Er schlief friedlich ein Rhauderfehner Günther Graepel im Alter von 98 Jahren gestorben
Das Rhauderfehner Urgestein lebte zuletzt im Reilstift am Ancora-Ring. Graepel prägte die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde. Aber auch Kultur und Tennissport bestimmten sein Leben. Ein Nachruf.
Rhauderfehn - Der Rhauderfehner Günther Graepel ist am Montag im Alter von 98 Jahren gestorben. Er ist im Seniorenzentrum des Reilstifts am Ancora-Ring, wo er seit einiger Zeit gelebt hat, friedlich eingeschlafen. Er hinterlässt zwei Söhne und eine Tochter.
Günther Graepel entstammt einer Kaufmannsfamilie, die die Geschichte der Gemeinde maßgeblich mitgeprägt hat. Er galt als Rhauderfehner durch und durch. Viele kannten den wissbegierigen Fehntjer im Doppelpack mit seiner Frau Karla. Die beiden sind gemeinsam durch dick und dünn gegangen, waren immer Seite an Seite und haben sich gegenseitig gestärkt. 2018 feierten sie ihre eiserne Hochzeit. Als Karla Graepel vor einem Jahr gestorben ist, hat ihr Mann Günther den wichtigsten Anker in seinem Leben verloren. Auch wenn der 98-Jährige bis zu seinem Tod immer noch klar im Kopf blieb, wollte sein Körper am Ende nicht mehr. Ohne seine geliebte Frau war sein Leben nicht mehr so, wie er es immer gerne gelebt hat. Einer seiner jahrzehntelangen Wegbegleiter war Jörg Furch (81), ehemaliger Rhauderfehner Gemeindedirektor und heutiger Westrhauderfehner Ortsbürgermeister. „Günther war ein guter Freund von mir. Ich habe ihn auch zuletzt regelmäßig im Reilstift besucht. Man hat gemerkt, dass ihm seine Frau sehr fehlt“, sagt der 81-Jährige.
Gründungsmitglied des Kulturrings
Gekannt haben sich Furch und Graepel seit 1967. Furch war damals noch stellvertretender Gemeindedirektor, Graepel Geschäftsführer des Traditions-Kaufhauses Hagius. Dieses wurde im 19. Jahrhundert gegründet und befand sich auf der Ecke 1. Südwieke/Rajen - dort, wo heute das Rathaus und die Sparkasse stehen. Günther Graepel war der letzte Geschäftsführer des Kaufhauses, das 1970 geschlossen wurde. Furch erzählt: „Ich lernte Günther damals über den dienstlichen Weg kennen. Die Gemeinde wollte die Flächen haben, auf denen das Kaufhaus stand. Und ich habe mit ihm die Verhandlungen geführt.“
Doch es sollte nicht bei der beruflichen Beziehung zwischen den beiden bleiben. Verbunden waren sie auch über den Kulturring in Rhauderfehn. „Klara und Günther Graepel gehörten in den 50er-Jahren zu den Gründungsmitgliedern. Ich war später 40 Jahre lang Geschäftsführer“, so Furch.
Leidenschaft für den Tennissport
Und auch der Tennissport sollte über viele Jahrzehnte die gemeinsame Leidenschaft sein. Graepel und Furch gründeten mit einigen Mitstreitern 1978 die Tennissparte von TuRa 07 Westrhauderfehn. Bis zu seinem 86. Lebensjahr griff Graepel regelmäßig selbst zum Schläger und wurde Ehrenmitglied der Tennisabteilung. Bis zuletzt nahm er auch gerne an den Vorstandssitzungen teil.
Zu den Hobbys von Günther Graepel gehörte auch das Erforschen der Geschichte Rhauderfehns. Vor allem die wirtschaftliche Entwicklung hat ihn sehr interessiert. Wenn er gemeinsam mit seiner Frau Karla über das Untenende spaziert ist, wusste er genau, wo welches Geschäft gestanden hat.
„Humorvoll und zugewandt“
Auch die heute 87-jährige Rhauderfehnerin Margret Taute-Fass kannte Günther Graepel seit vielen Jahrzehnten. „Ich war noch ein Kind, da haben wir uns das erste Mal gesehen. Meine Schwester und seine Schwester waren Schulfreundinnen“, sagt Taute-Fass. Doch erst später, im Erwachsenenalter, wurden Taute-Fass sowie Günther und Klara Graepel auch Freunde. „Wir haben uns häufiger getroffen und auch mal zusammen gefeiert. Günther war ein ausgeglichener Mensch. Er war nie launisch. Und er war immer humorvoll und zugewandt“, erzählt Margret Taute-Fass.
Am 31. Oktober wäre Günther Graepel 99 Jahre alt geworden. Diesen Geburtstag erlebt er nicht mehr auf Erden. Dafür ist er nun im Himmel - bei seiner geliebten Frau Karla.