Traditionsgeschäft macht dicht Collinghorster Schlachter Meyerhoff schließt seinen Laden
Der Firmenchef hätte gerne weitergemacht. Aber es fehlt seit Jahren an Verkaufspersonal. „Ich arbeite mich kaputt“, sagt Georg Meyerhoff. Jetzt hat er einen Plan B.
Collinghorst - Nach 90 Jahren und fünf Monaten schließt das Ladengeschäft der Fleischerei Meyerhoff in Collinghorst seine Türen. „Ich hätte die 100 Jahre gerne voll gemacht“, sagt Georg Meyerhoff. „Aber ich kann nicht mehr. Ich suche seit Jahren, aber ich finde keine Mitarbeiterinnen für den Verkauf.“
Zwei Frauen mit jeweils 25 Wochenarbeitsstunden und eine mit 20 Stunden beschäftigt er derzeit noch. Das reiche vorne und hinten nicht. In der Weihnachtszeit sei fünfmal mehr zu tun, als zu anderen Zeiten. „Das ist nicht zu schaffen“, so Meyerhoff, der selbst gesundheitlich angeschlagen ist: „Ich arbeite seit 30 Jahren sieben Tage die Woche. Ich sitze nicht umsonst im Rollstuhl. Ich arbeite mich kaputt“, sagt der 56-Jährige.
Das will er weiter machen
Eigentlich habe er den Laden schon früher dichtmachen wollen: „Aber mein Geselle hatte das Fleisch für Ollerwelsch schon ins Salz gelegt“, erklärt er. So kommt es, dass sich die Kunden nun noch bis zum Tag vor Heiligabend mit Meyerhoffs Spezialitäten eindecken können. Am 23. Dezember 2023 ist dann Schluss. Zumindest mit dem Laden.
Danach will Meyerhoff sich auf die Dinge konzentrieren, die er allein oder mit Unterstützung seines jetzigen Gesellen schaffen kann. Der hat schon eine neue Stelle, will aber aushelfen. „Ich werde weiter Haus- und Lohnschlachtungen anbieten. Und den Partyservice mache ich weiter.“ Produzieren will er außerdem für Gelegenheiten, bei denen größere Mengen abgenommen werden – etwa Würste oder Grillfleisch für Feste bei der Feuerwehr oder dem Sportverein. Und: „Es gibt Interessenten, die vielleicht Produkte von mir in ihr Sortiment aufnehmen möchten. Vor allem Wurstwaren“, so Meyerhoff, der für seine Rezepte die Gewürze selber zusammenstellt.
Familienbetrieb mit langer Tradition
Für seine Kunden, die auf seine Fleisch- und Wurstwaren und den gerade bei Senioren beliebten Mittagstisch verzichten müssen, tut es ihm leid. „Aber ich muss über die Runden kommen“, bedauert er.
Der Schritt schmerzt ihn auch, weil das Unternehmen im Ort eine lange Tradition hat: Die Fleischerei wurde 1933 von Georg Meyerhoff gegründet. Dessen Sohn Gerd Meyerhoff übernahm zusammen mit seiner Frau Gerhardine in den 1960er Jahren das Geschäft. Mit ihrem Sohn Georg Meyerhoff stand bis jetzt die dritte Generation im Laden.
Ein Laden nach dem anderen macht dicht
Mit dem Aus für das Fachgeschäft in Collinghorst wird eine traurige Entwicklung fortgesetzt: Bereits im Sommer 2021 schloss die Metzgerei Mescher in Ostrhauderfehn ihre Türen, Ende September 2021 folgte die Fleischerei Uken an der 1. Südwieke in Westrhauderfehn. Im Januar 2022 schloss dann Heiner Groeneveld seine Fleischerei am Rajen in Rhauderfehn.
Betriebsschließungen gibt es seit Jahren in ganz Ostfriesland. „Aktuell sind wir noch sieben in der Innung organisierte, handwerklich betriebene Fleischereien, hinzu kamen bislang drei Betriebe, die nicht diesem Verband angehören. Einer davon ist die Fleischerei Meyerhoff“, erzählt Markus Leggedör aus Weener, Obermeister der Fleischer-Innung in der Kreishandwerkerschaft Leer-Wittmund. Er ist seit rund zwölf Jahren Obermeister. „Bei meinem Amtsantritt hatten wir 22 Mitglieder. Mein Vater Gerhard Leggedör war 1985 Obermeister, und damals gab es noch fast 50 organisierte Betriebe im Landkreis“, so der Fleischermeister. Er geht davon aus, dass noch mehr Betriebe schließen werden. Wegen des Personalnotstandes, aber auch weil Nachfolgen nicht geregelt seien, Modernisierungen teuer seien und der Verwaltungsaufwand immer größer werde.
Neue Mitarbeiter nicht zuverlässig
Bei Meyerhoff ist einzig und allein die Personallage Schuld. „Ich habe langjährige Mitarbeiterinnen. Hier sind viele Verkäuferinnen bis zur Rente geblieben. Aber es gibt keinen Nachwuchs.“ Natürlich habe er schon mal die ein oder andere neue Kraft dort gehabt. „Aber niemanden, der getaugt hätte. Es fehlt an der Lust zu arbeiten und der Zuverlässigkeit. So kann ich den Betrieb nicht aufrechterhalten.“