268 Kilometer in sieben Tagen Ostfriesen laufen über die Alpen nach Italien
Die Einheiten an der Autobahnbrücke und die Trainingsreisen haben sich ausgezahlt: Gina Lamberts und Rob van Goor aus Uplengen haben den „Transalpine Run“ gemeistert.
Uplengen - Einmal zu Fuß die Alpen überqueren: Diesen Traum hat sich das Uplengener Ehepaar Gina Lamberts und Rob van Goor nun erfüllt. Die Zahlen ihrer Sieben-Tages-Tour lesen sich spektakulär: In drei Ländern waren sie unterwegs, haben 268 Laufkilometer abgespult und dabei 15.330 Höhenmeter bewältigt. „Wir haben uns ein bisschen durch die Berge gequält“, spielt Gina Lamberts das Geleistete ein wenig herunter. Doch Augenblicke später gesteht auch sie sich ein: „Das war das Anstrengendste, was wir bislang gemacht haben.“ Vergleichswerte hat sie genug. Schließlich nahm die 56-Jährige schon an zig Extremsport-Events teil. Diesmal war der „Transalpine Run“ an der Reihe, bei dem Gina Lamberts mit ihrem Mann als Zweier-Team an den Start ging.
Insgesamt waren rund 250 Zweier-Gruppen und etwa 200 Einzelläufer im österreichischen Lech am Arlberg aufgebrochen. Lediglich 85 Prozent der Teilnehmer erreichten sieben Tage später das Ziel in der italienischen Gemeinde Prad am Stilfserjoch. Gina Lamberts und Rob van Goor starteten als eines von 29 Paaren in der Altersklasse „Senior Master Mixed“. Davon schafften es nur 19, von denen das Ostfriesen-Paar mit 50 Stunden und 59 Minuten auf der Strecke am längsten brauchte.
10.000 Kilometer fürs Training gereist
„Wir wollten einfach ankommen. Das haben wir geschafft“, sagt die gebürtige Niederländerin überglücklich. „Vor allem für uns hier auf dem flachen Land sind die Berge eine große Herausforderung. Denn wie sollen wir die Belastung trainieren?“, fragt Gina Lamberts, um die Frage anschließend selbst zu beantworten. „Die einzige Steigung, die wir hier haben, sind Autobahnbrücken. Also sind wir zu Autobahnbrücken gelaufen und dann rauf und runter, umgedreht und wieder rauf und runter. Aber in einer Stunde schafft man so auch nur 120 Höhenkilometer.“ Beim „Transalpine Run“ mussten 15.330 Höhenmeter gemeistert werden.
Also reichte das Lauftraining hier in Ostfriesland nicht aus, um den legendären Extrem-Wettkampf durch die Alpen zu bestehen. Deshalb sind Gina Lamberts und Rob van Goor regelmäßig für Einheiten weit gereist. Zweimal waren sie in Garmisch-Partenkirchen, einmal am Großglockner, dem höchsten Berg Österreichs. „Alle zwei Wochen sind wir in den Harz gefahren oder in die Nähe von Osnabrück. Da ist es auch etwas hügeliger“, schildert Gina Lamberts. Insgesamt neun Monate hat sich das in Uplengen wohnende Ehepaar auf den „Transalpine Run“ vorbereitet, rund 10.000 Kilometer ist es etwa für Trainingseinheiten gefahren. „Es hat sich gelohnt“, resümiert die Filialleiterin eines Lebensmittelgeschäfts in den Niederlanden.
Weckerklingeln um 4 Uhr morgens
Topfit und frisch ging es in Lech am Arlberg los. „Die ersten beiden Kilometer waren noch recht flach. Danach ging es eigentlich immer hoch oder runter“, sagt Lamberts. „Ich bin schneller bergauf, meinem Mann fällt es bergab leichter. Da zieht der eine den anderen mit“, freut sich Lamberts. Gelaufen wird beim „Transalpine Run“ nicht auf normalen Straßen, zumeist sind es Wanderwege aus Kies oder es wird direkt auf dem Felsen gelaufen. Wanderstöcke sind Pflicht. Manchmal ist es sogar so steil, dass ein Seil an der Strecke angebracht wurde. „Das hatte teilweise schon ein wenig von Klettern.“ Die Temperaturen hatten es anfangs auch in sich. An den ersten Tagen waren es um die 30 Grad Celsius, danach ein wenig kühler.
„Dieser Wettkampf ist so anstrengend, weil er sich über so viele Tage zieht und weil es nur mit dem Laufen nicht getan ist“, schildert die Extrem-Läuferin. „Wenn man das Etappenziel erreicht hat, hat man nicht viel Zeit zur Regeneration, zum Essen und zur Laufvorbereitung auf den kommenden Tag. Teilweise hat der Wecker schon um vier Uhr geklingelt.“ Auf der Strecke konnten sich die Teilnehmer nicht endlos Zeit lassen. Es gab eine vorgegebene Uhrzeit, bis wann sie wo sein mussten – ansonsten wurden sie disqualifiziert. Am dritten Tag schafften es Gina Lamberts und Rob van Goor nur gerade so. „Vier Stunden und zehn Minuten durften wir bis zu einem Zwischenpunkt brauchen, nach vier Stunden und sechs Minuten waren wir da.“
Trotz der Anstrengungen machten es die beiden Ostfriesen an den anderen Tagen nicht mehr so spannend. Nach dem Zieleinlauf in Prad am Stilfserjoch und einer Nacht dort im Hotel wurden alle zurück zum Startpunkt nach Lech am Arlberg gebracht, wo Gina Lamberts und Rob van Goor noch ein paar Tage entspannten. „Laufen wollten wir erstmal nicht mehr, aber ein Mountainbike haben wir uns gemietet“, schildert Gina Lamberts. Das nächste Extremsport-Event ist noch nicht gebucht: „Aber wir haben schon Ideen.“