Wochen-Kommentar Angriff auf Reporterin – Worte und Taten
Körperliche Attacken sind hier zum Glück die Ausnahme. Verbal geht es aber oft zur Sache – und auch das ist schlimm.
Am Wochenende wurde eine Reporterin des General-Anzeigers während des Dienstes attackiert. Kollegen, aber auch andere Menschen, die davon gehört oder gelesen haben, sind empört und erschrocken. Wie kann so etwas passieren?
Tatsächlich ist ein körperlicher Angriff zumindest für die GA-Redaktion eine neue Stufe der Aggression. Bislang war so etwas noch nicht vorgekommen. Dafür bekommen Journalisten zunehmend etwas zu spüren, was auch zum Beispiel Einsatzkräfte bei Feuerwehr und Sanitätsdiensten manches mal erleiden: verbale Entgleisungen. Bei den Rettern sind solche Ausfälle noch viel schlimmer. Immerhin kommen sie – oft ehrenamtlich –, um zu helfen. Journalisten hingegen werden oftmals angegangen, weil Menschen ein Bericht oder eine Frage nicht gefällt. Oder ganz pauschal, weil sie nichts von „Schreiberlingen“ halten oder den Berichterstattern Voreingenommenheit unterstellen. Vor allem in den sozialen Medien wird oft mit übelsten Worten kommentiert. Mit harten Bandagen sozusagen.
In Rage reden
Und genau das ist der Punkt: Von der Beleidigung zum realen Schubser oder Schlag ist es zwar ein ganzes Stück Weg – aber er ist nicht so lang, wie man meint. Hirnforscher haben das untersucht und kommen zu dem Schluss, dass grobe Sprache aggressiv macht. Und dass gewalttätiges Sprechen auch Gewalttaten den Boden bereite. Sich in Rage reden, nennt der Volksmund das.
Genau das scheint auch im Fall der verletzten Kollegin passiert zu sein: Am Anfang gab es mündliche Hetze, auch den Rettern gegenüber, später dann die körperliche Attacke.
Zum Glück ist das hier (noch) die Ausnahme. Es ist aber ein Anlass, dass jeder für sich überlegt, mit welchen Worten er „kämpft“. Gewalt muss und sollte auch in der Sprache nicht sein.