Mit Langholter Pastor „am Frühstückstisch“ Martin Sundermann hat Freude am Job, aber der Ruhestand lockt auch
Seine Frau ist Pastorin in Backemoor. Die beiden wollen in der Gegend bleiben und gucken schon mal nach einem neuen Zuhause – mit viel Platz für alte und neue Hobbys.
Langholt - Ein paar Jahre „muss“ er noch – zwei, um genau zu sein: Dann tritt Pastor Martin Sundermann den Ruhestand an. „Ich habe im Dezember Geburtstag“, sagt der 64-Jährige. Mit 66 Jahren und ein paar Monaten hat er das Renteneintrittsalter erreicht. „Das wäre am 1. März 2026“, erzählt er beim Frühstücksgespräch mit unserer Redaktion.
Auf den Ruhestand freut er sich schon. Nicht etwa, weil ihm die Arbeit als Seelsorger keinen Spaß mehr machen würde. „Ich mache meinen Beruf gerne. Es ist nicht so, dass ich sage: ,Ich muss hier raus´. Aber ich merke, dass ich auch älter werde, dass mir manche Dinge nicht mehr so gut von der Hand gehen. Und dass manches auch mühsam wird.“
Seine Familie ist in der Region verwurzelt
Sundermann ist Pastor der Kirchengemeinde Langholt, wie sie bis zum Jahreswechsel hieß. Seit der Kirchenfusion am 1. Januar 2024 ist es der Pfarrbezirk Langholt. Der 64-Jährige ist außerdem stellvertretender Superintendent des Kirchenkreises Rhauderfehn. Ursprünglich stammt er aus Rotenburg im Elbe-Weser-Dreieck. „Meine Familie ist aber hier in der Region stark verwurzelt. Meine Mutter kommt aus Emden, ist in Loga aufgewachsen, und die Familie meines Vaters stammt hier aus der Gegend. Die waren allesamt Pastoren hier in Ostfriesland – in Backemoor, Potshausen, Hesel, in Rhaude und überall. Von daher bin ich Dreiviertel Ostfriese, wie ich immer sage.“
Nach zwölf Dienstjahren in Stade an der Elbe, kam Sundermann nach Potshausen. „Das war in meiner Familie immer ein Begriff, weil da 70 Jahre lang mein Urgroßvater und Ururgroßvater Pastoren waren.“ Martin Sundermann übernahm damals die Leitung der Landvolkshochschule und war Gemeindepastor. „Das war eine schöne Zeit.“ In der Nachbarschaft hätten sich wirklich gute Freundschaften ergeben. „Und die halten immer noch. Wir haben dort einen Freundeskreis, mit dem wir zum Beispiel feiern, den Maibaum setzen und so. Das hat auch dazu geführt, dass wir hier in der Nähe geblieben sind“, sagt er.
„Unser Herz schlägt in Ostfriesland“
Nach zwölf Jahren in Potshausen wechselte er nach Langholt. Hier wirkt er seit 14 Jahren. Seine Frau ist seit 2011 Pastorin in Backemoor. „Ein schönes Dorf, mit einer alten Kirche und einer tollen Orgel von 1760 ungefähr“, sagt Sundermann mit einem Lachen: „Das finde ich besonders schön, weil ich auch Kirchenmusiker bin.“ Seine Kirche in Langholt hat zwar auch eine Orgel. „Aber nicht so eine tolle.“ Ulrike Sundermann wird knapp ein Jahr nach ihrem Mann in den Ruhestand gehen.
Schon jetzt gucken die beiden sich um nach einem neuen Zuhause. „Dies hier ist ja eine Dienstwohnung“, sagt Sundermann und guckt sich in der Küche des Hauses gleich neben der Trinitatiskirche an der Langholter Dorfstraße um. Klar ist für das Pastoren-Paar, dass das neue Zuhause in der Nähe sein soll. Dort, wo Sundermanns Freunde gefunden haben. „Unser Herz schlägt hier in Ostfriesland, für die Menschen und die Landschaft.“ Zweite Voraussetzung: Das neue Zuhause muss groß genug sein. „Wir brauchen Platz. Hier haben wir den ja: Unsere beiden Kinder sind aus dem Haus“, sagt Martin Sundermann. Der Platzbedarf liegt auch an seinen Hobbys, denen er im Ruhestand mehr Zeit widmen möchte.
Modelleisenbahn als Hobby entdeckt
Zum einen ist das die Musik. „Ich würde gerne wieder mehr musizieren, regelmäßig üben und mit anderen zusammen Musik machen. Das kommt jetzt ein bisschen zu kurz.“ Diverse Instrumente müssen untergebracht werden.
Das zweite Hobby ist ein relativ Neues: eine Modelleisenbahn. „Ich habe mir ein Starterpaket gekauft und damit ein bisschen herumprobiert. Ich glaube, das ist etwas für mich.“ Der Anfang seiner Sammlung steht im früheren Zimmer seiner Tochter.
Pfarrer in der 14. Generation
Und auch das dritte Hobby des Pfarrers ist raumgreifend: „Ich arbeite gerne mit Holz. Deshalb würde ich gerne noch einen Raum haben als Werkstatt.“ Derzeit arbeitet er, wenn es warm ist, draußen unter dem Carport. Da muss er sein Werkzeug aber immer wieder zusammenpacken. „Ein Raum, wo Sachen mal stehen lassen kann, wäre schön.“
Dass er Pfarrer werden würde, liegt bei seiner Familiengeschichte eigentlich nahe: „Ich bin die 14. Generation von Pfarrern in unserer Familie, die Geschichte geht bis zur Reformation zurück“, sagt er lachend. Sein Vater hat den Kindern vorgelebt, dass das ein toller Beruf ist. „Er hat sein ganzes Leben lang ausgestrahlt, dass er gerne Pastor ist. Er war als Pastor sehr liberal, sehr offen, nicht engstirnig oder frömmelnd.“ Zweiter Grund für seine Berufswahl sei die Musik gewesen: „Ich habe von Kindheit an in Chören gesungen und Kirchenmusik gehört. Als Kind und als Jugendlicher habe ich sehr viele Gottesdienste miterlebt, in denen wir als Chor gesungen haben. Darin wuchs auch meine innere Beziehung dazu.“
Der Pastor kann auch programmieren
Kurz hatte der junge Martin Sundermann aber auch eine andere berufliche Idee: „Mein ältester Bruder hat mich mal gefragt, als ich in der elften Klasse war, was ich werden will. Damals hatte diese ganze Digitalisierung noch nicht angefangen. Aber es gab die ersten programmierbaren Taschenrechner. Das hat mich immer fasziniert. Ich habe damals gesagt, dass ich gerne Programme schreiben würde, für Firmen, die Buchhaltung oder so. Für das, was ich machen wollte, gab es noch gar keinen Begriff.“ Technikaffin ist Sundermann noch heute. Immer „schleppe er irgendetwas Neues“ an. Mit Geräten rund um den Computer habe er seine ganze Familie ausgerüstet. Und ab und an schreibt er sogar eigene Programme. „Dabei muss man sich sehr konzentrieren. Und wenn es am Ende klappt, ist das ist ein riesiges Erfolgserlebnis.“ Beruflich lenkte er damals aber ein: „Mein Bruder riet mir davon ab, weil das keine Zukunft habe.“
Heute, sagt er, könne man durchaus die Frage stellen, ob Kirche eine Zukunft habe. Sundermanns Antwort darauf: „Ja, das ist meine Überzeugung. Es wird sich sicherlich was ändern. So wie Kirche jetzt ist, wird sie keine lange Zukunft mehr haben. Aber das, was Kirche ausmacht, nämlich in der Welt von Gott und von Jesus Christus zu reden, dass das wird nicht weniger werden. Ich finde es immer beruhigend, einen Blick in die weite Welt zu tun. Und zu sehen, dass überall auf der Welt Kirche in völlig unterschiedlichen Formen existiert.“
Die nächsten Generationen sind gefragt
Auch vor dem Hintergrund des Wandels und der Herausforderungen für die Kirche ist Sundermann froh, dass er bald den vereinten Ruhestand antreten kann: „Weil ich in einer gänzlich anderen Kirche angefangen habe und aufgewachsen bin, als wir sie jetzt haben. Ich bin froh, dass ich diesen Umbruch-Prozess, der noch vor uns liegt, nicht mehr mitgestalten muss. Ich bin froh, dass ich noch in einem einigermaßen funktionierende System bin. Jetzt müssen die nächsten Generationen sagen, wie sie Kirche haben wollen.“