Keine Laternen in Ihren Kinder müssen im Dunkeln zur Grundschule
Junge Eltern am Patersweg-Nord fürchten um die Sicherheit ihrer Kinder. An der Kreisstraße stehen keine Laternen. Anwohner hatten sich geweigert, die Kosten dafür mitzutragen. Nun ist das ein Problem.
Ihren - Es sind einige junge Eltern, die sich an diesem Novembernachmittag mit ihren Kindern am Patersweg-Nord in Ihren versammelt haben. Sie alle sind dort zu Hause, und sie eint ein gemeinsames Anliegen. Auf den Punkt bringt das Tebbe Bertus für seinen kleinen Sohn: „Freyd will hier Licht und Tempo 50“, sagt der junge Vater mit Nachdruck. Noch wird der Einjährige im Kinderwagen gefahren. Doch wenn er etwas älter wird, will Freyd die Umgebung auf eigenen Beinen erkunden, so wie die Nachbarskinder jetzt schon.
Entlang der Straße stehen keine Laternen, und es gilt Tempo 70, wenn auch nicht überall. Jetzt in der dunklen Jahreszeit wird die unbeleuchtete Straße, auf der viele Autofahrer zügig unterwegs sind, für Kinder zum Problem. Nicole Oltmanns und ihr Mann Thomas haben 2013 am Patersweg-Nord gebaut. Inzwischen haben sie zwei Töchter. Lina ist acht Jahre alt, Emma fast sieben. Morgens im Dunkeln bringt Nicole Oltmanns ihre beiden Mädchen aus Sicherheitsgründen lieber mit dem Auto zur Grundschule nach Ihren. Weit ist der Schulweg zwar nicht, nur gut zwei Kilometer. Aber eine gefährliche Strecke, wie sie findet. Ihr Mann Thomas ist in Ihren aufgewachsen. Er sei damals mit dem Rad zur Schule gefahren, erzählt der 47-Jährige. Aber das seien andere Zeiten gewesen. Mehr Kinder, weniger Verkehr, insgesamt gemächlicher.
Schulkinder werden mit dem Auto gebracht
Auch die anderen Mütter, die sich für Laternen am Patersweg-Nord einsetzen, fahren ihre Kinder morgens mit dem Auto zu Schule und Kindergarten. Die Krippe Wolkenstürmer liegt auf demselben Grundstück wie die Grundschule an der Ihrener Straße. Auch der Kindergarten Kinnerhuus der evangelisch-reformierten Kirche in Ihrenerfeld befindet sich unweit davon an der derselben Straße. Es sei „eine super Fahrradstrecke“ stellt Lisa Venenga fest, schon wegen der Fußgängerampeln. Ihr Mann begleite Sohn Henri deswegen morgens mit dem Rad zur Schule.
Von der Schule wird dieses Vorgehen begrüßt. „Wir unterstützen es sehr, dass Kinder selbstständig zur Schule kommen“, erläutert Silke Abbes, die die Grundschule Ihren seit 2013 leitet. Aus diesem Grund habe man extra den Schul-Express eingerichtet. Das seien Treffpunkte im Ort, an denen die Grundschüler morgens zusammenkommen, um gemeinsam die Schule zu erreichen. An der Ihrener Straße, wo sich die Grundschule befindet, seien Radweg und Beleuchtung vorhanden, so Abbes. Am Patersweg-Nord sei das anders.
Anlieger wollen Kosten nicht tragen
Im Winter, weiß die Schulleiterin, fahren deshalb weniger der 63 Schulkinder ihrer Einrichtung mit dem Rad. Das hänge sicherlich auch mit der Beleuchtungssituation zusammen. Immer wieder komme es im Verkehr zu brenzligen Situationen, berichtet Abbes. Kinder kämen im Dunkeln von der Straße ab auf den Grünstreifen. Dann säßen sie dort auf dem Boden, hätten sich womöglich wehgetan. „Das verunsichert“, sagt die Schulleiterin. Aber Silke Abbes ist bewusst, dass die fehlenden Laternen am Patersweg ein schwieriges Thema sind.
Dabei geht es um Erschließungskosten. Die wollen viele Anlieger nicht zahlen.
40 Prozent müssen die Anwohner zahlen
„Mit dem Thema Straßenbeleuchtung am Patersweg hat sich die Gemeindeverwaltung in der Vergangenheit schon mehrmals auseinandergesetzt“, teilt dazu Kirsten Beening mit, Sprecherin der Gemeinde Westoverledingen, zu der Ihren gehört. „Aufgrund der Straßenausbaubeitragssatzung der Gemeinde Westoverledingen müssten die Kosten für die Straßenbeleuchtung anteilig von den Grundstückseigentümern gezahlt werden.“ Es handele sich dabei um 40 Prozent der Gesamtkosten, so Beening. „Bisher ist die Installation von Straßenlaternen daran gescheitert, dass sich die Mehrheit der Grundstückseigentümer gegen die Beleuchtung aussprach, weil sie nicht zur Zahlung des Beitrags bereit war.“
Die jungen Eltern, die an diesem Nachmittag zusammengekommen sind, wären alle willens, den Ausbaubetrag zu zahlen, wie sie versichern.
Ortsbürgermeister wurde bereits aktiv
Ortsbürgermeister Heinz Wiemers findet es gut, dass sie jetzt die Initiative ergreifen und auf den Missstand hinweisen, der ihre Kinder gefährdet. „Nur so kann sich etwas entwickeln“, sagt der Sozialdemokrat, der auch im Rat der Gemeinde Westoverledingen sitzt.
Jahrelang sei die unbeleuchtete Kreisstraße kein Thema gewesen, sagt Wiemers. Doch jetzt habe sich dort ein Generationswechsel vollzogen. Junge Familien zogen dorthin. Nun sind die fehlenden Laternen ein Problem. Angesichts der Eltern-Klagen ist Ihrens Ortsbürgermeister tätig geworden. Er fragte beim Bauamt der Gemeinde an, was es voraussichtlich kosten würde, den Patersweg-Nord zu beleuchten, und welche Summen dadurch auf die Anlieger zukämen. „Alles steht und fällt mit den Kosten“, sagt Wiemers.
Bevor er keine Zahlen kenne, könne er sich auch keine Meinung bilden, ob es zumutbar sei, dass die Anlieger die Beträge aufbringen. Man müsse auch Senioren denken, die nur eine kleine Rente beziehen. Doch vielleicht gebe es noch andere Möglichkeiten, hat sich der Ortsbürgermeister überlegt. Er denke dabei an Crowdfunding, könne jedoch nicht einschätzen, ob das eine realistische Möglichkeit ist.
Unfälle im Dunkeln
Doch nun sei das Problem bekannt. Und die Familien am Patersweg-Nord seien nicht die einzigen im Gemeindegebiet, die darunter leiden. Auch in der Ortschaft Ihren betreffe die fehlende Straßenbeleuchtung weitere Straßen, etwa den Breiten Weg, der ebenfalls Schulweg sei. „Wenn Kinder im Dunkeln zur Schule kommen müssen, ist das sehr unschön“, stellt Wiemers fest. „Man will gar nicht darüber nachdenken, dass dadurch ein Unfall passiert.“
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