Wochenkommentar Respekt lernt man zu Hause
Zerstörungswut, wohin man blickt: Es werden Scheiben eingeschlagen, Schultoiletten unbrauchbar gemacht, Gebäude beschmiert und Kunstwerke beschädigt. Woran liegt dieser Mangel an Wertschätzung?
Nachrichten über Vandalismus ziehen sich in jüngster Zeit wie ein roter Faden durch unsere Lokalzeitung. Allein die Titelseiten dieser Woche wurden täglich bestimmt von Berichten über Zerstörungswut. In den Jungstoiletten am Rhauderfehner Gymnasium werden nicht nur die Klos verstopft, sondern mit brachialer Gewalt Seifen- und Handtuchspender aus der Wand gerissen. Rohheitsdelikte – von Schuljungen, die sich für das Abitur qualifizieren wollen! An anderen Schulen geht es nicht viel anders zu. Nach einem Einbruch am Schulzentrum Saterland, bei dem durch Einschlagen von Glastüren und Fensterfronten 10.000 Euro Schaden angerichtet wurden, reagiert die Gemeinde jetzt mit Zäunen ums Schulgelände und Videoüberwachung.
Eine Kunst-Installation auf dem Marktplatz in Rhauderfehn, erst im Frühjahr aufgestellt, wird fortlaufend beschädigt. Aktuell wurden dort mit grober Gewalt schwere Metallplastiken abgebrochen. Dabei trägt die Skulpturengruppe von Fietz Ulferts und Hartmut Laack den Namen „Mitnanner“, weil es bei dem Kunstwerk um Integration geht.
Doch Gemeinsamkeit und Wertschätzung scheinen Normen zu sein, die nicht mehr allgemein anerkannt werden. Zerstörung des Eigentums anderer kommt in allen Härtegraden vor: Ob in Ostrhauderfehn nachts an Wohnhäusern aus vermeintlichem Jux Jalousien beschädigt werden oder Einbrecher das Schaufenster des Fahrradgeschäftes Wilken Poelker einschlagen und teure Elektro-Räder auf die Straße zerren.
Schnell ist mancher da mit dem Ruf nach mehr Polizeipräsenz bei der Hand. Andere sehen das Heil in engerer Begleitung Jugendlicher durch Sozialpädagogen. Beides mag sinnvoll sein. Aber Erziehung beginnt ganz klein. Im Elternhaus wird Wertschätzung vorgelebt. In jeder einzelnen Familie. Respekt vor dem Eigentum anderer und Allgemeingut. Dingen, die verdient werden müssen. Was zu Hause nicht an Grundlagen vermittelt wird, sei es aus Desinteresse oder Überforderung, das kann später nur noch schwer ausgeglichen werden.
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