Seefisch am Haken Rhauderfehner angelt am liebsten in der Brandung
Mit der mehr als vier Meter langen Rute zieht Jan-Philipp Prins an Nord- und Ostsee Plattfische aus dem Wasser. Auch seine Frau hat er für seine Passion begeistert.
Rhauderfehn - Wenn Jan-Philipp Prins die Angelrute auswirft, schaut er dabei nur noch selten auf Wieke oder Teich. Der Rhauderfehner blickt auf Meer, Wellen und den Himmel. Sternschnuppen, sagt er, kann man bei seinem Hobby dutzendweise sehen. Brandungsangeln heißt die Passion, bei der Prins seine gut 4,20 Meter lange Angel mit Hilfe eines Dreibeins möglichst senkrecht aufstellt – am liebsten an einem Ostseestrand. Geangelt wird dabei zur Dämmerung hin, wenn die Plattfische in Ufernähe Nahrung suchen.
Seit einiger Zeit begleitet den Fehntjer seine Frau Kira (33). „Sie ist eigentlich Jägerin, hat aber in der Corona-Zeit auch ihren Angelschein gemacht – speziell, weil sie mit dem Angeln am Meer etwas anfangen kann“, erzählt Jan-Philipp Prins (34). Zusammen ist das Paar in der jüngsten Ausgabe des Magazins „Kutter & Küste“ zu sehen. „Ich kenne dort einen Redakteur. Er berichtet über die Reviere zum Brandungsangeln und kommt oft dazu, wenn wir an der Ostsee unterwegs sind“, sagt Prins. So seien schon sieben oder acht Artikel erschienen, die den Rhauderfehner bei seinem Hobby zeigen. Immer an anderen Strandabschnitten, über die der Leser sich dann ein Bild machen kann. „Und zweimal war meine Frau auch mit dabei.“ Dieses Mal berichtete das Magazin vom Angelausflug nach Fehmarn.
Seit Kindertagen dabei
„Meinen ersten Fisch habe ich mit vier oder fünf Jahren gefangen“, erinnert sich Prins: an der Seite seines Vaters, Jonny Prins. Als Jugendlicher machte er dann seinen Angelschein. Doch schon früh zog es ihn von den heimischen Kanälen an die offene See. „Ich habe mich bei einem Jugendgemeinschaftsangeln an der Thülsfelder Talsperre für die Bundesjugend-Meerestage qualifiziert. Da habe ich Blut geleckt“, erzählt er.
Mittlerweile nimmt an Deutschen Meisterschaften im Brandungsangeln teil. Die werden in Dänemark ausgetragen, denn: „In Deutschland gibt es kein Wettkampfangeln, denn das Zurücksetzen der Fische ist verboten. Es sei denn, sie werden in der Schonzeit des Fisches gefangen oder sind noch zu klein“, erklärt Prins. Das habe tierschutzrechtliche Gründe. In der Praxis allerdings werde durchaus so mancher Fisch wieder in die Freiheit entlassen. Das hält der Fehntjer auch für die bessere Lösung, als ein Tier, das man nicht essen möchte, nur aus Prinzip zu töten. „Und dem Fisch macht das in der Regel nichts, vom Haken befreit zu werden und wieder wegschwimmen zu können.“
Keine Ruhe am Kanal
Ihm selbst ist es aber am liebsten, den Fisch an den Haken zu bekommen, den er auch gerne auf dem Teller sehen möchte. Auch deshalb favorisiert er das Angeln im Meer. Auf dem Fehn nehme er nur noch sehr selten am Angeln teil, obwohl er seit 15 Jahren Mitglied im Verein sei. Aber: „Von hier bringe ich nur mal einen Aal, Hecht oder Zander mit. Die Brassen und Rotaugen sind voller Gräten. Wenn ich solche Fische fange, dann nehme ich sie mit für Fischfrikadellen oder verwende sie wieder als Köder. Aber ich höre oft von anderen Anglern, dass solche Fische auch im Müll landen.“ Und: „Angeln ist für mich Ruhe. Wenn ich am Kanal sitze fährt alle zwei Minuten jemand vorbei und hupt oder fragt, wies es läuft. Und man hört hier immer den Verkehr. Am Meer höre ich nur die Wellen und die Möwen.“
Seine Vorliebe sei also definitiv das Angeln im Salzwasser. Mehrmals im Jahr sei er deshalb an der Nordsee und für ein paar Tage an der Ostsee. Und nach Möglichkeit auch für eine Woche in Norwegen.
An den Haken kommen Wattwürmer
„Die Fische, die ich dort fange, kann ich zu 100 Prozent in der Küche verwerten“, sagt Prins. In der Nord- und Ostsee sind das in erster Linie Plattfische: Scholle, Flunder und Kliesche. Letztere sei nicht so bekannt, aber lecker: „Die esse ich noch lieber als Scholle.“ Als Köder dienen Wattwürmer. An der Nordsee gräbt Prins sie selber aus. „Die Angelläden hier haben die auch nicht.“ Anders an der Ostsee: Dort kann er die Köder kaufen. Vor Kurzem hat er an der Nordsee 15 Wittlinge an Land gezogen. „Die sind sehr lecker. Und die Menge reichte für drei Mahlzeiten.“ An der Nordsee zu Angeln sei schwieriger wegen Ebbe und Flut, aber „ich habe mir ein paar gute Stellen erarbeitet“.
Aus Norwegen darf ein Angler bis zu 18 Kilo Filet ausführen, „wenn er die Fische in registrierten Anglercamps gefischt hat“, so Prins. In Portionen gut durchgefroren, in Frischhaltefolie und Styroporkiste verpackt, bringt auch Prins diese Menge mit. „Die gesamte Familie mag gerne Fisch. Und unsere Freunde, wenn sie zu Besuch sind, auch. Da kommt das schon auf.“ Fangen könne er in Norwegen mehr: „400, 500 Fische – das geht. Vor allem hoch im Norden.“ Die Fische, die nicht im Kochtopf landen, werden wieder ausgesetzt. Die typischen Fische in den Gewässern seien Dorsch, Seelachs, Heilbutt... Und Rotbarsch, der allerdings in sehr tiefen Gewässern unterwegs sei. „Den hochzuholen, ist richtig Arbeit.“ Und: Die Fische überleben auf dem Weg hoch den Kampf gegen die Angel oft nicht. „Das ist nicht mein Ding“, sagt Prins.
Die größten Fische
Und was waren die bisher größten Fänge? „Ein Dorsch und einen Heilbutt mit jeweils 1,16 Meter in Norwegen“, sagt er. Und: Über Bekannte habe er die Möglichkeit zum „Big Game Angeln“. Dabei geht es mit der Yacht hinaus aufs offene Meer. Auf Mallorca fing Prins hierbei einen 1,70 Meter langen Thunfisch. Zuhause war die „fetteste Beute“ ein über einen Meter langer, 22 Kilo schwerer Karpfen.
Was möchte das Anglerherz mehr? In der NDR Reihe „Rute raus, der Spaß beginnt“, die richtig Lust aufs Angeln mache, habe er ein weiteres Ziel entdeckt, sagt er: „In der Sendung wurden Wolfsbarsche auf Norderney geangelt. Das möchte ich nächstes Jahr auch gerne machen.“ Und: Vor einem Jahr sind Jan-Philipp und Kira Prins Eltern geworden: Der kleine Hansen war sogar schon mal mit auf Angeltour. „Ich bin gespannt, wann er seinen ersten Fisch fängt.“