Abschied von Rhauderfehn Pfarrer Torsten Brettmann muss das Oberledingerland verlassen
Zehn Jahre lang war er für die Pfarreiengemeinschaft Westrhauderfehn und Flachsmeer zuständig. Nun wurde er nach Bremen beordert. Zurück bleiben offene Fragen.
Westrhauderfehn/Flachsmeer - Seine Zeit in Ostfriesland geht zu Ende – nach fast genau zehn Jahren als Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Overledingerland. Am 14. Januar hat Torsten Brettmann seinen letzten Arbeitstag. Ab 15 Uhr wird er in Langholt verabschiedet. „Ich wäre gerne hier geblieben“, sagt er. „Ich bin gerne hier – in Langholt und Flachsmeer.“ Und genügend Arbeit gebe es ja auch. Das Bistum Osnabrück aber hatte andere Pläne mit dem Geistlichen. Ab März wird er die Pfarrei St. Katharina von Siena in Bremen betreuen.
Nach den zehn Jahren, in denen er in der Pfarreiengemeinschaft aus St. Bonifatius Westrhauderfehn in Langholt und St. Bernhard in Flachsmeer tätig war, habe er damit rechnen müssen, dass ihm eine neue Aufgabe angetragen werden würde. „Den Pfarrer, der 30 Jahre in der gleichen Gemeinde bleibt, gibt es heute eigentlich gar nicht mehr.“ Das liege vor allem auch daran, dass die Personaldecke sehr dünn sei. Als jetzt sein Wechsel angekündigt wurde, habe ihn die Nachricht dann aber doch überraschend getroffen.
Nachfolge ist nicht geklärt
Gleichwohl freut sich Brettmann auf die neue Aufgabe. „Es ist schön, eine Gemeinde, die Menschen dort, kennenzulernen. Das war damals hier in Westrhauderfehn auch so.“
Die Menschen in seiner Pfarreiengemeinschaft hat die Nachricht von Brettmanns anstehendem Abschied getroffen. Zum einen, weil man sich nach so vielen Jahren eben sehr vertraut sei, wie der Pastor sagt. „Wir haben miteinander viel erlebt.“ Aber auch die Unsicherheit, wie es in den beiden Kirchengemeinden weitergeht, treibt die Gemeindemitglieder um. „Da ist noch vieles offen. Das hat das Bistum Osnabrück auch so kommuniziert“, sagt Brettmann. Seine Nachfolge sei nicht geklärt.
„Er wird uns fehlen - menschlich und fachlich“
„Wir hatten gehofft, dass er bleibt“, sagt Mathias Nee, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstands St. Bernhard Flachsmeer. „Obwohl wir natürlich wussten, dass das nach zehn Jahren passieren kann. Das ist die normale Fluktuation.“ Besonders hart sei die Nachricht in dieser Zeit, „wo wir wissen, dass Pastoren nicht auf Bäumen wachsen“. Die Kirchengemeinden seien sich im Klaren darüber, dass es erst einmal keinen neuen Pfarrer geben werde: „Wir wissen nicht, wie es weitergeht“, sagt Nee. Und: „Pfarrer Brettmann wird uns fehlen – fachlich und menschlich.“
Vorerst wird das restliche Team der Pfarreiengemeinschaft – Diakon Jürgen Schulz, Pater Dominic Kurian Vadakarakalayil und Gemeindereferentin Ruth Denkler – die Arbeit unter sich aufteilen. „Das ist nicht wenig“, sagt Brettmann. Mit gut 9500 Gemeindemitgliedern sei die Pfarreiengemeinschaft die größte katholische Einheit in Ostfriesland. „Wir haben hier jedes Jahr allein 100 bis 120 Beerdigungen. Dazu kommen Eheschließungen, Taufen, Kommunionfeiern...“
„Ich bin dankbar für die Zeit hier“
Wenn Brettmann Ostfriesland im kommenden Jahr verlässt, ist das für ihn auch eine Rückkehr: In Bremen wurde er geboren, dort ist er aufgewachsen. Jetzt wird er auch dort arbeiten. „Aber nicht in meiner Heimat-Kirchengemeinde“, sagt er. In Bremen, erzählt er, habe er auch noch Familie und Freunde. „Aber ich bin dort seit 37 Jahren weg. Das ist jetzt eine andere Stadt.“ Und in jedem Fall ganz anders als Westrhauderfehn und Flachsmeer. Bevor er die Pfarreiengemeinschaft in Ostfriesland übernahm, war er acht Jahre lang in Lingen/Ems tätig. Ins Overledingerland kam er für den verstorbenen Pastor Bernhard Gels.
„Ich bin dankbar für die Zeit hier. Für die vielen ehrenamtlichen Helfer in allen Bereichen – in den Gremien, im Gottesdienst, im Caritas-Bereich. Für die Verbände, die es gibt: die Kolpingsfamilie und die Frauengemeinschaften etwa. Und ich bin dankbar für die vielen ökumenischen Kontakte. Wir haben ein gutes Verhältnis, das macht Freude und ich habe es als bereichernd und schön empfunden“, sagt Brettmann.
Das Wichtigste: Glaubwürdigkeit
Die Menschen in den beiden Overledingerland-Gemeinden hätten auch schwierige Zeiten miteinander durchlebt. „Der Vertrauensverlust durch die schrecklichen, schlimmen Missbrauchsfälle ist belastend. Auch unsere Gemeindemitglieder hatten viele Nachfragen“, erzählt der 58-Jährige. Umso wichtiger sei es, in der eigenen Gemeinde Glaubwürdigkeit zu vermitteln und gute Arbeit zu leisten. Und: dafür Sorge zu tragen, dass hier so etwas nicht passieren kann. So seien vor Ort Schutzkonzepte ausgearbeitet worden. „Mir ist wichtig, dass sich in der Kirche vor Ort die Menschen wiederfinden, dass das Angebot lebensnah ist. Es muss für die Menschen hier eine Relevanz haben“, sagt Brettmann.
Zusammen mit Pfarrer Brettmann habe die Pfarreiengemeinschaft zudem große Projekte auf den Weg gebracht, sagt Mathias Nee, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstands St. Bernhard Flachsmeer: „Wir haben 2018 zum ersten Mal als Kirchengemeinde eine Krippe bekommen. Pfarrer Brettmann hat da die Erfahrung eingebracht. Und wir haben die Trauerhalle grunderneuert: eine große Baumaßnahme“, sagt Nee. Auch die Trauerhalle in St. Bonifatius wurde grundsaniert.
Etwas Zeit, den Horizont zu erweitern
Rund 9500 Gemeindemitglieder betreut Brettmann in Ostfriesland. „Die Zahl ist seit meinem Eintritt hier relativ konstant geblieben.“ Seine neue Gemeinde in Bremen ist etwas kleiner: Rund 7500 Gemeindemitglieder gibt es dort. Schon vor Jahren erfolgte der Zusammenschluss dreier Standorte – zwei Kirchen und eine Kapelle beim Krankenhaus – zur Pfarrei St. Katharina von Siena. Deren bisheriger Pfarrer wurde im Oktober verabschiedet.
Auf ihren „Neuen“ müssen die Bremer ein bisschen warten. Brettmann hört am 14. Januar in Ostfriesland auf, fängt aber erst im März in Bremen an. „Ich werde dazwischen hospitieren, in einer Gemeinde im Raum Dresden/Meißen. Das ist eine Großstadtgemeinde in der Diaspora“, so Brettmann. Zum einen habe Kirche dort sowieso keinen breiten Stand, wegen der DDR-Vergangenheit. Und Katholiken gebe es dort noch weniger als Protestanten. „Das wollte ich gerne machen: Kirche erleben, wo Kirche eher fremd ist. Dafür habe eine Freistellung erbeten, um meinen Horizont zu erweitern.“
„Das ist ein anderes Pflaster“
Zwischendurch gibt es auch noch anderes zu tun: „Die Wohnsituation ist am dringendsten, da muss noch was gemacht werden“, erzählt Brettmann. Und er will sich ein bisschen schlau machen über sein neues „Revier“. Klar sei bereits, dass es ebenfalls eine aktive Gemeinde mit vielen Ehrenamtlern sei. Und er hofft, auch dort auf ökumenische Kontakte. Manches wird also ähnlich sein, vieles aber auch anders. „Das ist eben ein anderes Pflaster. Das ist eine Großstadt.“ Und: „Es gibt eine muslimische Gemeinschaft dort, und die Synagoge Bremen ist auch auf meinem Pfarrgebiet.“
An neuen Impulsen wird es also nicht fehlen. Aber auch nicht an Erinnerungen – an viele bereichernde, und „ganz deutlich überwiegend positiven Erlebnisse“ in Ostfriesland.