Protest der Landwirte  An vielen Orten Proteste gegen die Ampel-Sparpläne

Die Demonstranten drehten mehrere Runden am Untenende. Dieses Foto wurde mittags aufgenommen. Foto: Hellmers
Die Demonstranten drehten mehrere Runden am Untenende. Dieses Foto wurde mittags aufgenommen. Foto: Hellmers
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An der bundesweiten Protestaktion an diesem Montag, 8. Januar, haben sich Landwirte und andere Protestierende aus dem Oberledingerland und aus dem Saterland und Barßel beteiligt. Ein Überblick.

Rhauderfehn/Ostrhauderfehn/Großwolde - An der bundesweiten Protestaktion an diesem Montag, 8. Januar, haben sich Landwirte und andere Protestierende aus dem Oberledingerland und aus dem Saterland und Barßel beteiligt.

Beim C-Port in Sedelsberg trafen sich Landwirte, die aus Strücklingen in Richtung Süden gefahren sind..Foto: Preut
Beim C-Port in Sedelsberg trafen sich Landwirte, die aus Strücklingen in Richtung Süden gefahren sind..Foto: Preut

Das ist passiert: Bereits um 6 Uhr sind von Großwolde aus nach Auskunft von Bernhard Bekebrok, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Zweigvereins Ihrhove und Umgebung, etwa 60 Landwirte und 15 Lastwagen über die Bundesstraße 70 nach Leer und dann weiter nach Hesel gefahren. Um 9 Uhr fuhr eine zweite Gruppe von rund 40 Landwirten von Großwolde aus nach Hesel los. Dort versperrten Teilnehmer aus dem gesamten Kreisgebiet die vielbefahrene Kreuzung B72/B436/L24.

Auch zahlreiche Firmen aus dem Rhauderfehner Gewerbegebiet unterstützten die Landwirte. Foto: Ammermann
Auch zahlreiche Firmen aus dem Rhauderfehner Gewerbegebiet unterstützten die Landwirte. Foto: Ammermann

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Bauern-Proteste in Ostfriesland
08.01.2024

„Das Baugewerbe unterstützt unsere Landwirte“ - unter diesem Motto beteiligen sich auch zahlreiche Firmen aus dem Rhauderfehner Gewerbegebiet und weitere Unternehmen an der Protestaktion der Landwirte. Zusammen mit Landwirte drehte der Konvoi einige „Ehrenrunden“ auf der Bundesstraße 438 zwischen Rhauderfehn (Foto) und Ostrhauderfehn und auch innerhalb von Rhauderfehn. Die Organisatoren hatten rund 100 Fahrzeuge angemeldet. Die Fahrzeugkolonne, bestehend aus Trecker, Lastwagen und Bullis, sorgte so für für ein Verkehrschaos. Dabei war zwischenzeitlich auch immer mal wieder der Kreisel bei der Hoffnungskirche verstopft. Die Verantwortlichen der Protestaktion und auch die Polizei sorgten dann dafür, dass der Kreisel wieder befahren werden konnte. Der Landkreis Leer als zuständige Versammlungsbehörde hatte zur Auflage gemacht, dass der Kreisel frei bleibt, damit er durchfahren werden kann, um auf die 1. Südwieke, den Rajen oder die Rhauderwieke abbiegen zu können.

Am frühen Morgen ging es über die B438 nach Ostrhauderfehn. Foto: Hellmers
Am frühen Morgen ging es über die B438 nach Ostrhauderfehn. Foto: Hellmers

Die Gruppe, die im Rhaudermoorer Gewerbegebiet gestartet war, fuhr mit ihrem kilometerlangen Tross – wie ein Teilnehmer berichtete – bis zum Kreisel in Strücklingen und kehrte dort um. Immer wieder standen an den Straßen Passanten. Ein Radfahrer fuhr gegen 7.50 Uhr am Ostrhauderfehner Rathaus vorbei und rief in Richtung Verwaltung: „Ihr habt Schuld“.

An zahlreichen Treckern waren Protestplakate befestigt. Foto: Ammermann
An zahlreichen Treckern waren Protestplakate befestigt. Foto: Ammermann

Eine dritte Gruppe mit 70 bis 90 Demonstranten startete in Idafehn und fuhr Richtung Hesel. Darunter waren auch rund 20 Mitglieder der Landjugend Holter Jollys, wie Vorsitzender Lukas Haskamp berichtete. Weitere Landjugendmitglieder hätten sich anderen Gruppen angeschlossen. Von Idafehn aus sei es nach Hesel gegangen. „Da waren schon sehr viele Trecker“, sagte Haskamp gegen Mittag am Telefon. Gemeinsam sei man nach Leer gefahren, wo er zum Zeitpunkt des Telefonats an der Bremer Straße stand: „Dort gibt es kein vor und zurück.“

Am Schulzentrum in Westrhauderfehn holten die Busse gegen Mittag die Kinder wieder ab. Foto: Hellmers
Am Schulzentrum in Westrhauderfehn holten die Busse gegen Mittag die Kinder wieder ab. Foto: Hellmers

Zurück zu den Landwirten aus Westoverledingen, die um 6 und um 9 Uhr von Großwolde aus Richtung Hesel gefahren sind: An zahlreichen Treckern waren Protestplakate befestigt worden. „Es Reicht!!! Jetzt ist Schluss mit Lustig“ oder „Ist der Bauer ruiniert, wird das Essen importiert“ war darauf zu lesen. Bernhard Bekebrok, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Zweigvereins Ihrhove und Umgebung, machte deutlich, dass die Landwirte mit der Gesamtsituation nicht zufrieden seien. „Auch die jetzt verkündeten Zugeständnisse der Bundesregierung reichen nicht aus. Denn die Regierung hält zum Beispiel faktisch an der Streichung der Steuerbegünstigung beim Agrardiesel fest – sie wird nur gestreckt über mehrere Jahre“, sagte Bekebrok. „Für die Landwirte gibt es zum Diesel keine richtige Alternative, es gibt zum Beispiel noch keine E-Trecker, die in Serie vom Band laufen.“ Auch Wilhelm Müntinga-Busemann, Landwirt aus Grotegaste, befürchtet aufgrund der Pläne der Bundesregierung Wettbewerbsnachteile für die Landwirte.

Rund 40 Landwirte und Unternehmer sind gegen 9 Uhr von Großwolde aus nach Hesel gefahren. Foto: Ammermann
Rund 40 Landwirte und Unternehmer sind gegen 9 Uhr von Großwolde aus nach Hesel gefahren. Foto: Ammermann

So lief es in den Geschäften auf dem Untenende: Die Demonstranten haben den ganzen Tag das Untenende in Rhauderfehn befahren – und dort für Verkehrsbehinderungen und Staus gesorgt. Das hatte zum Teil Auswirkungen auf die Geschäfte vor Ort. „Es ist sehr wenig los“, sagte eine Mitarbeiterin des Edeka-Centers am Vormittag. Aber sie hätten damit gerechnet und dementsprechend weniger Personal eingeplant. Auf das Geschäft Sibo Müller haben die Proteste keine Auswirkungen, so Sibo Müller am Nachmittag. Es gebe kaum einen Unterschied zu anderen Tagen.

Mit rot-weißen Bändchen zeigten einige Autofahrer ihre Unterstützung bei der Demonstration.
Mit rot-weißen Bändchen zeigten einige Autofahrer ihre Unterstützung bei der Demonstration.

Das Nautikum hatte hingegen die Öffnungszeiten gekürzt: „Aufgrund der aktuellen Lage werden wir am Nachmittag den Laden schließen.“ Das war auf einem Aushang zu lesen. „Ein paar Eiserne nehmen die Umwege in Kauf“, sagte Insa Thoben vom Blumenladen „Die Floristen“. „Wir haben Verständnis“, sagte die Inhaberin, „aber das geht jetzt auf unsere Kosten.“ Sie wisse aber selbst auch keine bessere Lösung. Zwei Auszubildende der Volksbank verteilten am Kreisel Kaffee und Kekse. „Das war relativ spontan“, sagte ihre Ausbilderin Daniela Heyenga, „als kleine Unterstützung vor Ort.“ Viele der Kunden würden sich beteiligen oder auf dem Weg zur Volksbank in die Protestaktion geraten.

Die Volksbank verteilte Kaffee (von links): Daniela Heyenga, Christian Daubert und Martina Makaresz. Foto: Cordes
Die Volksbank verteilte Kaffee (von links): Daniela Heyenga, Christian Daubert und Martina Makaresz. Foto: Cordes

Busse, Müllabfuhr und Pflegedienst in Rhauderfehn: Katrin Wasserthal arbeitet für den Pflegedienst Martina Park und Team aus Langholt und musste dafür den blockierten Kreisel befahren. „Dennoch hat man mich durchgelassen und freundlich hereingewunken“, schrieb sie der Redaktion. Auch beim Schul- und Linienbusverkehr kam es in Rhauderfehn zu Behinderungen. Nach Auskunft von Markus Wiening, Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe des Landkreises Leer (VLL) mit Sitz in Rhauderfehn, ist die Busverbindung von Rhauderfehn nach Leer um 7.30 Uhr ausgefallen. „Es war alles zu, wir konnten mit dem Bus nicht losfahren“, sagte Wiening. „Es kam immer wieder aufgrund von Verkehrsbehinderungen zu Verspätungen, auch im Schulbusverkehr“, so Wiening. Auch der Landkreis Leer teilte auf Anfrage mit, dass es im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) aufgrund der Blockaden, wie erwartet, zu massiven Verspätungen und Ausfällen geführt habe. „Viele Schülerinnen und Schüler sind heute nicht zum Unterricht gegangen. Der Landkreis hatte aufgrund der besonderen Umstände zuvor darauf hingewiesen, dass Eltern selbst entscheiden können, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken oder lieber zu Hause behalten möchten“, teilte Landkreissprecher Philipp Koenen mit. Nach seinen Angaben hatte zudem der Winterdienst des Straßen- und Tiefbauamtes in der Nacht früher angefangen und sei so auf den Kreisstraßen gut durchgekommen. „Auch die Müllabfuhr meldete bis zum Nachmittag keine nennenswerten Schwierigkeiten“, so der Landkreissprecher.

Schulen im Oberledingerland: An den Schulen im Oberledingerland hatten die Demos bislang keine größeren Auswirkungen. An der Schule am Osterfehn in Ostrhauderfehn lief der Schulebtrieb „ganz geregelt“ ab, wie Leiter Ludger Mählmann berichtet. Aus der Elternschaft habe es am Wochenende lediglich eine Anfrage zum Unterricht gegeben. „Auch die Busse sind gefahren – auch wenn es die ein oder andere Verzögerung gab“, erklärt Mählmann.

Beim Albrecht-Weinberg-Gymnasium in Rhauderfehn hätten ebenfalls nur vereinzelt Schüler gefehlt. „In einigen Klassen waren es ein paar mehr, in anderen weniger“, so der stellvertretende Schulleiter Axel Bunjes. Doch das sei nicht dramatisch gewesen. Die große Mehrzahl der Schüler wäre zum Unterricht erschienen.

Auch am Schulzentrum Collhusen verlief der erste Tag nach den Weihnachtsferien fast planmäßig. Schulleiter Rainer Bruns sagte am Montagmittag: „Der Unterricht lief wie gewohnt ab. Fast alle Schüler waren da. Und bei den Lehrern gab es nur eine Kollegin, die etwas später da war, weil sie aus Oldenburg kommt und eine längere Anreise hat.“

In Cloppenburg: Nicht nur im Oberledingerland, sondern auch im Landkreis Cloppenburg gab es viele Protestaktionen gegen die Politik der Ampelregierung. Mehr als 500 Landwirte haben sich dabei am Montagnachmittag in Cloppenburg auf dem Marktplatz zur Demonstration gegen die Sparpläne Koalition versammelt.

„Wir fordern die komplette Rücknahme des Belastungspakets“, sagte Hubertus Berges, der Vorsitzende des Cloppenburger Kreislandvolkverbandes. Er sprach als erster von drei Rednern zu den Landwirten, die sich vor der Bühne – dafür wurde die Ladefläche eines Futtermittel-Lkws genutzt – versammelt hatten. Dabei waren auch viele Landwirte, die morgens aus Strücklingen losgefahren waren. Auf vielen der Fahrzeuge waren Schilder mit mahnenden Sätzen wie „Ohne Bauern keine Zukunft“ oder „Junglandwirt auf der Suche nach Zukunft“ zu lesen.

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Landwirte protestieren am 8. Januar in Ostfriesland
08.01.2024

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