Natur im Kreis Cloppenburg Politischer Streit um Rodung eines Wäldchens in Barßel
Während CDU/FDP für die Abholzung eines baureifen Grundstücks stimmen, sind SPD, BFB und Grüne vehement gegen diese Maßnahme. Darum sollen die Gehölze in der Nähe des Hafens in Barßel weichen.
Barßel - Beim Hafen in Barßel sollen auf einer gemeindeeigenen Fläche an der Deichstraße/Ecke Fasanendamm Bäume und Gehölze entfernt werden. Das hat der Verwaltungsausschuss (VA) am Mittwoch beschlossen. Die Mehrheitsfraktion CDU/FDP setzte sich dabei durch. SPD, Bürgerfraktion Barßel und Bündnis90/Die Grünen hingegen sind gegen die Abholzung. „Wir beziehen klare Position gegen die Rodung des Wäldchens zum jetzigen Zeitpunkt und sehen keine tragbaren Argumente, die für den Beschluss sprächen“, teilte Hannes Coners von den Barßeler Grünen in einer Stellungnahme mit. Es gebe gute Gründe, die Fläche nicht abzuholzen.
Bürgermeister Nils Anhuth (parteilos) bestätigte auf Anfrage dieser Redaktion den Beschluss des VA, der nicht öffentlich tagt. Nach der Rodung solle die Oberfläche mit einem Forstmulcher bearbeitet werden. Hintergrund sei wohl der Wunsch nach einer „Herstellung eines baureifen Grundstückes“, teilte Anhuth mit und ergänzte: Diesen mehrheitlichen Beschluss werden wir zu gegebener Zeit umsetzen, aber nicht innerhalb der nächsten Tage (bis zum 29. Februar). „In den kommenden Gremiensitzungen werden wir ausgehend von dem in dieser Woche getroffenen Beschluss erörtern lassen, wie die künftige Nutzung der Fläche aussehen kann/soll“, so Anhuth.
Fläche ist „Sondergebiet „Hotel“
Grundsätzlich handelt es sich nach Angaben von Nils Anhuth bei dieser Fläche um das Sondergebiet „Hotel“. Dort seien Einrichtungen wie Hotels/Beherbergungsbetriebe, Restaurants, Tourist-Informationen, Reisemobilparkplatz oder andere touristische Einrichtungen, die den maritimen Gebietscharakter des Hafenareals unterstreichen, zulässig. Pläne dafür gibt es bereits seit 2012. Die in Rede stehenden Gehölze sind nach Angaben des Bürgermeisters bei der Aufstellung des Bebauungsplanes Nr. 89 (Barßel – Am Hafen) bereits durch eine Neuanpflanzung an der Deichstraße kompensiert worden. Sie seien seinerzeit aber noch nicht abgeholzt worden.
Grüne sehen keine Notwendigkeit für die Maßnahme
Nach Ansicht der Grünen bestehe keine Notwendigkeit für eine Rodung der Fläche. „Seit langem steht die Fläche schon zum Verkauf. Zusagende Interessenten konnten bislang nicht gefunden werden. Bei der aktuellen Wirtschaftslage und dem relativ hohen Kreditzins, gehen wir auch nicht davon aus, dass sich hieran etwas in absehbarer Zukunft ändern wird“, teilte Hannes Coners mit. „Aus den Erfahrungen der vergangenen Verkaufsverhandlungen wissen wir, dass es seitens der Käufer Interesse gab, einen Teil der Bäume stehenzulassen und in die Projektvorhaben zu integrieren.“ Der Eingriff in den Baumbestand sei auch nach einem Verkauf des Grundstücks möglich.
SPD und BFB sprechen von einer Nacht- und Nebelaktion durch den VA. Ratsfrau Waltraud Frerichs (BFB) sagte, es werde etwas über Nacht entschieden, „damit die Bevölkerung nichts weiß. Es wäre verwunderlich, wenn jemand hier ein Hotel baut. Bisher gibt es keinen Investor. Warum die Eile?“
Ratsfrau Julia Thoben (SPD) merkte spitz an: „Die Wohnmobilisten werden sich freuen, wenn der Wald weg ist. Dann können die Camper bis Barßel schauen.“
Ratsherr Hartmut Wrede (SPD): „Das ist schon merkwürdig. Da wird im VA entschieden, ohne das in den Ausschüssen zu beraten. Das darf und kann doch nicht sein.“
Das sieht Johannes Geesen von der CDU/FDP Gruppe ganz anders. „Die Fläche ist für die touristische Nutzung vorgesehen. Es ist nicht die Sprache von einem möglichen Hotelbau. Das kann auch anders genutzt werden. Das Wäldchen hat keinen Nutzen und ist einfach so gewachsen. Schön sieht es nicht aus. Es muss wieder vernünftig hergerichtet werden“, sagt Geesen. Zudem würde das Wäldchen immer mehr genutzt werden, um Abfälle zu entsorgen.