Hochwasser im Saterland Vorsorglich wurden im Saterland Hunderte Sandsäcke befüllt
Die Feuerwehren sind auf eine neue Hochwasserlage eingestellt. Rund 2800 Sandsäcke liegen bereit. Kritik übt Bürgermeister Thomas Otto an der Kommunikation in der Krise rund um Weihnachten.
Saterland/Kreis Leer – Im Nordkreis Cloppenburg hat sich die Hochwasserlage entspannt. Im Saterland ist die Sagter Ems trotz der jüngsten starken Niederschläge wieder in ihrem Flussbett. Weihnachten hatten sich etliche Wiesen und Felder in eine Seenlandschaft verwandelt. Große Schäden habe es aber nicht gegeben, sagt Bürgermeister Thomas Otto. „Abgesehen mal von feuchten Kellern oder Wasser in Gärten, ist mir nichts bekannt.“
Wegen der Hochwasserlage im Südkreis gebe es regelmäßig eine Lagebesprechung der Bürgermeister mit der Kreisverwaltung in Cloppenburg. Von der Situation im Südkreis sei das Saterland aber nicht betroffen. „Ich weiß schon, dass es wegen des Hochwassers an der Hase mehr brennt“, sagt Otto. „Aber wir entwässern in Richtung Leda. Da ist die Kommunikation seitens des Landkreises Leer nicht gut. Ich würde gerne wissen, wie die Situation dort ist, damit wir uns rechtzeitig auf Extremlagen vorbereiten können. Wir reden immer über Katastrophenschutz-Pläne, aber es hapert schon in der Kommunikation.“ Wer wann und wo welchen Hut aufhabe, sei nicht geregelt.
Feuerwehren sind vorbereitet
Am 15. Januar könnte auch über das Thema gesprochen werden. Dann treffen sich im Landkreis Leer alle Verantwortlichen zu einer Nachbesprechung der Hochwasserlage. Das sagte Geschäftsführer Meino Kroon vom Leda-Jümme-Verband. Zu dem Verband hatte Otto auch Kontakt aufgenommen. Das seien gute Gespräche gewesen.
Im Saterland sind die Feuerwehren Ramsloh und Scharrel auf eine mögliche neue Hochwasserlage eingestellt, betonte Bürgermeister Otto. Hunderte Sandsäcke seien befüllt worden. Das bestätigte auch Gemeindefeuerwehrsprecher Thomas Giehl auf Anfrage: „Bei der Feuerwehr Scharrel sind noch 300 Sandsäcke verlastet, in Sedelsberg bei der Deponie sind es etwa 2500 Sandsäcke.“
Flussauenlandschaft an Sagter Ems geplant
Das Hochwasser bringt im Saterland auch ein altes Thema wieder nach vorne: Seit 2012 werden Pläne für eine naturnahe Flussauenlandschaft in Strücklingen verfolgt. „Da sollten wir nun mit Hochdruck rangehen“, sagt Bürgermeister Otto. „Alle dafür benötigten Flächen sind inzwischen in Gemeindehand. Die letzten haben wir im Herbst 2023 gekauft.“
In die Maßnahme mit eingebunden ist der Leda-Jümme-Verband. „Wir begrüßen diese Pläne. Das würde den Flutraum vergrößern. Den Hut auf hat die Gemeinde Saterland. Sie muss die Entscheidung über den Bau treffen“, sagte Geschäftsführer Meino Kroon.
Für die geplante naturnahe Flussauen-Landschaft ist in Strücklingen ein rund 25 Hektar großes Feuchtgrünlandgebiet zwischen der Klosterstraße und der Sagter Ems, nördlich der Wittensander Straße bis hoch zum Klosterbusch in Bokelesch, vorgesehen. Dort soll in einem Teilbereich der Deich der Sagter Ems abgetragen werden, neue Deiche zwischen dem Fluss und der Klosterstraße müssten gebaut werden. Ob der Zufluss in diese Fläche reguliert wird oder nicht, steht noch nicht fest.
Aus der Not entstanden
Das Planungsbüro Diekmann, Mosebach und Partner aus Rastede ist seit mehr als zehn Jahren mit diesem Projekt der Renaturierung der Flussaue der Sagter Ems befasst. Entstanden sind die Pläne, als es im Saterland einen Kompensationsflächen-Notstand gab. Die Gemeinde erhofft sich durch diese Renaturierungsmaßnahme finanzielle Vorteile. Denn in diesem Bereich von Utende hat die Kommune einen Kompensationsflächenpool entwickelt. Diese Ausgleichsflächen könnten durch die Schaffung einer Auenlandschaft aufgewertet werden. In dem Fall müsste die Gemeinde bei künftigen Eingriffen in Natur und Landschaft weniger Ausgleichsflächen hinzukaufen.
„Alternativ könnten wir Fördermittel für diese Maßnahme beantragen. In dem Fall müssten wir aber auf Kompensationspunkte verzichten“, sagte Otto. Das sollten wir jetzt zeitnah entscheiden.“
Vorbild für das Projekt sind die ebenfalls von Diekmann, Mosebach und Partner umgesetzten ökologischen Maßnahmen zur Entwicklung naturnaher Auenlandschaften am Löninger Mühlenbach und am Aper Tief.