht so richtig entscheiden. „Das war mega am Sonntag, Torsten ärgere ich mit unserem Sieg nicht“, sagt Heike Schoon. „Ich hoffe, dass Werder in der Bundesliga bleibt.“
Für manch einen Leverkusen-Fan aus Ostfriesland steht am Donnerstag schon das nächste Abenteuer an. Dann spielt Bayer im Viertelfinal-Rückspiel der Europa League bei West Ham in London. Unter anderem vor Ort dabei sind auch Dennis Ennen aus Moordorf, das Ehepaar Schoon aus Wiesmoor und vier Fans aus Rhauderfehn.