Flüchtlingsquote in Cloppenburg  Bis Ende März werden weitere 200 Menschen erwartet

| | 12.01.2024 15:53 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Geflüchtete gehen zur Landesaufnahmebehörde Niedersachsen am Standort Braunschweig. Das Land muss eine Aufnahmequote erfüllen. Die sieht vor, bis Ende März weitere 664 Menschen im Landkreis Cloppenburg unterzubringen. Foto: DPA
Geflüchtete gehen zur Landesaufnahmebehörde Niedersachsen am Standort Braunschweig. Das Land muss eine Aufnahmequote erfüllen. Die sieht vor, bis Ende März weitere 664 Menschen im Landkreis Cloppenburg unterzubringen. Foto: DPA
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Immer noch suchen viele Menschen in Deutschland Schutz. Die Kommunen müssen sie unterbringen. In Saterland und Barßel sucht man dringend Wohnraum für Geflüchtete. Doch damit allein ist es nicht getan.

Saterland / Barßel / Cloppenburg - Die Unterbringung geflüchteter Menschen stellt die Kommunen aktuell nicht selten vor große Herausforderungen. Das betrifft auch die Gemeinden Saterland und Barßel im Nordkreis Cloppenburg.

Ziel der Gemeinde Saterland sei es, die Geflüchteten möglichst dezentral in Wohnungen im gesamten Gemeindegebiet unterzubringen. Das teilt Christof Naber mit, der als Leiter des Fachbereichs Ordnung und Soziales im Rathaus auch für Asylbewerberangelegenheiten zuständig ist.

Turnhallen als Unterbringung möglichst vermeiden

Die zentrale Unterbringung geflüchteter Menschen etwa in einer Sporthalle sollte möglichst nicht erfolgen. Aus diesem Grund sucht die Gemeinde Saterland nach wie vor Wohnraum, möbliert oder unmöbliert, in verschiedenen Größen.

Die Gemeinde Saterland tritt dabei als Mieter auf und entscheidet über die Belegung der Räumlichkeiten, erläutert der Sozialamtsleiter. Für den Vermieter biete dies langfristige sichere Mietzahlungen.

Sozialamt besichtigt Wohnraum

Wer über Wohnraum verfügt, den er für geflüchtete Menschen zur Verfügung stellen möchte, den bittet Naber, umgehend mit ihm unter Telefon 04498/940130, oder per Mail an naber@saterland.de, oder seinem Kollegen Marcel Andreß, Telefon 04498/940181, Mail-Adresse andress@saterland.de Kontakt aufzunehmen.

Nach einer Wohnungsbesichtigung und Abstimmung der Mietkonditionen, werde geprüft, ob der Wohnraum für die geplanten Zwecke in Betracht kommt.

Keine Wohncontainer gekauft

Im Herbst 2022 hatte der Saterländer Rat beschlossen, für 250.000 Euro zehn Mobilheime als Unterkunft für Geflüchtete anzuschaffen. Sie sollten im Strücklinger Wohngebiet Loange Fäilde aufgestellt werden, wo die Gemeinde nördlich des Utender Kanals III über drei Baugrundstücke besessen hatte.

Weil das Land Niedersachsen aber seine Quote für 2023 übererfüllt hatte, war die Anschaffung der Container zunächst ausgesetzt worden. Wie Saterlands Bürgermeister Thomas Otto jetzt mitteilte, wurde der Liefervertrag in beiderseitigem Einvernehmen aufgehoben, so dass die Gemeinde auch die Kosten für die Mobilheime eingespart hat.

Knapp 200 Leute werden bis Ende März noch erwartet

Doch inzwischen gibt es eine neue Quote an Flüchtlingen, die im Kreisgebiet untergebracht werden müssen. Von der aktuellen Zuweisungsquote von 664 Personen im Zeitraum Oktober 2023 bis Ende März 2024 „sind uns aktuell 475 Personen zugewiesen worden“, teilt Cloppenburgs Kreissprecher Frank Beumker mit. Vor Weihnachten waren im Landkreis Cloppenburg 726 Asylbewerber registriert. Die meisten Antragsteller stammen laut Beumker aus Syrien, Afghanistan, der Türkei und Kolumbien. Auch die Antragsteller aus Afrika nähmen zu, wobei dabei kein geografischer Schwerpunkt auszumachen sei.

Die aktuell angekündigte Aufnahmequote bis zum 31. März 2024 von 664 Flüchtlingen werde voraussichtlich noch untergebracht werden können, teilt der Kreissprecher mit. Aber einige Kommunen stießen bereits an ihre Grenzen, Wohnraum für die Flüchtlinge zu akquirieren. Auch seien Städte und Gemeinden auf Engagement der Bürger angewiesen, sich ehrenamtlich für Flüchtlinge einzusetzen.

Integration ist mehr als nur Wohnen

Bei der Aufnahme geflüchteter Menschen gehe es ja nicht nur um die Fragen der Unterbringung und Versorgung, stellt Beumker fest, sondern auch um die Betreuung und Integration dieser Menschen. „Hier liegt die weitaus größere Herausforderung, vor allem wenn es darum geht, beispielsweise unbegleitete minderjährige Geflüchtete aufzunehmen. Bereits jetzt sind wir in Schulen, Kindergärten, Krippen und anderen Einrichtungen an die Grenze gekommen, um diesen Ansprüchen angemessen gerecht werden zu können.“

Die Gemeinde Saterland hat nach der aktuellen Zuweisungsquote insgesamt 88 Geflüchtete aufzunehmen. 42 dieser Personen habe die seine Gemeinde bereits aufgenommen, teilt Sozialamtsleiter Naber mit, und sie in gemieteten Wohnungen untergebracht. Bis Ende März 2024 seien noch 46 weitere Geflüchtete aufzunehmen.

Saterland hat Sozialarbeiterstelle ausgeschrieben

Für rund 25 Personen stehe aktuell noch Wohnraum zur Verfügung. In den vergangenen Wochen seien der Gemeinde immer wieder Mietwohnungen angeboten worden. Dafür sei die Gemeinde Saterland sehr dankbar, so Naber. Eine Container-Lösung sei noch nicht angedacht, könne bei entsprechendem Bedarf aber nicht ausgeschlossen werden.

Aktuell kümmern sich die Mitarbeitenden des Sozialamtes um die Ankommenden in Saterland. Die Gemeinde habe eine Sozialarbeiterstelle ausgeschrieben, so Naber. Diese Kraft solle sich um die Anliegen der Ausländer/innen kümmern, aber auch die Betreuung der Geflüchteten übernehmen und so das Team im Sozialamt entlasten.

Barßel sucht Wohnraum übers Internet

In der Nachbargemeinde Barßel müssen bis Ende März weitere 95 Personen aufgenommen werden, teilt Andre Schröder vom Sozial-, Standes-, Ordnungs- und Meldeamt mit. Auch in Barßel sei man dringend auf der Suche nach Wohnraum, um die Geflüchteten unterzubringen. Den Erfolg bisheriger öffentlicher Aufrufe bezeichnet Schröder als mäßig und erklärt: „Wir sind aktiv auf der Suche über Internetportale.“ Auch Barßel legt Wert darauf, die Menschen dezentral, also über das gesamte Gemeindegebiet verteilt, unterzubringen. Wohncontainer würden aktuell nicht genutzt, so Schröder.

Der Wohncontainer, den die Gemeinde Ende 2021 für rund 30.000 Euro angeschafft und beim Bauhof aufgestellt hat, diene nicht als Flüchtlingsunterkunft, präzisiert Schröder. Er sei zur kurzfristigen Unterbringung Obdachloser gedacht.

Nur das Nötigste kann bewältigt werden

Auch Schröder geht auf die Problematik ein, dass es mit Wohnraum alleine nicht getan sei, um Menschen zu integrieren. Aktuell könne in Barßel das Nötigste für die Asylbewerber gewährleistet werden. Das seien neben der Bereitstellung einer Unterkunft, Informationen zu Ärzten, Gewährung von Asylleistungen und Beratung bei allgemeinen Fragen via Internetübersetzer. Zeitlich sei allerdings nur das Abarbeiten der notwendigen Angelegenheiten möglich. Eine darüber hinausgehende Betreuung oder Beratung der Asylbewerber sei nicht möglich.

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