Neubau in Collinghorst Grundstein an der Schulmauer enthüllt
Nach einem Brand musste der Mitteltrakt der Grundschule Overledinger Geest abgerissen werden. Es wird neu gebaut. Nun enthüllten Schulleiter und Bürgermeister den Grundstein für das Millionenprojekt.
Collinghorst - Eine steinerne Tafel im Mauerwerk enthüllten am Freitagmittag der Schulleiter der Collinghorster Grundschule Overledinger Geest, Timo Dogs, und Rhauderfehns Bürgermeister Geert Müller. Auf dem hellen, leicht gemaserten Stein ist der Name der Schule eingemeißelt zusammen mit den beiden Jahreszahlen 1966 und 2023.
Das erste Datum ist das Jahr, in dem in Collinghorst das Schulgebäude, damals für die Mittelpunktschule, errichtet wurde, die heute Teil des Grundschulgebäudes ist. Die zweite Jahreszahl bezieht sich auf das laufende Jahr, in dem mit dem Neubau begonnen wurde. Der war notwendig geworden, weil im August 2021 ein Brand so schwere Schäden am Schulgebäude verursacht hatte, das der Mitteltrakt abgerissen werden musste. Mit ihm verschwanden Fach- und Betreuungsräume, das Lehrerzimmer, die Aula, Sanitäranlagen und der Heizungsraum.
Nun enthüllten Schulleiter und Bürgermeister den Grundstein für den Neubau, der die Grundschule Overledinger Geest zukunftsfähig machen soll. Anwesend waren bei der Feierstunde auf dem Rohbau Lehrkräfte, Eltern und Mitglieder des Gemeinderats Rhauderfehn. Anders als sonst bei dieser Gelegenheit üblich, wurde keine Zeitkapsel im Mauerwerk versenkt. Hartmut Vietor, Leiter des Hauptamts bei der Gemeinde Rhauderfehn, die Schulträger ist, erläutert, warum nicht: Ein Teil des ursprünglichen Schulgebäudes steht noch. Darin müsse beim Bau 1966 irgendwo eine Zeitkapsel eingebracht worden sein. Nur entdeckt wurde sie bisher noch nicht, so der Hauptamtsleiter.
Gemeinde stemmt Projekt ohne öffentliche Zuschüsse
Vietor kennt auch die aktuellen Zahlen und Kosten rund um den Schulhausneubau: 5, 6 Millionen Euro sind dafür veranschlagt. Einen Teil davon, nämlich 1,8 Millionen Euro, übernimmt die Brandkasse. Den größeren Anteil, trägt mit den verbliebenen 3,8 Millionen Euro die Gemeinde Rhauderfehn. Zuschüsse von Land und Bund gebe es keine, sagt Vietor. Es laufe aktuell kein Programm oder Fördertopf, aus dem es dafür Geld gegeben hätte. Das Feuer ist ein Versicherungsschaden. Es war ausgebrochen bei Dacharbeiten im Zuge der Erweiterung des Sanitärtraktes für die Lehrkräfte. Als auf dem Dach die Isolierschicht aufgebracht wurde, seien Flammen unter die Dachpfannen gekrochen, die den hölzernen Dachstuhl in Brand gesetzt hätten, so Vietor.
Angesichts der Summe, die die Gemeinde für das Schulgebäude in die Hand nimmt, hätte mancher in der Politik das ein oder andere Mal schlucken müssen, schilderte Bürgermeister Müller in seiner Rede zur Grundsteinenthüllung. Doch der Neubau solle so werden, dass auch noch der Nachfolger des jetzigen Schulleiters dort mit den künftigen Collinghorster Schulkindern gut drin arbeiten könne. „Schule muss gute Rahmenbedingungen bieten, denn nur, wo sie sich wohlfühlen, werden Kinder gern hingehen - und Lehrkräfte auch“, so Müller. Dass dies vernünftig geschehe, sei auch der Leistung des Architekturbüros und der ausführenden Betriebe zu verdanken, lobte der Verwaltungschef, der sich bei allen Beteiligten bedankte. Ausgeführt hat die Planungen das Leeraner Büro 3D Architekturwerkstatt-GmbH.
Neubau soll Zweck auch in 30 Jahren gut erfüllen
Müller dankte Timo Dogs und dessen Kollegium, die den Schulbetrieb trotz des einschneidenden, unvorhergesehenen Ereignisses neu organisiert und bestens aufrechterhalten hätten.
„Früher war hier - grob geschätzt - der Lehrertrakt“, stellte Dogs zum Auftakt seiner Rede fest. Gefühlt sei der Brand im Schulhaus Collinghorst lange her. Doch für die, die dabei waren, sei es, als wäre es erst gestern gewesen. Es sei gut, dass nun an dieser Stelle ein Neubau entstehe. Angesichts der voranschreitenden Bauarbeiten habe man nun einen Eindruck vom künftigen Schulgebäude. Doch auch, als sich an der Stelle des abgerissenen Mitteltraktes nur eine Brachfläche befand, sei in Köpfen der Verantwortlichen etwas passiert, so Dogs. „Es braucht seine Zeit, um etwas vernünftig zu planen. Schule wandelt sich, und unser neues Gebäude soll seinen Zweck auch in 20 und 30 Jahren noch angemessen erfüllen.“
Viertklässler erlebten nie normale Schulzeit
Der 45-Jährige, der die Grundschule in Collinghorst seit 2012 leitet, ist überzeugt: „Was als Katastrophe begann, wird einen guten Ausgang nehmen und in einer schönen, großen Feier enden.“ Er und sein Kollegium freue sich schon auf das Richtfest 2024. Dogs dankte der Gemeinde für deren rasches, entschlossenes Handeln und der Dorfgemeinschaft, dass die Schule das Dörphus und auch das Gemeindehaus nutzen konnte. Es werde in nächster Zeit noch eine Herausforderung bleiben. Die Viertklässler, die zu Corona-Zeiten eingeschult worden sind, würden unter Baubedingungen verabschiedet. „Keiner der Jahrgänge, die jetzt unterrichtet werden, hat Schule zu normalen Bedingungen erlebt“, so Dogs. Aber die Jahrgänge, die kommen, die würden es schön haben und ihre Grundschulzeit im Normalbetrieb erleben.
141 Schülerinnen und Schüler besuchen derzeit die Grundschule Overledinger Geest. 30 von ihnen wurden in diesem Spätsommer eingeschult. Durch den millionenschweren Neubau wird sich einiges verbessern. Es wird eine Mensa gebaut, die den heutigen Anforderungen entspricht, auch die Aula wird den aktuellen Gegebenheiten angepasst. Mensa und Aula, die nebeneinander liegen, können zu einem gemeinsamen Saal zusammengeführt werden. Neu wird auch eine eigenständige, vollständig ausgestattete Lehrküche sein, was sehr erfreulich für die Koch- und Back-AG an der Schule sein dürfte. Das Lehrerzimmer erhält Arbeitsplätze, einen Extra-Raum für Betreuungs- und Integrationskräfte, und es wird Räume zur Individualförderung geben sowie Lerninseln auf den Fluren. Das Obergeschoss, in dem sich Klassenräume befinden, werde, so Hartmut Vietor, im Hinblick auf Inklusion per Fahrstuhl erreichbar sein.
Neubau womöglich kommendes Schuljahr bezugsfertig
Nachdem sich alle in dem Rohbau umgesehen hatte, lief die Festgemeinschaft auf den Brettern, die einen Steg über den Estrich bahnten, hinüber in die Mensa, wo ein Imbiss auf sie wartete.